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14. Februar 2005

Universität Heidelberg verleiht Ehrendoktorwürde an Prof. Johannes Schreiter

Der bekannte Kunstmaler hat durch seine Glasfenster Kirche und Kunst in einen intensiven Dialog geführt – Ehrung im Rahmen der Promotionsfeier der Theologischen Fakultät – 16. Februar 2005, 13.15 Uhr, Aula der Alten Universität

Die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg ehrt in Prof. Johannes Schreiter einen der profiliertesten und international bekanntesten Glasmaler der Gegenwart. Johannes Schreiter hat nicht nur in der modernen Kunst durch die Einführung der "Brandcollagen", sondern auch durch seine Formensprache und die Entwicklung neuer Techniken in der Glasmalerei neue Maßstäbe gesetzt und damit der Fensterkunst, die dahin bei uns eher ein Schattendasein führte, eine hohe Anerkennung verschafft. Durch seine Glasfenster, die sich in katholischen und evangelischen Kirchen und in Synagogen finden, hat er der Kirche einen unverwechselbaren Dienst erwiesen und Kunst und Kirche in einen intensiven Dialog geführt.

Johannes Schreiter wurde 1930 in Annaberg – Buchholz/Erzgebirge, geboren. Zunächst studierte er nach dem Abitur Musik, wandte sich aber dann der Bildenden Kunst zu. 1963 wurde er zum Professor für freie Malerei und Graphik an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste berufen, deren Rektor er in den Jahren 1971-1974 war. 1987 verließ er krankheitsbedingt die Hochschule und lebt seitdem als freischaffender Künstler in Langen bei Frankfurt. Er hat verschiedene Preise erhalten, war Gastprofessor in den USA, in Großbritannien, Kanada, Neuseeland und Australien. Seine Werke finden sich in fast allen namhaften Museen der Welt, von Japan bis in die USA.

Schreiter kann einer autonomen Kunst wenig abgewinnen. Allem, "was nach künstlerischem Egotrip riecht", sagte er gelegentlich, erteilt er eine Absage. Ebenso weigert er sich, seine Kunst einem gängigen und modischen Kunstgeschmack anzupassen. Dagegen fügen sich seine Fenster dem jeweiligen Raum an, seien es nun sakrale oder säkulare Räume, sie nehmen die Farben der Umgebung auf und steigern auf diese Weise deren Schönheit. In der Heiliggeistkirche bot sich ihm das Rot des Sandsteins als Hintergrund der Fenster an, in der Melanchthonkirche in Mannheim das Grau der Wände. Immer aber bringt die er Räume so zum Leuchten, das sie sich zur Transzendenz öffnen.

L'art pour l'art, dieser Grundsatz ist in Schreiters Werk nicht zu erkennen. Er unterwirft sich in seinen Werken allein strengsten künstlerischen Maßstäben. Aber er hat auch eine Botschaft. Er will die Menschen dahin führen, dass sie ihrer Aufgabe, ihres Wesens, ihrer Bezogenheit auf Gott innewerden. Ihm geht es um den gefährdeten Menschen, aber diese Gefahr wird coram deo meditiert und gestaltet. "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch". Diese Zeile aus einem Gedicht Hölderlins ist das geheime Thema vieler seiner Fenster. Schreiter selbst hat das in seinem Leben selbst erfahren. Und zwar während der Arbeit an dem Heidelberger Fensterzyklus. Diese Rettung, es war eine tiefe Konversion, hat manches in seiner Kunst verändert. Dunkle Farben verloren an Gewicht, lichte Farben gewinnen die Oberhand. Die Fenster zum Sonnengesang des Franz von Assisi in der Franziskanerkirche in Rothenburg ob der Tauber sind dafür ein eindrückliches Beispiel. Doch auch Worte, Sätze werden in die Glasentwürfe eingefügt. Die Schönheit der Schrift als graphisches Element wird tragendes Kennzeichen vieler Fenster. Das entspricht seiner Intention: Nicht Geschichten will er erzählen, sondern in der Kombination von Farbe, Form, und Schriftzeichen wird seine abstrakte Kunst zum Sinnträger, ohne dem Predigtstil billiger christlicher Kunst zu verfallen.
S.D.G., so unterschreibt Schreiter seit 1995 seine Entwürfe. Zur Ehre Gottes will er arbeiten, es ist ein Gotteslob de profundis. Wie Bach bewegt er sich in seiner Kunst nachtwandlerisch sicher auf der Grenzlinie zwischen Weltlichkeit und Himmelslied.

Schreiters Kunst provoziert, sie macht es dem Betrachter nicht immer leicht, ihm zu folgen. Aber gerade in dieser Strenge und Unerbittlichkeit, die der Maßstab für sein Schaffen in jeder Hinsicht sind, wird er zu einem wichtigen und anregenden Gesprächspartner für die Theologie.

Die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg ehrt Schreiter für seine hohe, aus tiefer christlicher Verantwortung geschaffene Kunst, für seine Botschaften und dafür, dass er das Gespräch zwischen Kunst und Kirche, zwischen Kunst und Theologie in solch intensiver Intensität und Aufrichtigkeit führt. Es ist angemessen, in ihm nunmehr einen Doktor der Theologie, einen Lehrer der Kirche zu sehen.

Hinweis für die Medien: Die Ehrung für Prof. Schreiter erfolgt um zirka 14.15 Uhr.

Weitere Informationen:
Dekanat der Theologischen Fakultät, Tel. 06221 543334
theol.dekanat@urz.uni-heidelberg.de

Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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