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29. April 2005

Hochkarätige Redner bei studentischer Veranstaltung

Mit großen Namen nähert sich der Heidelberger Club für Wirtschaft und Kultur einem schweren Thema

Eröffnungsredner Lothar Späth prognostiziert grundlegende Verwerfungen und große Chancen.

Eröffnungsredner Lothar Späth prognostiziert grundlegende Verwerfungen und große Chancen. Foto: vaf


Als einzige Dekoration steht im Kommunikationszelt auf dem Heidelberger Universitätsplatz ein Kartenständer. Daran hängt eine große Deutschlandkarte. Auf dem Boden und an Stehtischen diskutieren kleine Studentengruppen. Gesittet wartet eine lange Schlange an der Essenstheke auf spanisches Chili con Carne mit Brötchen und Petersilie aus Heidelberg sowie Käse aus Frankreich. In diesem Ambiente und in der ehrwürdigen Alten Aula der Universität beschäftigt sich das 17. Symposium des Heidelberger Clubs für Wirtschaft und Kultur drei Tage lang dem Thema "Identität in Deutschland – Selbstverständnis einer Nation". Zusammen mit Professor Dr. Gesine Schwan ist Ex-Ministerpräsident und Ex-Chef von Jenaoptik Lothar "Cleverle" Späth Schirmherr dieses hochkarätigen und nur von Studenten veranstalteten Symposiums. Letzterer eröffnete – befreit von allen beruflichen oder politischen Ambitionen – mit kühnen Visionen die dreitägige Veranstaltung.

Unter dem Thema "Deutschland zwischen Wunsch und Wirklichkeit" verglich Lothar Späth das aktuelle Deutschland mit einem Zoo. Viele schon im Zoo geborenen Tiere hätten sich daran gewöhnt, dass die Wärter das Futter bringen und in der Zwischenzeit auf jedes Tier beinahe ein Wärter komme. Manchmal erzählen alte Zootiere, wie es draußen in der Wildnis ist, und die Tiere im Zoo diskutieren über ein Zoo-Zaunerhöhungsprogramm, um geschützt und sicher weiterzuleben. Späths Analyse ist klar: Als Ersatz für ein restlos erschüttertes Nationalbewusstsein nach 1945 hätten die Deutschen mit wirtschaftlichem Erfolg die Lücke gefüllt. Jetzt, angesichts von Brüchen in der deutschen Erfolgsstory, ereigne sich eine "begnadete Schwarzmalerei" und Suche nach Schuldigen, statt nach den eigenen Fehlern zu suchen.

Ökonomisch werde Deutschland die Folgen einer globalisierten Welt schlicht ertragen müssen, Freiheit lasse sich nicht einmauern, die internationalen Finanzmärkte nehmen politische Entscheidungen gar nicht mehr zur Kenntnis, was sich an den Aktien-Indices am Tag von scheinbar wichtigen Wahlen ablesen lasse. Politiker versuchten zu begründen, was eigentlich noch Politik ist. "Der nächste Bundeskanzler ist ein armer Hund", fügt Späth im RNZ-Gespräch hinzu.

Von Wirtschaftspolitik und leider auch von einer Uno-Weltregierung müssen man sich verabschieden. Die Zukunft gehöre dem Wettbewerb der Wertesysteme und den Heimatmärkten, denn ein Heidelberger werde sich kaum in New York die Haare schneiden lassen, obwohl dort ein Friseurbesuch nur halb so viel koste wie hier. Eine positiv verstandene multikulturelle Gesellschaft, die Strategien, Konzepte und Wissen sowie Toleranz, Offenheit und friedliches Miteinander beispielgebend vorlebe, das sei das Zukunftspotenzial. Die kriegerische Geschichte von Völkern, die heute friedlich zusammenleben, werde zum Erfahrungskapital – "Europa als Weltmodell der Partnerschaft mit hoher Ethik". Insgesamt müsse die soziale Marktwirtschaft mit Lust auf Arbeit, Freude am Wettbewerb und Stolz auf Leistung ganz neu aufgestellt werden.

Die historischen Wurzeln des erschütterten Nationalbewusstsein sezierte der Zeitgeschichts-Altmeister Professor Hans Mommsen, denn die Nazis hätten alles Nationale restlos vereinnahmt und damit diskreditiert. Die nationale Identität sei an die Person Hitler geknüpft worden. Nach 1945 sei man in eine "allgemeine Ratlosigkeit" gefallen, und der Nationalismus sei untergegangen. Langsam sei ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden, ein Verfassungspatriotismus, der Identität spende und Auschwitz nicht als Ballast, sondern als Herausforderung definiere. Die nationale Solidarität im kulturell vielfältigen Europa sei nicht länger patriotisch, sondern differenziert, bereit sich auseinander zu setzen – und deshalb auf einem guten Weg.

Uni-Rektor Peter Hommelhoff hieß das Symposium und den geistigen Austausch in seinem Hause herzlich willkommen. Der Heidelberger Club für Wirtschaft und Kultur will den konstruktiven Disput interdisziplinär und in die Gesellschaft hinein anstoßen. Jedes Jahr stellt sich eine neues Team aus Studenten einem neuen Thema und der gesamten Organisation.
Herbert W. Rabl

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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