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30. März 2005

Modernes Land jenseits der Klischees

Vor 20 Jahren startete das Japanologische Seminar – Wolfgang Schamoni als Vermittler

Seit 1985 leitet Wolfgang Schamoni den Aufbau des Japanologischen Seminars in Heidelberg.

Seit 1985 leitet Wolfgang Schamoni den Aufbau des Japanologischen Seminars in Heidelberg. Am 1. Februar wurde ihm vom japanischen Generalkonsul Shigeharu Maruyama der "Orden der Aufgehenden Sonne mit Goldenen Strahlen am Halsband" überreicht. Foto: Schnurr


Im Herbst 1966 kam Wolfgang Schamoni zum ersten Mal nach Japan. Er war 25 Jahre alt und der erste Student des Japanologischen Seminars der Universität Bonn, der diese Reise unternahm. Schamoni studierte an der privaten Waseda Universität; bis Frühjahr 1968 dauerte sein Aufenthalt in Fernost. "Es war eine bewegende Zeit für mich", resümiert er heute. "Sie hat mein weiteres Leben entscheidend geprägt. Die unglaubliche Offenheit der japanischen Gesellschaft im Vergleich zu der damals weltanschaulich doch engen und starren BRD, das war ein innerlicher Befreiungsschlag für mich, das war eine echte Inspiration."

Unglaubliche Offenheit der Gesellschaft

Heute leitet Wolfgang Schamoni das Japanologische Seminar der Universität Heidelberg, rund 250 Studenten sind dort gegenwärtig eingeschrieben: "1985 fing ich hier bei Null an, alles was danach kam, haben wir ganz sukzessive aufgebaut." Er unterrichtet vor allem Literaturwissenschaft und Ideengeschichte mit dem Forschungsschwerpunkt "Moderne"; mit ihm am Institut lehrt Wolfgang Seifert, dessen Arbeitsgebiete vor allem die Sozialwissenschaften und die moderne Geschichte Japans darstellen. Zunächst bleibe festzuhalten, so Schamoni, dass Japanologie ein Fach, aber keine fest umrissene Disziplin sei. Es bliebe in hohem Maße den Lehrenden überlassen, mit welchen Inhalten sie das Studium füllten. "Von der Größe her rangieren wir mittlerweile im oberen Mittelfeld der 16 deutschen Japanologischen Institute", so Schamoni. Er hofft jedoch auf zusätzliches Personal, denn die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge erhöht die Arbeitsbelastung.

Dennoch erachtet Schamoni diese Umstellung als sinnvoll. Durch eine Straffung und bessere Organisation würden die Studenten in Zukunft schneller das Basiswissen erlangen als bisher. Auch soll die Zusammenarbeit mit dem Sinologischen Seminar und der Ostasiatischen Kunstgeschichte intensiviert werden. "Bis April wollen wir unter einem institutionellen Dach mit dem Namen ,Zentrum für Ostasienwissenschaften' kooperieren. Für revolutionär halte ich den neuen BA-Studiengang, den wir bereits seit Oktober 2004 anbieten. Die Studenten behalten ihr Stammfach und wählen eine Sprache als Schwerpunkt, erhalten aber zusätzlich übergreifenden Unterricht und damit Einblick in die anderen Fächer. Dies halte ich für eine wichtige Neuerung."

Schamoni hält seine Studenten schon während des Studiums an, verschiedene Praktika zu absolvieren. Denn auf ein klares Berufsbild führe das Japanologiestudium letztlich nicht hin. "Zumeist in der Wirtschaft und den Medien kommen unsere Absolventen schließlich unter. Aber dazu gehört die Bereitschaft flexibel zu sein, auch Durststrecken auf sich zu nehmen und sich beruflich unter Umständen selbst ganz neu zu erfinden", so Schamoni.

Am Anfang stehe bei den meisten Studenten eine diffuse Faszination für Japan. Auch bei ihm selbst sei es so gewesen, vor allem die Kunst und Literatur Nippons hatten ihn in Bann geschlagen. Doch die Sprache und nicht zuletzt das komplexe Schriftsystem seien für einige eine zu hohe Hürde. Von den gegenwärtig rund 70 bis 80 Erstsemestern, würde deshalb rasch wieder rund ein Viertel das Studium aufgeben. "Wir erwarten von unseren Studenten, dass sie, in der Regel ab dem fünften Semester, für ein Jahr nach Japan gehen."

Eine enge Kooperation pflegt das Heidelberger Seminar mit der staatlichen Universität in Kyoto und der Hitotsubashi Universtität in Tokyo. Aber auch zu einer ganzen Reihe kleinerer japanischer Universitäten bestehen gute Kontakte. Die mittlerweile rund 25000 Bände umfassende Bibliothek des Seminars verdankt ihre Existenz in Teilen japanischen Mäzenen.

Überhaupt gelte es, die japanische Literatur in Deutschland bekannter zu machen, so Schamoni. Er selbst publizierte bei Suhrkamp und im Insel Verlag über die Schriftsteller Ishikawa Takuboku (1886-1912), Mori Ogai (1862-1922) und Maruyama Masao (1914-1996). Noch immer bewege sich das deutsche Japanbild in Klischees, gelte Japan als Land zwischen Hochtechnologie und exotischem Kulturtraditionalismus. "Das ist völliger Unsinn, die Japaner bauen nicht nur Hightechkameras und beschäftigen sich ansonsten mit Teezeremonien." Eine große Leistung Japans stelle etwa der differenzierte Reflexionsprozess der eigenen historischen Entwicklung dar. Die Auseinandersetzung mit der Moderne habe in Japan intensiver und früher begonnen als in Europa. "Gerade wenn ich die Gedichte von Takuboku lese oder auch die politischen Abhandlungen Maruyamas, so finde ich hier die eigene wie die europäische Identität in geistig ungeheuer differenzierter Art und Weise erörtert."

Die Japaner würdigten Schamonis Bemühungen um den kulturellen Austausch mittlerweile ausdrücklich. So erhielt er am 1. Februar vom japanischen Generalkonsul Shigeharu Maruyama den "Orden der Aufgehenden Sonne mit Goldenen Strahlen am Halsband" überreicht. In der Stellungnahme des Generalkonsuls hieß es: "Die japanische Regierung zeichnet Herrn Professor Schamoni (...) für seine unermüdliche Vermittlertätigkeit zwischen Japan und Deutschland aus sowie für sein tiefes Eindringen in die Literatur und das Denken Japans. Sie dankt ihm für sein Bemühen, nicht nur die japanische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern auch das Werk japanischer Denker der Moderne wie Maruyama Masao in Deutschland vorzustellen und so das landläufige Bild von Japan hierzulande zu korrigieren."

Eindringen in das Denken Japans

Wolfgang Schamoni betont, dass es sich über diese Auszeichnung zwar sehr freue, er sie aber als Würdigung der Arbeit des Japanologischen Seminars insgesamt verstanden wissen möchte. "Mir scheint, dass unser spezifisches wissenschaftliches Profil, der Brückenschlag also zwischen Literatur-, moderner Geschichts- und Politikwissenschaft ein angemessener Weg ist, um sich dem Verständnis der japanischen Kultur zu nähren."
Johannes Schnurr

Ein Gedicht von Ishikawa Takuboku aus dem Jahre 1910 lautet: "wieso eigentlich / sitz ich hier / manchmal / erschreckend / betrachte ich mein Zimmer" (Ishikawa Takuboku: "Trauriges Spielzeug" – von Wolfgang Schamoni–, Insel Verlag).

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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