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15. März 2005

Einblick in längst vergangene Ideenwelten

Vielschichtige Nilkultur: Heidelberger Professor Jan Assmann über "Theologie und Weisheit im alten Ägypten"

Hunderte von Hymnen auf Papyri, in Tempeln und vor allem Gräbern geben Einblick in die Arbeit der ägyptischen Theologen am Gottesbegriff in jener vergangenen Hochkultur am Nil. Dabei wurde schon in der Vergangenheit deutlich, wie rasant sich die damalige Theologie zum Teil verändern konnte. Der Heidelberger Ägyptologe Jan Assman folgt nun in seinem jüngsten Buch diesen Entwicklungen nach und zeigt, welchen Weg die ägyptischen Theologen in den vorchristlichen Jahrhunderten zwischen 1500 und 1100 genommen haben. Einen besonders interessanten Aspekt stellt hierbei die monotheistische Revolution des Echnaton um 1350 dar, die man eindeutig als Höhepunkt theologischen Denkens damaliger Zeit sehen kann.

Grundsätzlich jedoch gilt es zu beachten – und Assmann weist auch mehrfach darauf hin -–, dass sich der Begriff der "Weisheit" in Ägypten keinesfalls im Gegensatz zur Theologie betrachten lässt. "Vielmehr handelt es sich auch hier, wie im alten Testament, um ergänzende Aspekte", wird bereits im Vorwort des Buches betont. Dabei haben sich die beiden Begriff jedoch nicht nur ergänzt – sie haben sich im Laufe der Zeit auch einander angenähert. "Die Theologie wird darin immer weisheitlicher, dass es auch hier immer stärker um eine Theologie des Höchsten Wesens jenseits der polytheistischen Götterwelt, also um eine Theologie Gottes geht. Die Weisheit ihrerseits wird immer ‚frömmer', weil in ihrer Interpretation der conditio humana die Rolle ‚Gottes' immer bestimmender wird."

In den auf diese einleitenden Worte folgenden fünf Kapiteln beleuchtet Assmann daraufhin die faszinierenden theologischen Entwicklungen, die nicht zu trennen sind von einem parallel ablaufenden Wandel des Menschenbildes in der weisheitlichen Tradition. Gerade in der Darstellung jener Strömungen einer persönlichen, privat empfundenen Frömmigkeit – die sich in den Jahrhunderten nach Echnaton allgemein durchsetzte – lässt der Ägyptologe, der zu den einflussreichsten Kultur- und Religionswissenschaftlern unserer Zeit gehört, ein Stück jener vergangenen Hochkultur lebendig werden. Vor allem die zahlreich zitierten Gebete und Inschriften geben Einblick in eine längst vergangene Ideenwelt, wie es anhand eines Beispiels zum "Einklang von Gott und Mensch" deutlich wird: "Trenne nicht dein Herz von deiner Zunge, dann werden alle deine Pläne erfolgreich sein; du wirst gewichtig sein vor den Leuten, indem du heil bist in der Hand Gottes."

So ist denn dieses Buch mehr als "nur" eine detailliert erarbeitete und fundiert argumentierende Quellenanalyse zum Wandel des Gottesbegriffs. Es ist auch ein überaus facettenreicher Beweis für die Vielschichtigkeit der Nilkultur. Trotz des durchaus anspruchsvollen Inhalts ist "Theologie und Weisheit im alten Ägypten" deshalb ein sehr lohnendes Buch für all jene, die schon immer tiefer in das Gedankengut Ägyptens eindringen wollten.
Heiko P. Wacker

Jan Assmann: "Theologie und Weisheit im alten Ägypten". Wilhelm Fink Verlag, München 2004. 188 S., ISBN 3-7705-4069-7; 24,90 Euro.

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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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