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3. März 2005

"Heidelberg genießt in Großbritannien einen guten Ruf"

Der britische Botschafter in Deutschland, Sir Peter Torry, über Hochschulen beider Länder, das Deutschlandbild der Briten und Neonazis in Europa

Sir Peter Torry begleitete seine Tochter nach Heidelberg, die hier ab dem kommenden Semester studieren wird.

Sir Peter Torry begleitete seine Tochter nach Heidelberg, die hier ab dem kommenden Semester studieren wird. Foto: Welker

"Die Heidelberger Universität genießt in Großbritannien einen guten Ruf." Das Kompliment des britischen Botschafters in Deutschland, Sir Peter Torry, ist mehr als nur eine höfliche Floskel. Denn der Diplomat ist vor allem in seiner Eigenschaft als Vater an den Neckar gekommen. Torrys Tochter studiert ab dem kommenden Semester in Heidelberg Deutsch und Spanisch.

Der Botschafter selbst besuchte die Universität in Oxford – und damit eine der bekanntesten Elite-Hochschulen in Europa. Eine Liga, in der auch die Heidelberger gerne mitspielen würden. Was Sir Peter begrüßt: "Wir sollten möglichst viele Hochschulen in Europa auf das gleiche Niveau wie die besten US-Universitäten bringen, um mit den Amerikanern in den Bereichen Forschung und Technologie konkurrieren zu können." Ob dies in Deutschland mit Hilfe des geplanten staatlichen Förderprogramms gelingen kann, mag der Diplomat zwar nicht beurteilen. Er weiß jedoch aus der Erfahrung in Großbritannien und den USA: "Elite-Universitäten entwickeln sich." Dies sei neben der Tradition einer Hochschule auch eine Frage des Geldes. Dabei könne Europa von den Amerikanern lernen. Dort komme das Geld nicht nur vom Staat, sondern auch aus der Wirtschaft sowie von erfolgreichen Absolventen. Außerdem von den Studenten selbst, die unterschiedlich hohe Gebühren bezahlen müssen.

Dass es in Deutschland noch keine allgemeinen Studiengebühren gibt, entlastet zwar das Portemonnaie des dreifachen Vaters. "In England sind wir aber zu dem Schluss gekommen, dass an Studiengebühren kein Weg vorbei führt." Da künftig bis zu 50 Prozent eines Jahrgangs studieren sollten, ließen sich die Hochschulen anders gar nicht finanzieren.

Den gravierendsten Unterschied zwischen den Universitäten in Großbritannien und Deutschland sieht Sir Peter aber in einem anderen Punkt: Dem Alter der Absolventen. "In England sind die Studenten höchstens 23 Jahre alt, wenn sie ihr Studium beenden." Die Briten hätten oft schon fünf bis sechs Jahre Berufserfahrung, wenn ihre deutschen Konkurrenten gerade ihren ersten Job anträten.

Mit Bedauern stellt der Botschafter hingegen fest, dass viele junge Briten kein ausgeprägtes Interesse an Fremdsprachen mehr hätten. Dies mache sich vor allem beim Deutschen bemerkbar. "Früher war Deutsch nach Französisch die zweitwichtigste Fremdsprache an britischen Schulen", weiß Torry. "Inzwischen lernen aber viele Schüler stattdessen lieber Spanisch." Auch unter den Reisezielen junger Briten rangiert Deutschland eher unter ferner liefen. Schuld ist die Einschätzung, dass es hierzulande – ähnlich wie in Großbritannien – oft kalt und grau ist. "Die jungen Leute fliegen lieber nach Spanien oder Italien, wo die Sonne scheint", meint der Botschafter. Besserung versprechen allerdings die Billigflieger: Allein in Berlin, das vom Anbieter "easyjet" angeflogen wird, habe sich die Zahl britischer Touristen in der ersten Hälfte 2004 um 37,5% erhöht. Dass die in der britischen Boulevardpresse mitunter als "Fritz" oder "Krauts" verunglimpften Deutschen auf der Insel einen schlechten Ruf genießen, weist Torry entschieden zurück. "Es gibt hierzulande viele Märchen über das Deutschlandbild der Briten." Dieses sei jedoch nicht kritisch, sondern nur unscharf.

Auch das Auftreten der Neonazis in Deutschland bereite den Briten weniger Sorge, als man hierzulande oft den Eindruck habe. "Fast alle Länder in Europa haben die gleichen Probleme", sagt Torry. Schließlich gebe es auch in Großbritannien eine rechtsextreme Partei, die British National Party. Um diese Parteien zu bekämpfen, sollten die Regierungen die Sorgen der Menschen ernst nehmen und vernünftig mit Problemen wie Migration und Arbeitslosigkeit umgehen. Ein Verbot habe man in Großbritannien nicht für den richtigen Weg gehalten. "Aus zwei Gründen: Es wertet die Partei auf und treibt ihre Mitglieder in den Untergrund."

Etwas gebe es allerdings, was die Briten mit Blick auf Deutschland irritiere, gibt der Botschafter zu: Die wirtschaftliche Entwicklung. "Wir wünschen den deutschen Arbeitsmarktreformen viel Erfolg, denn Deutschland ist für Großbritannien der zweitwichtigste Markt der Welt." Die Briten seien auch deshalb so überrascht, weil sich die Wirtschaftssituation beider Länder in den vergangenen 20 Jahren beinahe umgekehrt habe. "Früher galt Großbritannien als der kranke Mann Europas, heute ist die Arbeitslosigkeit bei uns nicht einmal halb so hoch, wie in Deutschland", berichtet Torry. Ein Erfolg, der sich nicht allein auf die Reformen von Margarat Thatcher zurückführen lasse, auch wenn die "Eiserne Lady" sicherlich den Grundstein dafür gelegt habe. So schlimm, wie viele Deutsche täten, sei die Lage hierzulande allerdings nicht. "Viele andere Länder wären froh, wenn sie die deutschen Probleme hätten", meint Sir Peter. Doch in Deutschland sei das Glas eben immer halbleer.
Christian Altmeier

Rückfragen bitte an
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