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14. April 2005

Ein Exzellenzzentrum für Astronomie entsteht an der Universität Heidelberg

Minister Frankenberg: "Die Zusammenführung der astronomischen Forschungskapazitäten in Heidelberg ist beispielhaft für weitere Entwicklungen"

Wie entstehen Planetensysteme und Galaxien? Was verbirgt sich hinter Dunkler Energie und Dunkler Materie? Wird sich der Kosmos wirklich bis in alle Ewigkeit ausdehnen? Diese Fragen stehen im Brennpunkt der modernen astronomischen Forschung. Die Astronomie gehört zu den weltweit dynamischsten Forschungsfeldern innerhalb der Physik. In den vergangenen Jahren haben neue Erkenntnisse dazu beigetragen, dass unser Verständnis über Aufbau und Wirkungsmechanismen des Universums revolutioniert wurden. Wegbereiter sind vor allem neue, leistungsfähige Technologien – Detektoren und Teleskope auf dem Boden und im Weltraum sowie die computergestützte Informationsverarbeitung und Modellierung. Sie haben neue Fenster ins All eröffnet, die für die nächsten Jahre weitere bahnbrechende Entdeckungen erwarten lassen.

Die astronomische Forschung in Heidelberg nimmt heute in vielen Teilbereichen eine internationale Spitzenposition ein. Um auch in Zukunft international konkurrenzfähig zu bleiben und für neue Herausforderungen noch besser gerüstet zu sein, haben sich jetzt drei renommierte Einrichtungen unter dem Dach des neu gegründeten Zentrums für Astronomie (ZAH) der Universität Heidelberg zusammengeschlossen: das Astronomische Rechen-Institut und die Landessternwarte Königstuhl, die als Landeseinrichtungen bislang unmittelbar dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unterstanden, sowie das Institut für Theoretische Astrophysik der Universität Heidelberg. "Mit diesem Schritt werden die Forschungskapazitäten des Landes und der Universität zu einem an internationalen Maßstäben ausgerichteten, bundesweit führenden Exzellenzzentrum für Astronomie zusammengeführt", erklärte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am 14. April vor Medienvertretern in Heidelberg.

"Mit der Eingliederung der beiden Landesforschungseinrichtungen in die Universität Heidelberg wird ein Richtung weisendes Zeichen gesetzt", so der Minister. "Ich freue mich, dass dieses Ziel in einer engen und vertrauensvollen Kooperation mit der Universität erreicht werden konnte. In der Universität wird das Potenzial geschaffen, über einen wissenschaftlichen Kristallisationspunkt und mit der notwendigen ‚kritischen Masse' die Ressourcen soweit zu bündeln, dass die Heidelberger Astronomie dauerhaft an der Spitze Deutschlands stehen kann. Gleichzeitig wird der Empfehlung in der Denkschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft ‚Status und Perspektiven der Astronomie in Deutschland 2003 – 2016', den universitären Sektor der astrophysikalischen Forschung zu stärken, hervorragend Rechnung getragen." Frankenberg unterstrich darüber hinaus die Bedeutung der Astronomie für die physikalische Forschung: "Wir müssen das Universum als ein einzigartiges Laboratorium physikalischer Forschung betrachten. Die Suche nach Schwarzen Löchern und Dunkler Materie ist hierfür ein wichtiges Beispiel."

Gezielte Förderung von Exzellenz ist ein Kerngedanke baden-württembergischer Forschungspolitik

Mit der vollständigen Übertragung des Personals und der unveränderten Haushaltsansätze 2004 des Astronomischen Rechen-Instituts und der Landessternwarte in das Kapitel der Universität erhält das Zentrum für Astronomie Heidelberg von Seiten des Landes die notwendige personelle und finanzielle Unterstützung. "Wir bestätigen damit ein weiteres Mal unsere Forschungsstrategie: Nämlich – gemäß dem Motto ‚Stärken stärken' – dort anzusetzen, wo Potenziale für die Entstehung von Exzellenz vorhanden sind. Auf diese Weise soll die Entstehung von Forschungsclustern und Exzellenzverbünden gefördert werden. Die gezielte Förderung von Exzellenz, die Vernetzung von wissenschaftlichen Kompetenzen und die Stärkung der grundlagenorientierten Forschung sind seit langem zentrale Elemente in der Wissenschafts- und Forschungspolitik des Landes." (Frankenberg)

Potenzial für die Wettbewerbsfähigkeit wird erhöht

Der Prorektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Jochen Tröger, stellte die Bedeutung des neuen Zentrums für Astronomie für die Universität heraus: "Durch den Zusammenschluss werden wir die Wettbewerbsfähigkeit und das Potenzial für die Beteiligung an internationalen Projekten sowie die Einwerbung von Drittmitteln erhöhen." Das Zentrum für Astronomie arbeite in Lehre und Forschung eng mit der Fakultät für Physik und Astronomie zusammen sowie mit den Heidelberger astronomischen Max-Planck-Instituten. Diese durch einen gemeinsamen Sonderforschungsbereich bereits gut etablierte Kooperation erhalte weiteren Auftrieb durch die International Max-Planck-Research School. Tröger: "In diesem Forschungsverbund ist die Heidelberger Astronomie hervorragend positioniert im internationalen Wettbewerb."

Rektorat erwartet, dass exzellente Position der Einzelinstitute "synergistisch verstärkt wird"

Prorektor Tröger weiter: "Die Zusammenfassung wissenschaftlicher Kompetenzen naheverwandter, universitärer und außeruniversitärer Institute ist nicht nur in Zeiten von Budgetschwierigkeiten eine sinnvolle Maßnahme; diese Konzentration dient vor allem der Verbesserung der Forschungs- und Lehrmöglichkeiten."

Das Rektorat der Universität Heidelberg sei gerne zu Gesprächen über eine Zusammenfassung der international aktiven Gruppen Landessternwarte, Astronomisches Rechen-Institut und Institut für Theoretische Astrophysik bereit gewesen. "In zügigen und vom Grundkonsens getragenen Besprechungen wurde schnell eine auch von den Wissenschaftlern akzeptierte Lösung gefunden."

Das Rektorat erwarte, dass die exzellente Position der bisher bestehenden Einzelinstitute nicht nur gebündelt, sondern "synergistisch verstärkt" werde. Tröger: "Wir sind sicher, dass die jetzt schon außerordentlichen Leistungen im Bereich der Astronomie in Forschung und Lehre nochmals verbessert werden. Schon heute bestehen wissenschaftliche Kooperationen mit dem Max-Planck-Institut, und wir sind zuversichtlich, dass diese Nähe weiter zunehmen wird."

Die neuaufgestellte astronomische Forschung in Heidelberg stelle eine hervorragende Ausgangsposition für den in Gang kommenden Prozess der Förderung universitärer Spitzenforschung dar.

Trögers Dank galt denen, die auf wissenschaftsadministrativer und wissenschaftlicher Seite diese Zentrumsbildung aktiv begleiteten. "Für diese gemeinsame Strukturentscheidung zugunsten der astronomischen Forschung gilt unser Dank auch der Landesregierung und besonders dem Wissenschaftsministerium. Dies ist eine wichtige Entscheidung zugunsten der Astronomie, aber eben auch zugunsten der Universität Heidelberg und der wissenschaftlichen Umgebung der Universität Heidelberg."

Beteiligung an internationalen Top-Projekten

Der geschäftsführende Direktor des Zentrums für Astronomie, der Heidelberger Astrophysiker Prof. Dr. Joachim Wambsganß, nannte als zukünftige Arbeitsgebiete die Beteiligung an internationalen Top-Projekten wie dem Large Binocular Telescope (LBT), das in den USA derzeit in Betrieb geht. "Das LBT wird das leistungsstärkste Teleskop der Nordhemisphäre. Gerade für die Erforschung der Stern- und Planetenentstehung sowie von weit entfernten Galaxien im jungen Universum wird die extrem gute Auflösung, die zehn Mal besser als ist die des Weltraumteleskops Hubble, von großem Nutzen sein", sagte Wambsganß. Weiter nannte er den in einigen Jahren startenden Astronomie-Satelliten GAIA, eine Mission der europäischen Raumfahrtorganisation European Space Agency (ESA). "GAIA wird es ermöglichen, die dreidimensionale Verteilung und die Bewegungen von Sternen über die gesamte Milchstraße zu messen. Damit werden die Entwicklungsgeschichte der Milchstraße sichtbar gemacht, neue extrasolare Planeten gefunden sowie Einsteins Relativitätstheorie überprüft werden." Geplant sei auch die Beteiligung an der PLANCK-Mission, einem Satelliten zur Untersuchung der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung, die das bislang älteste direkt zu beobachtende Zeugnis aus der frühen Phase des Universums und damit ein Beleg für die Urknalltheorie ist. Das in Heidelberg vorhandene Know-how biete eine hervorragende Basis für diese hochkarätigen Projekte.

Ausbildung von Doktoranden und Postdocs ist international ausgerichtet

Joachim Wambsganß stellte heraus, dass die im ZAH neu orientierte Heidelberger Astronomie sowohl in der Forschung als auch in der Lehre große Ziele verfolge. So sei etwa vor kurzem die Beteiligung an dem Marie Curie Training and Research Network ANGLES innerhalb des 6. Rahmenprogramm der EU (unter anderem mit Cambridge, Copenhagen, Shanghai) genehmigt worden, bei dem mit Hilfe des Gravitationslinseneffekts das Universum erforscht werde. Dabei reiche das Forschungsspektrum von der Bestimmung der Größe des Universums über die Erforschung der Dunklen Materie bis zu der Suche nach Planeten um andere Sterne. "Wir legen dabei besonders großen Wert auf die international ausgerichtete Ausbildung von Doktoranden und Postdocs", betonte Wambsganß. In die gleiche Richtung gehe die gerade beginnende International Max-Planck-Research School (IMPRS), bei der in enger Zusammenarbeit mit den beiden Max-Planck-Instituten und der Fakultät für Physik und Astronomie eine erstklassige Ausbildung junger Astrophysikerinnen und Astrophysiker garantiert werde. Prof. Wambsganß: "Mit dem neuen ZAH innerhalb der Universität ist die Astronomie in Heidelberg bestens aufgestellt. Gemeinsam mit der Fakultät für Physik und Astronomie und den Max-Planck-Instituten wird es uns gelingen, bei der Bewältigung der großen Herausforderungen der kommenden Jahre eine international führende Rolle zu spielen."

Kontakt:
Ministerium für Wissenschaft, Forschung
und Kunst, Pressestelle
Tel. 0711 279 3005
presse@mwk.bwl.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


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