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10. Februar 2005

Prof. Dr. Hannah Monyer mit dem Gay-Lussac-Humboldt-Preis ausgezeichnet

Heidelberger Neurobiologin erhält den Gay-Lussac-Humboldt-Preis für die Erforschung so genannter "gap junctions" – Wichtige Erkenntnisse über die Funktionsweise schneller neuronaler Informationskanäle – Preis würdigt Verdienste um die deutsch-französische Wissenschaftskooperation – Forschungsarbeit in Heidelberg und Paris durchgeführt

Prof. Dr. Hannah Monyer mit dem Gay-Lussac-Humboldt-Preis ausgezeichnet

Schon im vergangenen Jahr machte die Heidelberger Neurobiologin Prof. Dr. Hannah Monyer Schlagzeilen, als ihr die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis zuerkannte. Rund ein Jahr später wurde ihr nun erneut eine Auszeichnung zuteil, die in besonderem Maß die deutsch-französische Zusammenarbeit verdeutlicht. Denn mit dem "Gay-Lussac-Humboldt-Preis" werden in jedem Jahr fünf deutsche Wissenschaftler geehrt, die sich in besonderer Weise um die Wissenschaftskooperation zwischen Frankreich und Deutschland verdient gemacht haben.

Bei ihrer Arbeit erforscht Hannah Monyer jene Verbindungen, die die Erregungsübertragung zwischen Nervenzellen oder auch zwischen einer Nervenzelle und einer Sinnes-, Muskel- oder Drüsenzelle sicherstellen. Denn diese Übertragung kann mittels chemischer Synapsen bewerkstelligt werden, bei denen sich zwischen den beteiligten Zellen der synaptische Spalt befindet, der von einem chemischen Botenstoff – dem Neurotransmitter – überbrückt werden muss. Sie kann aber auch über kleine Kanäle ablaufen, die eine Verbindung zwischen den beiden beteiligten Zellen herstellen – den "gap junctions", denen Hannah Monyer vor rund fünf Jahren auf die Spur kam. "Interessant ist hierbei vor allem die Tatsache, dass über diese Kanäle eine viel schnellere Datenübermittlung stattfinden kann, was viele unserer kognitiven Fähigkeiten überhaupt erst möglich macht."

"Vor allem wenn es darum geht, wie sich die Welt in unserem Gehirn repräsentiert, sind sehr viele Nervenzellen in unterschiedlichen Hirnregionen gleichzeitig aktiv", erklärt Hannah Monyer, die in letzter Zeit vor allem der Frage nachgeht, wie die einzelnen Zellen aufeinander abgestimmt werden – wie ihre Synchronisation abläuft. "Man könnte auch sagen, dass wir uns auf die Suche nach dem Dirigenten dieses komplizierten Zell-Orchesters gemacht haben", versucht die gebürtige Deutsch-Rumänin, die als Ärztliche Direktorin die Abteilung Klinische Neurobiologie des Universitätsklinikums leitet, den grundlegenden Ansatz in Worte zu fassen.

Einen Schritt weiter kam man in diesem Zusammenhang auch durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, in dessen Folge sich der Fokus der Wissenschaft auf bestimmte Moleküle richtete, in denen man die "Dirigenten" im neuronalen Orchester zu erkennen glaubte. "Zudem konnten wir nun zeigen, dass diese bestimmten Nervenzellen, denen wir die Navigation des Systems zuschreiben, einen zusätzlichen Kanal haben, der eine Verknüpfung zwischen jeweils zwei Zellen herstellt."

Durchgeführt wurden die über fünf Monate laufenden Experimente vor zwei Jahren in Paris – am renommierten Institut Pasteur. "Natürlich hätte ich die Laboreinrichtungen auch in Heidelberg realisieren können", erklärt Hannah Monyer. "Doch war es weitaus einfacher, diese Forschung nach Paris auszulagern, wo ich mit meinem Kollegen Roberto Bruzzone nach großen anfänglichen Schwierigkeiten einen Beweis meiner Theorie erbringen konnte." Anschließend kam dieser für eineinhalb Jahre nach Heidelberg, um die Studie abzuschließen, was das Projekt gleich in doppelter Hinsicht zum Erfolg führte, wurde diese Art der internationalen Zusammenarbeit doch schließlich mit dem Gay-Lussac-Humboldt-Preis ausgezeichnet.

Ins Leben gerufen wurde der Preis 1982 auf der Grundlage eines Abkommens zwischen der Alexander von Humboldt Stiftung und dem französischen Ministerium für Jugend, Bildung und Forschung zur Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutschen und französischen Forscher, die ausgezeichnet werden, sollen hierbei nicht nur international anerkannt und aktuell in der Forschung tätig sein, sondern auch maßgeblich zur Entwicklung wissenschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern beigetragen haben.

Das Preisgeld selbst soll einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt ermöglichen. Dieser Forschungsaufenthalt kann gesplittet werden und in verschiedenen Forschungsinstituten des Kooperationslandes stattfinden. Jedes Jahr werden fünf Preise an deutsche Forscher verliehen, die von französischen Forschungseinrichtungen vorgeschlagen werden. Die Auszeichnungen werden an Wissenschaftler aller Fachbereiche – einschließlich der Bereiche Gesundheit und Sozialwissenschaften – verliehen.

"Natürlich freue ich mich über diese Auszeichnung", betont Hannah Monyer, für die die letztlich zuerkannte Preissumme indes eher zweitrangig ist. "Natürlich könnte man sagen, 20 000 Euro seien gerade in der medizinischen Forschung nicht gerade viel. Mir sind bei diesem Preis jedoch vor allem zwei Aspekte wichtig. Da wäre zunächst die Tatsache, dass er mir die beste Bestätigung dafür gibt, dass man ein Projekt nicht gleich bei den ersten Problemen aufgeben darf. Immerhin mussten auch wir bei der Suche nach den ‚schnellen Datenkanälen' zahlreiche Rück- und Fehlschläge verkraften. In solchen Momenten ist es wichtig, konzentriert weiterzuarbeiten, und sich nicht beirren zu lassen."

"Man könnte auch von einer gesunden Mischung aus ‚Wissen' und dem ‚vagen Gefühl für den richtigen Weg' sprechen", verrät die Heidelberger Neurobiologin, die seit 1975 in Heidelberg tätig ist. "Was mir persönlich aber fast noch wichtiger ist, liegt im Namen des Preises begründet. Denn für mich ist Alexander von Humboldt der Wissenschaftler, der mich als Mensch am meisten beeindruckt hat. Insofern hat der ‚Gay-Lussac-Humboldt-Preis' auch eine große symbolische Bedeutung, finde ich."

Gleichwohl sind – fern aller Symbolik – bereits jetzt die nächsten Studien geplant. So soll unter anderem geklärt werden, wo exakt die entdeckten Verbindungskanäle liegen, wie sie funktionieren und welche Einflüsse ihre Aktivität regulieren. "Schon jetzt ist klar, dass durch den Gay-Lussac-Humboldt-Preis viele weitere Projekte ins Rollen kommen – ganz unabhängig von der Summe", betont Hannah Monyer, die sich schon auf die weiteren Forschungen freut. "Man darf sich nämlich auch mit einem Professorentitel nicht hinter dem Schreibtisch verstecken, sondern muss einfach ‚dran' bleiben. Und gerade in der Neurobiologie bedeutet das eben, dass man selbst regelmäßig im Labor steht, will man ein Projekt, das einem am Herzen liegt, zum Erfolg führen." Wie recht sie mit diesen Worten hat, wird nicht nur durch ihre jüngste Auszeichnung deutlich...
Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Hannah Monyer
Tel. 06221 562400, Fax 561397
monyer@urz.uni-hd.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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