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11. Februar 2005

Das Leben ist schöner als der Tod

Theater Gutmacher spielt Wedekinds "Frühlings Erwachen" im Romanischen Keller

Der Tod gibt sich verführerisch: "Wir wissen, dass es alles Dummheit ist, was die Menschen tun und erstreben, und wir lachen darüber. Wir sind mit uns zufrieden." Das behauptet der Geist von dem Schüler Moritz Stiefel, der mit dem Leben nicht klar kam und sich in den Wirrungen der Pubertät den Kopf wegschoss. Jetzt, im wehenden Leichentuch und mit dem Kopf unterm Arm, will er seinen besten Freund, Melchior, mit ins Grab ziehen. Dieser fühlt sich am Tod der 14-jährigen, schwangeren Wendla schuldig, die durch eine von der Mutter veranlasste Abtreibung gestorben ist. Hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen kann nur eine vermummte, lebensfrohe Frau den Pakt mit dem Tod in letzter Sekunde verhindern.

Diese Szene auf dem Friedhof ist die beeindruckendste von Frank Wedekinds Kindertragödie "Frühlings Erwachen" beim Theater Gutmacher im Romanischen Keller. Matthias Paul lässt mit wenigen, aber eindringlichen Mitteln und einer großen Liebe zum Detail die Episoden dieser jugendlichen Neugier und Verzweiflung aufflackern wie die Flammen der Feuerzeuge, in deren Schein Moritz und Melchior über Schamgefühl und "männliche Regungen" sowie über Gewissensbisse und Todesangst miteinander reden.

In sehr ruhigen Szenenwechseln führt er zu der Erkenntnis, dass das alles hätte nicht so kommen dürfen. Gleichzeitig orientiert er sich an der Zeit um 1890, als Frank Wedekind mit diesem Werk so berühmt wie von der Zensur verfolgt wurde. Als "unerhörte Unflätigkeit" hatte "Frühlings Erwachen" bis 1906 keine Chance, an einer Bühne aufgeführt zu werden. Heute wirken die Borniertheiten und Prüderien der Erzieher, allen voran die falsche Scham von Wendlas Mutter ziemlich angestaubt und lächerlich. Die männliche Überheblichkeit und das Pathos an der Schule hätten noch mehr ins Groteske gezogen werden können.

Getragen wird das Stück besonders von den jugendlichen "Helden". Kathrin Müller spielt konsequent naiv die junge Wendla, die die Antworten, wenn nicht bei der betulichen Mutter (Karin Schmurr), mit leider verheerenden Folgen bei ihresgleichen holt. Oliver Kalkbrenner spielt Melchior als gefestigten Jugendlichen, der selbstbewusst und vernünftig seinem besten Freund Moritz Hilfe anbietet. Dass gerade diese gutgemeinte Zuwendung Moritz in noch tiefere Verzweiflung stürzt, liegt an den verständnislosen Eltern und Lehrern, die in ihren unterschiedlichen Schrulligkeiten das Gesellschaftsbild um die Jahrhundertwende spiegeln. So scheitert beispielsweise Folke Wolff als Melchiors liberale und kluge Mutter schon an ihrem konservativen Ehemann (Andreas Tusche). Am dankbarsten ist die Rolle des Moritz Stiefel, in der Leif Schmitt meist als völlig überforderter Junge mit eingezogenen Schultern auf der Bühne grübelt. Zu schauspielerischer Größe wächst er als Tod heran, wo er teuflisch verführerisch von der Erbärmlichkeit des Lebens plaudert, als wäre es eine Rache an dem, was man ihm vergönnt hat. Zum Glück gibt es Stephanie Frick, die erst als lebensfrohe Ilse und zuletzt als vermummte Frau beweist, wie schön und unbeschwert das Leben im Gegensatz zum Tod sein kann.
Carmen Bürk

Theater Gutmacher im Romanischen Keller, Seminarstraße 3, Ecke Kettengasse, weitere Aufführungen täglich bis Sonntag, 13.2., sowie 16. bis 20.2., jeweils 20 Uhr. Karten unter Tel.: 06221- 24134.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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