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1. April 2005

Individualität als Herausforderung

Tagung des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg am 29. und 30. April 2005 – Palais Boisserée, Hauptstraße 207-209

Individualität war in den achtziger und neunziger Jahren eine zentrale Reflexionskategorie intellektueller Selbstverständigung. Die am Begriff Individualität ausgerichtete geisteswissenschaftliche Theoriebildung arbeitete mit oberflächlichen Vorstellungen wie ‚Originalität', ‚Subjekt' und ‚Subjektivität'. In einer solchen Perspektive allerdings konnten tieferliegende Probleme des Phänomens nicht erkannt werden und weiterreichende Möglichkeiten wurden verschenkt. Diesen Missstand versucht die Tagung zu beheben, indem sie zum Ursprung des Phänomens vordringt.

Individualität entwickelte sich am Beginn der Moderne um 1800 zu einem mentalen, verhaltensregulierenden Leitstern. Individualität wurde dort nicht als ein Faktum begriffen, sondern als ein Problem: In dem Maße, in dem die modernen Subjekte sich nicht mehr in präzis mit Rechten und Pflichten vorgeprägten Lebensläufen ergehen konnten, sondern sich vielmehr ihre Lebensräume aus dem Spektrum möglicher Funktionen erst erschließen mussten, wurden sie mit sich selbst konfrontiert. In dieser Auseinandersetzung mit sich selbst galt es, die zur Verfügung stehende Vielfalt des modernen Lebens in der eigenen Persönlichkeit zu einer Einheit – In-Dividualität – zu verschmelzen

Von seinem Ursprung her gesehen erweist sich Individualität als ein Richtwert für das Leben in modernen Verhältnissen, die das Integrationsvermögen herausfordern. Sie ist eine spezifisch moderne Lebensaufgabe und geht über die Situierung des Subjekts innerhalb einfacher dualer Bezüge hinaus. Einfache Denkfiguren wie bspw. Individuum vs. Gesellschaft, Originalität vs. Konventionalität, Verstand vs. Gefühl, Mann vs. Frau sind der Vielfalt modernen Lebens unangemessen. Nicht nur, dass sie hinter den Möglichkeiten der Moderne zurückbleiben: sie wirken unterschwellig destruktiv und können verheerende Folgen haben, wie die Opposition Arier vs. Jude gezeigt hat.

Die Tagung nimmt Individualität wörtlich. Sie begreift das Ideal des Ungeteilt-Seins als chronisches Problem der Moderne und nimmt die herzustellende Einheit in der Vielfalt als Herausforderung an. Fokussiert werden deshalb (in-)dividuierende und (dis-)sonante Aspekte in Literatur und Theorie von der Romantik bis zur Gegenwart. Die Redner und Rednerinnen versuchen dabei, desintegrative Tendenzen im eigenen Umgang mit Texten aufzuspüren und zur Diskussion zu stellen. Ziel ist es, nicht nur thematisch, sondern auch methodisch in-dividuelle Analysen zu bieten und bekannte und weniger bekannte Texte der literarischen Moderne letztendlich zu modernisieren.

Hier das Programm der Tagung:

Freitag, 29. April 2005

16.00 Uhr
Jutta Schlich: Begrüßung und Eröffnung

16.30 Uhr
Bettina Gruber: Dividuum. Die Zerreißung des Unteilbaren als literarisches Motiv

17.15 Uhr
Hans Lösener: Individuation und Subjektivierung. Zum Begriff des lyrischen Ichs

18.00 Uhr
Alexandra Hildebrandt: Grenzgänger des Wissens

18.45 Uhr
Sandra Kluwe: Individuationsprozesse im Märchen

19.30 Uhr
Franziska Ehinger: Richard Wagner in Thailand

Samstag, 30. April 2005

9.00 Uhr
Heinz-Peter Preußer: Den Liebsten verspeisen. Kannibalismus als Reflex von Eros und Individualisierung

9.45 Uhr
Matthias Luserke-Jaqui: Die Unordnung der Liebe. Kulturgeschichtliche Aspekte der Subjektkonstitution in Schillers "Kabale und Liebe"

10.30 Uhr
Eva Kormann: Das Individuum und das Zersetzende der Autonomie – Zu E.TA. Hoffmanns "Der Sandmann"

11.30 Uhr
Verena Neumann: Erotik als individuelles Lebenskonzept am Beispiel von Franziska zu Reventlow und Stefan George

12.15 Uhr
Wolfgang Bunzel: Extrakte des Lebens. Peter Altenbergs poetische Diätetik

13.00 Uhr
Gerhard Plumpe: Im Niemandsland. Figuren der Individualität im Werk Ernst Jüngers

13.45 Uhr
Sandra Mehrfort: Individualität als Problem – Egozentrik in der Popliteratur

Referentinnen und Referenten
PD Dr. Wolfgang Bunzel, München
Dr. Franziska Ehinger, Stuttgart
Prof. Dr. Bettina Gruber, Bochum
Dr. Alexandra Hildebrandt
Dr. Sandra Kluwe, Heidelberg
PD Dr. Eva Kormann, Karlsruhe
Dr. Hans Lösener, Vechta
Prof. Dr. Matthias Luserke-Jaqui, Darmstadt
Sandra Mehrfort, Heidelberg
Verena Neumann, Heidelberg
Prof. Dr. Gerhard Plumpe, Bochum
Prof. Dr. Heinz-Peter Preußer, Bremen
PD Dr. Jutta Schlich, Heidelberg

Weitere Informationen:
Priv.-Doz. Dr. Jutta Schlich
Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg
Tel. 06221 543214
jutta.schlich@gs.uni-heidelberg.de

Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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