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23. März 2005

Kritische Reflexion des Glaubens

Wissenschaftliche Theologie an der Universität Heidelberg unverzichtbarer Bestandteil der Volluniversität – Zahlreiche Aufgaben im Rahmen einer interdisziplinär und international ausgerichteten Lehre und Forschung – Eine weitere Beschneidung ihrer finanziellen Mittel wäre unverantwortlich

Für die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist die wissenschaftliche Theologie, wie sie an der Theologischen Fakultät betrieben wird, ein notwendiger und unverzichtbarer Bestandteil der Volluniversität. Sie dient in interdisziplinär wie international formierter Lehre und Forschung einer dreifachen Aufgabenstellung: Sie ist erstens kritische Selbstreflexion des christlichen Glaubens; zweitens erforscht und vermittelt sie historische und kulturelle Erscheinungsformen der christlichen Tradition in ihrer Wirkungskraft für die kulturellen, religiösen und moralischen Grundlagen einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft; und sie ist schließlich drittens der exemplarische Ort, an dem christlicher Glaube sich in den wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs um Voraussetzungen und Gestalt von globalisierter Kultur und Gesellschaft einbringt.

Die wissenschaftliche Theologie hat dabei die Aufgaben, die kirchlich und außerkirchlich gelebte Religiosität kritisch zu beobachten und zu reflektieren, ihre normativen und geistlichen Grundlagen immer neu aktualisierend freizulegen, sie mit ihren vergangenen Fehlentwicklungen sowie historischen positiven Fortentwicklungen zu konfrontieren und vor zukünftigen Fehlentwicklungen (z.B. fundamentalistischen Tendenzen oder Banalisierung von Religion) zu warnen bzw. positive Fortentwicklungen zu befördern.

Angesichts der Tatsache, dass über 80 % der Menschheit sich ausdrücklich zu religiösen Bindekräften und Traditionen bekennen, ist der große Bestand religiöser Werteressourcen für heutige Herausforderungen fruchtbar zu machen. Dies liegt insbesondere auch im Interesse des weltanschaulich neutralen Staates, der bekanntlich die Voraussetzungen, von denen er zehrt, selbst nicht gewährleisten kann. Gleichzeitig darf aber auch das Gefahrenpotential fanatischer oder verwahrloster Religiosität nicht unterschätzt werden. Eine wissenschaftliche Begleitung religiöser Entwicklung, die (theologisch kompetent!) deren genuine Eigendynamiken zu erfassen sucht, ist auch für den politischen und rechtlichen Umgang mit Religion unverzichtbar.

Die wissenschaftliche Theologie an der Theologischen Fakultät Heidelberg ist diesen Aufgabenstellungen verpflichtet. Ihre Lehre und Forschung beruht auf vier Säulen:
  1. Berufsfeldbezogene Ausbildung für künftige Pfarrerinnen und Pfarrer, Lehrerinnen und Lehrer; Diplom-, Magister- und Masterstudiengänge sowie Promotions- und Habilitationsabschlüsse
  2. Internationalität
  3. Interdisziplinäre Vernetzung in allen Teildisziplinen
  4. Lehre und Forschung im so genannten 3. Sektor (Wohlfahrtsbereich)
Berufsfeldbezogene Ausbildung

Die berufsfeldbezogene Ausbildung richtet sich vornehmlich auf die Vorbereitung und wissenschaftliche Begleitung der Arbeit in kirchlichen und schulischen Handlungsfeldern (Verkündigung, Seelsorge und Unterricht), aber auch auf Tätigkeitsfelder außerhalb der klassischen Religionsberufe (z.B. Erwachsenenbildung und Medienarbeit). Die Ausbildung leitet künftige Pfarrer und Religionslehrer zu einem kritischen und konstruktiven Verstehen der Lebensbedingungen und Lebensfragen der Gegenwart an, indem sie die Grundlagen religiösen Lebens und Handelns reflektiert und in religiöse Kommunikations- und Diskursformen einübt.

Als wissenschaftliches Studium ist die theologische Ausbildung gekennzeichnet durch Praxisbezug einerseits, durch kritische Reflexion der Handlungsfelder andererseits. Sie vermittelt Kompetenzen für die analytisch-wissenschaftliche Durchdringung der sozialen und kulturellen Realität von christlicher und außerchristlicher Religion und leitet an zur fundierten Wahrnehmung der Transformationen der Religionskultur in der Gegenwart sowie zu verantwortlichem Handeln im Kontext sozialen und religiösen Wandels. Sie reflektiert die Rahmenbedingungen religiöser Bildungsprozesse und entwickelt Lernwege, die die Erfüllung der religiösen Bildungs- und Erziehungsaufgaben ermöglichen.

Den Kern und die Hauptaufgabe der theologischen Ausbildung bilden die Studiengänge zur Ausbildung künftiger Pfarrerinnen und Pfarrer (kirchliches Examen) sowie Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien (Lehramtsstudiengang). Das Studium der Theologie ermöglicht jedoch auch Berufsperspektiven, die über Kirche und Schule hinausweisen (z.B. in öffentlichen sozialen und kulturellen Einrichtungen, im Verlagswesen, im Personalmanagement, in Beratungsstellen für Religions- und Weltanschauungsfragen). Für diese Berufsfelder werden weitere Studiengänge angeboten (z.B. Diplomstudiengang, interdisziplinärer Magisterstudiengang in Zusammenarbeit mit der Philosophischen Fakultät). Zur besseren und gezielten Betreuung ausländischer Studierender wurde im WS 2004/05 ein Master of Theological Research eingerichtet (u.a. mit regelmäßigen Lehrangeboten in englischer Sprache). Insgesamt betreut die Theologische Fakultät Heidelberg so viele evangelisch-theologische Doktorandinnen und Doktoranden aus dem In- und Ausland (insgesamt 140) wie keine andere theologische Fakultät weltweit. Die hier Promovierten und Habilitierten erreichen weltweit führende Positionen in Wissenschaft und Kirche.

Mehrere innovative Studiengänge wurden in der Diakoniewissenschaft zur Ausbildung auf dem 3. Sektor kürzlich eingerichtet. So gibt es ein Diplomaufbaustudium Diakoniewissenschaft; im Weiterbildungsbereich wurde eine "Master of Arts"-Ausbildung in Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich (in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und der Evangelischen Fachhochschule in Ludwigshafen) entwickelt, die im Wintersemester 2005/06 beginnen wird. Ein ebenfalls neuer Masterstudiengang, der im Verbund mit drei weiteren Fachhochschulen angeboten werden soll, durchläuft zur Zeit das Akkreditierungsverfahren.

Internationalität

Das Christentum ist mit einem Drittel der Menschheit weltweit eine der stärksten prägenden Kulturkräfte und erfährt überdies zur Zeit in Asien, Afrika und Lateinamerika ein rasantes Wachstum. Das Verständnis gegenwärtiger globaler Entwicklungen ist ohne Berücksichtigung des christlichen Faktors kaum möglich. Die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg ist deshalb sehr eng in die internationale und interdisziplinäre Forschung in aller Welt eingebunden und das in einem Ausmaß wie derzeit keine andere theologische Fakultät in Deutschland. Dies geschieht durch gemeinsame Editionen und Forschungsaustausch sowie mittels Veranstaltungen von internationalen und interdisziplinären Kolloquien, Gastprofessuren etc. Es besteht eine konkrete wissenschaftliche Zusammenarbeit mit 14 europäischen Ländern, mit Kanada, mit Israel, mit der Türkei, mit zwei lateinamerikanischen Ländern (Brasilien, Chile), mit Südafrika, mit Australien und mit fünf asiatischen Ländern (Indien, China und Hongkong, Taiwan, Korea, Japan). Besonders intensive Forschungskontakte bestehen in die USA (z.B. Princeton, Harvard, University of Chicago).

Die Fakultät hat Strukturen und Forschungsprojekte entwickelt, die ihr eine vielseitige besondere Anziehungs- und Ausstrahlungskraft in deutsche und internationale, kirchliche, wissenschaftliche und sozial- und bildungspolitische Bereiche hinein verschaffen. Diese Ausstrahlung geht allerdings auch mit einer hohen Kapazitätsbelastung der Lehrenden einher. Universität und Theologische Fakultät haben überdies 2004 ein "Forschungszentrum für internationale und interdisziplinäre Theologie (FIIT)" gegründet, das eine multizentrische Organisationsform bieten wird, um die zahlreichen internationalen Verbindungen und interdisziplinären Forschungsschwerpunkte der Fakultät in fruchtbaren Synergien zu verbinden.

Interdisziplinarität und Vernetzung

Theologie ist ihrem Selbstverständnis nach interdisziplinär angelegt. Untrennbar verbunden mit der Internationalität ist deshalb die interdisziplinäre Vernetzung der Theologischen Fakultät Heidelberg. Diese geschieht durch die Mitarbeit in interdisziplinären Graduiertenkollegs, Forschergruppen, Sonderforschungsbereichen und findet in vielen weiteren inneruniversitären Kooperationsvereinbarungen (z.B. mit der Philosophischen Fakultät oder der Hochschule für Jüdische Studien) ihren Niederschlag.

Darüber hinaus geschehen als Folge dieser engen interdisziplinären Vernetzung Lehrexporte in andere Studiengänge, die die Aufgaben der Theologischen Fakultät innerhalb der Universität wesentlich erweitern (z.B. Ethisch-Philosophisches Grundlagenstudium, Studiengang Philosophie/Ethik). Weitere Lehrexporte werden an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und an der Universität Mannheim erbracht.

Lehre und Forschung im Wohlfahrtsbereich

Lehre und Forschung im Wohlfahrtsbereich erscheinen angesichts der Reformen der sozialen Sicherung und der Errichtung eines Sozialmarktes heute nötiger denn je. Über den Aufbau eines nationalen und internationalen Netzwerkes ist das Diakoniewissenschaftliche Institut der Theologischen Fakultät in innovative Forschungsprojekte und die wissenschaftliche Begleitung sozialer Einrichtungen in Deutschland und Europa eingebunden. Auf jährlich veranstalteten Kongressen werden neueste Forschungsergebnisse für die Weiterentwicklung sozialer Standards gebündelt. Wohlfahrtsforschung leistet so einen unverzichtbaren Beitrag für die Gewährleistung von sozialer Kohäsion in einer modernen Gesellschaft.

Durch die Entwicklung neuer Masterstudiengänge entspricht das Diakoniewissenschaftliche Institut den steigenden Ausbildungsbedarfslagen. So wird gegenwärtig unter Federführung des Instituts der erste europäische Masterstudiengang in "Value-based Social Services" gemeinsam mit acht Partner-Instituten aus fünf Ländern im Rahmen des Sokrates-Programms der Europäischen Union konzipiert. Damit wird nicht nur auf das Zusammenwachsen Europas reagiert. Die Herausforderung für Forschung und Lehre im 3. Sektor besteht darin, eine Basis für die Vereinheitlichung der sozialen Standards in Europa zu eruieren, die den geschichtlich gewachsenen unterschiedlichen nationalen Ausprägungen Rechnung trägt.

Nur eine pluralismusfähige Theologie, wie sie das Profil der Theologischen Fakultät in Heidelberg bildet, vermag es, auf die gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen angemessen und innovativ zu antworten, Fehlentwicklungen entgegenzuarbeiten und dadurch auch für den politischen Umgang mit Religion in einer postsäkularen Gesellschaft wertvolle Dienste zu leisten. Sie trägt damit entscheidend zur Selbstvergewisserung einer christlich geprägten europäischen Kultur bei, und sie besitzt und vermittelt die Kompetenz zu interreligiösen Kommunikationen und Dialogen.

Die Forderungen des Landesrechnungshofes verkennen Profil und Leistungen von Theologie als Wissenschaft in Heidelberg und verfehlen die in unserer Gegenwart notwendige diskurs- und pluralismusfähige Ausgestaltung wissenschaftlicher Theologie, die einen wesentlichen Beitrag zur Reflexion und Vertiefung der Grundlagen demokratischer Kultur leistet. Eine solche wissenschaftliche Theologie stellt einen unverzichtbaren Wert für Universität, Gesellschaft, Kirchen und Religionen dar. Sie nach Verlust eines Drittels ihrer Kapazitäten noch weiter finanziell zu beschneiden, ist nicht zu verantworten.

Rückfragen bitte an
Dekanat der Theologischen Fakultät
Tel. 06221 543334
theol.dekanat@urz.uni-heidelberg.de

und
Dr. Oliver Fink und Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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