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7. Februar 2005

Der Patient profitiert von dem erfahrenen Behandlungsteam

Chirurgen plädieren für weitere Beschränkung schwieriger Eingriffe auf spezialisierte Zentren – Tagung "Mindestmengen und Qualitätsstandards in der Chirurgie" am 4./5. Februar in Heidelberg

Leber- und Nierentransplantationen sind zwei von sieben Eingriffsarten, bei denen Mindestmengen vorgeschrieben sind.

Leber- und Nierentransplantationen sind zwei von sieben Eingriffsarten, bei denen Mindestmengen vorgeschrieben sind. Foto: Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg


Übung macht den Meister – das gilt auch für die Chirurgie. Zentren, die jedes Jahr eine hohe Zahl von schwierigen Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse oder der Speiseröhre ausführen, bieten ihren Patienten in der Regel mehr Sicherheit und höhere Erfolgsquoten als chirurgische Kliniken mit geringen Zahlen.

So genannte "Mindestmengen" fördern die Qualität der Krankenversorgung und sind deshalb sinnvoll, war das einhellige Votum der Chirurgen bei einer Pressekonferenz am 4. Februar 2005 anlässlich der Jahrestagung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, die von der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg veranstaltet wurde. Weitere Vorgaben für schwierige Eingriffe, etwa bei der Tumorchirurgie, seien nötig. In den USA und Großbritannien ist die Konzentrierung schwieriger Operationen auf spezialisierte Zentren bereits seit Jahren Realität.

In Deutschland wurden 2004 die ersten fünf Eingriffe festgelegt, bei denen eine Mindestzahl pro Jahr festgeschrieben ist: Transplantation von Leber und Niere, komplexe Eingriffe an Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse, Transplantation von Stammzellen bei Blutkrebs. Zwei weitere – Operationen an den Herzkranzgefässen und der künstliche Knieersatz – sollen noch in diesem Jahr folgen. Kliniken, die die geforderten Mindestanforderungen unterschreiten, können im Folgejahr nicht mehr mit einer Finanzierung dieser Operationen durch die gesetzlichen Krankenkassen rechnen.

Die Chirurgen schätzen, dass in Zukunft rund 50 Prozent der verschiedenen Operationsarten unter die Mindestmengen-Regelung fallen könnten; dies beträfe etwa 20 Prozent aller Operationen in Deutschland und würde nur für sehr anspruchsvolle Eingriffe gelten, nicht etwa die häufigsten, meist unkomplizierte Eingriffe wie Gallen- oder Leistenbruchoperationen.

Mindestmengen auch in der Tumorchirurgie erforderlich

"Für die Tumorchirurgie benötigen wir in naher Zukunft Mindestmengen", erklärte Professor Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Wissenschaftliche Studien hätten eindeutig gezeigt, dass auch hier die Behandlungsqualität von der Expertise einer Klinik abhinge. Entscheidend – wie bei allen schwierigen Eingriffen – seien jedoch nicht allein Geschick und Erfahrung des Chirurgen, sondern des gesamten behandelnden Teams. "Anästhesisten, Internisten und andere Ärzte sowie das Pflegepersonal tragen entscheidend zum Erfolg einer Operation bei."

Auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und der Berufsverband der Deutschen Chirurgen unterstützen die Mindestmengen als Initiative zu mehr Qualität. "Wir müssen allerdings anstreben, dass die regionale Versorgung sichergestellt und die Mindestmengen-Vorschrift wissenschaftlich untermauert ist", erklärten ihre Vertreter, Professor Dr. Hartwig Bauer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, und Professor Dr. Michael Polonius, Präsident des Bundesverbandes.

Der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, der die Mindestmengen-Vorschriften verabschiedet, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin (IQWIG), Köln, beauftragt, Mindestmengen für weitere Eingriffe zu erarbeiten, u.a. die Erweiterung der Herzkranzgefässe durch einen Ballonkatheter und Operationen bei Aussackung der Hauptschlagader.

Wenige Zentren; Was bedeutet das für die Krankenversorgung?

"Wir werden versuchen, nicht nur wissenschaftlich fundierte Operations-Mindestzahlen zu ermitteln, sondern auch aufzeigen, wie sich ihre Umsetzung auf die Krankenversorgung auswirkt", erklärte Privatdozent Dr. Stefan Lange vom IQWIG. Denn die Konzentration in spezialisierten Zentren darf nicht dazu führen, dass es zur Überlastung der Zentren und damit zu unzumutbaren Wartezeiten für den Patienten kommt. Darüber hinaus würde das IQWIG kritisch prüfen, ob Übung tatsächlich immer den Meister mache oder ob es weitere Faktoren gebe, die die Qualität der Versorgung beeinflussen, sagte Dr. Lange.

"Einen wichtigen Beitrag können hier wissenschaftliche Langzeit-Studien zur Qualität chirurgischer Versorgung leisten", sagte Dr. Christoph Seiler, der das Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg leitet, das selbst derartige Studien initiiert und betreut. Allerdings gebe es bislang in Deutschland nur wenige Studien, die sich diesem wichtigen Thema widmen.

Viele Daten, aber wenig Transparenz

Doch wie soll der Patient erfahren, welches Krankenhaus ihm welche Qualität der Behandlung anbieten kann? An der Fülle der Daten liegt es nicht, denn Kliniken müssen heute alle Operationen und ihre Ergebnisse an die "Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung" (BQS) melden, zusätzlich den Krankenkassen umfangreiche Patientendaten zur Behandlung und Komplikationen für die Abrechnung schicken und in diesem Jahr einen standardisierten Qualitätsbericht 2004 allgemein zugänglich im Internet veröffentlichen.

"Jede Datensammlung für sich genommen lässt jedoch keine ausreichende Beurteilung der Versorgungsqualität zu", erklärte Dr. Johannes Bruns vom Verband der Angestellten Krankenkassen. So enthielten die BQS-Daten nicht ausreichend Information über die langfristige Qualität einer Behandlung. Strenger Datenschutz verhindere jedoch eine Vernetzung mit den Abrechnungsdaten der Krankenkassen.

"Auch der Qualitätsbericht, der im Sommer 2005 veröffentlich wird und erstmals Transparenz herstellen soll, kann in seiner jetzt vorgeschriebenen Form den Informationsbedarf der Patienten kaum befriedigen", sagte Dr. André Michel, Leiter der Stabsstelle Qualitätsmanagement und Medizincontrolling am Universitätsklinikum Heidelberg. So würden bei sehr großen Kliniken spezialisierte Eingriffe nicht aufgeführt, weil sie – trotz großer Anzahl – zahlenmäßig unter den zur Veröffentlichung vorgeschriebenen 30 häufigsten Operationen liegen.

Eine Hilfestellung für Patienten, sich im Gesundheitswesen zurechtzufinden, wird künftig das IQWIG anbieten. Dort sollen Informationsschriften für Patienten entwickelt werden, die ihm bei der Beurteilung der Versorgungsqualität helfen sollen.

Weitere Information im Internet:
www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=43414
www.ksc-clinicaltrials.com/

Pressemappe als Download:
www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/Downloads/pressekonferenzen/pressemappe_pk-04-02-05.zip

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 – 56 45 36
Fax: 06221 – 56 45 44
Handy: 0170 – 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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