Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
17. Februar 2005

"Dem ästhetischen Schlendrian in die Parade fahren"

Johannes Schreiter ist Ehrendoktor der Theologischen Fakultät – Kritik an der "unmöglichen Kultur"

Ehrendoktor Johannes Schreiter

Ehrendoktor Johannes Schreiter. Foto: Alex

Vor 20 Jahren sorgte er in Heidelberg für eine Kontroverse. Jetzt wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Bei der Promotionsfeier der Theologischen Fakultät in der Alten Universität wurde gestern der Glasmaler Johannes Schreiter in den Kreis der Lehrenden aufgenommen.

Schreiter habe mit der Gestaltung von Kirchenfenstern Maßstäbe in der Glasmalerei gesetzt, sagte Theo Sundermeier, in seiner Laudatio. "Sein großer Verdienst liegt darin, dass er Theologie und Kunst ins Gespräch gebracht hat, nachdem das lange eingeschlafen war", lobte der Professor emeritus der Theologischen Fakultät. Und weiter: "Seine Kunst stellt Forderungen. Die wichtigste ist an den Künstler gerichtet, nämlich seine eigenen Ansprüche nicht zurückzunehmen."

Schreiters "Physik-Fenster" ist der einzige der Heiliggeist-Entwürfe, der verwirklicht wurde.

Schreiters "Physik-Fenster" ist der einzige der Heiliggeist-Entwürfe, der verwirklicht wurde. Foto: Welker

So viel Lob wurde dem Künstler Mitte der 80er Jahre nicht zuteil. Damals sorgten seine Entwürfe für die Fenster der Heiliggeistkirche für hitzige Debatten. Schlussendlich wurden die Entwürfe abgelehnt, nur ein "Probefenster" an der Südseite blieb übrig. Nachtragend war der Künstler jedoch nicht (siehe Interview). Einige der Entwürfe wurden trotzdem realisiert und sind heute unter anderem im Landesmuseum Karlsruhe, im Deutschen Glasmalereimuseum in Linnich ausgestellt. Eines davon ist sogar im kanadischen Edmonton zu bewundern.

Die Heiliggeist-Motive spiegelten die damalige Sinn- und Lebenskrise des Künstlers wider, führte Sundermeier aus. Zu dieser Zeit litt Schreiter unter Todesängsten. Die Rettung fand er in der Hinwendung zu Gott, er wurde zum gläubigen Christen. Diese Wendung schlug sich auch in seiner Kunst nieder. Die Farben wurden heller und auch die Formensprache änderte sich. Seit 1995 signiert er seine Werke mit den Versalien S.D.G., die Abkürzung von "soli Deo gloria" ("Allein Gott zum Ruhm). "Er hat sich wie kein anderer Künstler der Gegenwart auf das Evangelium eingelassen", lobte der Laudator. In diesem Sinne sei er auch ein Vorbild für die Theologen.

Schreiters Dank ging dann zuallererst auch an den christlichen Schöpfer; danach "ganz besonders" an seine Frau und dann schließlich an die Freunde und die Kunstwerke von Kollegen, die ihn inspirierten. "Ich habe mir vorgenommen, den Heidelbergern an diesem Tag alles zu glauben. Das fällt mir nach dieser Laudatio natürlich leichter." So begann er seine "Mutmaßungen über mögliche Antworten auf unmögliche Kultur". Und bei der Analyse der bestehenden Verhältnisse hielt er sich nicht zurück. Er beklagte die "Auflösung der Werte" sagte eine "humanitäre Eiszeit" voraus. "Alles, was nach Wert aussieht, wird dem Spaß geopfert. Das Ergebnis ist ein "sittlich und moralisch mausetotes Volk", so Schreiter. Gegen die zunehmende Egozentrik müssten Dämme gebaut werden.

"Störfall" Kunst

Auch die Kirche kam nicht ungeschoren davon. Sie dürfe den Menschen nicht nach dem Mund reden, kein "religiöses Wischi-Waschi" bieten, sondern brauche eine klare Botschaft. Auch an zukünftige Auftraggeber hatte er eine klare Ansage: "Kunst, die sich von außen beeinflussen lässt, ist eine behinderte, wenn nicht sogar eine fehlgeleitete." Kunst müsse eine Auflehnung gegen die etablierte Ästhetik sein, ein Störfall und außerdem intolerant. "Aber zuerst gegen die Künstler selbst. Erst dann hat sie die Kraft, auch nach außen dem ästhetischen Schlendrian in die Parade zu fahren."
Steffen Blatt

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English