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30. März 2005

Aus den Tiefen des dritten vorchristlichen Jahrtausends

"Das Gilgamesch-Epos" – Aus dem Original vollständig neu übersetzt von dem Heidelberger Assyriologen Stefan M. Maul

Neuassyrische Darstellung eines löwenbezwingenden Riesen (um 710 v. Chr.).

Neuassyrische Darstellung eines löwenbezwingenden Riesen (um 710 v. Chr.). Unser Foto zeigt das Titelbild des besprochenen Bandes.

Es stammt aus den Tiefen des dritten vorchristlichen Jahrtausends – das Gilgamesch-Epos. Und doch übt die Geschichte des großen Königs von Uruk, der seine Kräfte mit der ganzen Welt messen will und nach der Unsterblichkeit strebt, bis heute einen ganz besonderen Reiz aus. Dies gilt vor allem für die jüngst von dem Heidelberger Assyriologen Stefan M. Maul erarbeitete Version – was jedoch nicht nur an der Einbeziehung bislang unpublizierter Textfragmente liegt. Vielmehr ist es das besondere Flair des Textes, das die Faszination ausmacht, hielt sich Prof. Maul bei der vollständig neuen Übersetzung doch so dicht und wortgetreu wie möglich am babylonischen Original.

Streben nach Unsterblichkeit

Die jüngste Auflage des Klassikers überrascht mit einem beachtlichen Lesevergnügen, wie schon die ersten Zeilen des Epos deutlich machen: "Der, der die Tiefe sah, die Grundfeste des Landes, der das Verborgene kannte, der, dem alles bewusst / Gilgamesch, der die Tiefe sah, die Grundfeste des Landes, der das Verborgene kannte, der, dem alles bewusst / vertraut sind ihm die Göttersitze allesamt. Allumfassende Weisheit erwarb er in jeglichen Dingen. Er sah das Geheime und deckte auf das Verhüllte, er brachte Kunde von der Zeit vor der Flut."

Man kann dieses Epos in vielerlei Hinsicht mit einem modernen Entwicklungsroman vergleichen. Immerhin strebt König Gilgamesch nach der Unsterblichkeit, bevor er letztlich auf die Erkenntnis zurückgeworfen wird, dass das irdische Dasein auch für ihn endlich ist. Natürlich hat er auf dem Weg zu dieser Einsicht zahllose Abenteuer zu bestehen – wie beispielsweise im Zedernwald des Libanon oder im Land des unsterblichen Uta-napischti. Dieser hatte als "babylonischer Noah" eine Arche gebaut, "und so die Tiere, seine Familie und Vertreter aller Künste vor der großen Flut gerettet. In vielen Einzelheiten gleicht die babylonische Geschichte von der Flut der Sintfluterzählung des ersten Buches der hebräischen Bibel". Das Überleben des Archenerbauers war jedoch ein Widerspruch zur göttlich verfügten Flut, die alle sterblichen Menschen hätte töten sollen. Ihm und seiner Frau wurde deshalb die Unsterblichkeit gegeben, um den göttlichen Willen nicht in Frage zu stellen.

"Einzig und allein diesem Umstand verdankte Uta-napischti seine Unsterblichkeit, nicht etwa einem selbstsüchtigen eigenen Streben nach dem ewigen Leben", wie es Gilgamesch noch kurz vor seiner Läuterung an den Tag legt. "Uta-napischti gibt Gilgamesch aber noch eine weitere Lehre mit auf seinen Lebensweg. Derjenige, der nicht einmal den Schlaf besiegen kann, darf nicht hoffen, den Tod zu überwinden. Die Probe, für sechs Tage und sieben Nächte ohne Schlaf zu bleiben, kann Gilgamesch nicht bestehen (...), und so muss er einsehen, dass er an keinem Ort dem Los des Todes entgehen kann." Am Ende akzeptiert Gilgamesch sein Schicksal in allen Konsequenzen, wodurch er erst die Fähigkeit erwirbt, ein guter Herrscher zu sein.

Zwölf Tontafeln sind es insgesamt, die vom Leben des Gilgamesch und seinen unglaublich klingenden Abenteuern künden. Doch sollte man "sich hüten, die Gestalt des Gilgamesch allzu schnell dem Reich der Sagen zuzuweisen. Denn zumindest einer der Herrscher, die der "Sumerischen Königsliste" zufolge vor Gilgamesch regiert haben sollen, muss als historische Persönlichkeit des frühen dritten vorchristlichen Jahrtausends gelten. Obgleich man ihm, so wie auch Gilgamesch, eine undenkbar lange Regierungszeit zuschrieb, beweisen Keilinschriften dieses Fürsten eindeutig seine Historizität. "Es ist daher keineswegs unwahrscheinlich, dass auch ein König mit dem Namen Gilgamesch in Uruk regierte. Die eindrucksvolle, mehr als 9 km lange, turmbewehrte Mauer, die Uruk umfriedete, könnte durchaus von diesem König errichtet worden sein," meint Stefan M. Maul.

Ein Bild des Alten Orients

Ein Körnchen Wahrheit steckt also mit Sicherheit im Epos, das von den ergänzenden Erklärungen seitens Prof. Maul sehr gelungen abgerundet wird. So erläutert der Leibnizpreisträger des Jahres 1997 sowohl die politischen wie auch die gesellschaftlichen und geistigen Rahmenbedingungen, unter denen das Gilgamesch-Epos einst entstand, und gibt ein detailliertes Bild des Alten Orients während des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Ein sehr nützlicher Kontext – und eine gute Hilfe für den Leser, der sich während der Lektüre zuweilen wundert, wie zeitlos doch manche Wünsche und Gefühle sind. In einigen Belangen hat sich die Menschheit während der vergangenen 5000 Jahren nämlich nicht besonders weiterentwickelt, wie in diesem Epos geschildert wird.
Heiko P. Wacker

Stefan M. Maul: "Das Gilgamesch-Epos". Neu übersetzt und kommentiert. Verlag C.H. Beck, München 2005. 192 S. mit 13 Abb., leinengeb. mit Schutzumschlag, ISBN 3-406-52870-8, 19,90 Euro.

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