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5. Februar 2005

Von Anfängen, Irrungen und Meisterwerken

Silke Leopolds "Handbuch zur Oper im 17. Jahrhundert" im Laaber-Verlag

Die Geschichte der Gattung Oper könnte so einfach anfangen: Entstanden um 1600 in Florenz durch das Streben nach Wiedererweckung des antiken Dramas, gelangte die neue Gattung zu einem ersten Höhepunkt in den Werken Claudio Monteverdis. Komische und ernste Szenen innerhalb eines Werkes wurden durch eine Reform am Ende des Jahrhunderts auseinander dividiert und daraus entwickelten sich die komische (opera buffa) und die ernste Oper (opera seria).

Doch so geradlinig und zielstrebig verlief die Geschichte dann doch nicht, monokausale Erklärungen helfen nicht weiter, führen vielmehr in die Irre. Schon die Wege, die zur Oper hinführen, sind verschlungen. Vorläufer waren u.a. Triumphzüge mythologischen Inhalts, bei denen verkleidete Personen auf geschmückten Wagen musikalisch ausgestaltete Szenen darstellten, doch bildeten hier Musik und Handlung keine Einheit. Auch die religiösen Schauspiele der Toskana zählen dazu, doch ist hier über die Musik nur wenig bekannt. Keine Oper ohne die Florentiner "Intermedien" – Zwischenspiele, die in den Pausen zwischen den einzelnen Akten eines Dramas gespielt wurden -, ohne das Interesse an den antiken Dramen. Keine Oper ohne die repräsentationssüchtigen, italienischen Fürsten, das gebildete Publikum, die Künstler.

Die Direktorin des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg, Prof. Silke Leopold, führt den Leser in ihrem neuen Buch über die Oper im 17. Jahrhundert zwar ins Labyrinth der Operngeschichte, zeigt ihm aber auch die Notwendigkeit mit der Irrwege beschritten werden, die neuen Einsichten, die von diesen Verirrungen mitgebracht und weiterverarbeitet werden, sowie die Auswege. Kaum einmal verliert sie und damit auch der Leser die Übersicht. Ihr gelingt dabei etwas, was immer weniger Autoren wichtig scheint, nämlich einen komplexen Sachverhalt verständlich darzulegen, ihm gerecht zu werden, ohne ihn zu vereinfachen.

Sie verzichtet auf einen aufgeblähten wissenschaftlichen Apparat, bebildert, gibt Notenbeispiele, erzählt zügig und eloquent. Die Anfänge der italienischen Oper in Florenz, Rom und Mantua stehen am Beginn von Leopolds Überblicksdarstellung, bei dem sie am Ende der tour d'horizon wieder in Italien ankommt, nur ist die Oper dann 100 Jahre alt und schon wieder (oder noch immer) werden Reformen heftig diskutiert und zögerlich umgesetzt. Ihre Konstitution scheint zwar noch robust, doch wird schon wieder an der "musikalischen Gestalt der Arie, der literarischen Beschaffenheit des Librettos und der inhaltlichen Struktur des Dramas" gearbeitet.

Auf der Folie der italienischen werden die französische, englische und deutsche Oper betrachtet, die immer vor dem Hintergrund ihrer Anlehnung an oder Abkehr von italienischen Modellen gesehen werden müssen. Leopold zeigt die Abhängigkeit der operngeschichtlichen Entwicklung von politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und religiösen Rahmenbedingungen. Eher stoffgeschichtlich ausgerichtete Kapitel stehen neben biographischen Porträts, musikalische Kurzanalysen neben exemplarischen Werkbetrachtungen.

Auf welch brüchigem Eis sich die Opernforschung bewegt, zeigt das Kapitel über die "Oper in deutschen Landen": Vom ersten deutschsprachigen Opernversuch ist nur noch der Text – Martin Opitzens Bearbeitung eines italienischen Librettos – überliefert. Die Musik von Heinrich Schütz ist verschollen. Das ist kein Einzelfall, denn die meisten Opernkompositionen aus dem 17. Jahrhundert sind verloren gegangen. Inwiefern die überlieferten Partituren aber repräsentativ sind, ist kaum zu sagen. Die früheste erhaltene deutschsprachige Oper, Sigmund Theophil Stadens "Seelewig", die vor einigen Jahren bei den Zwingenberger Festspielen gezeigt wurde, als diese sich noch um Opernraritäten kümmerten, lehnt sich literarisch und musikalisch eng an italienische Vorbilder an, bleibt dabei aber ein "eher akademisch konzipiertes Singspiel".

Leopolds Handbuch jedoch sollten sich andere Autoren zum Vorbild nehmen. Den Rang eines Standardwerkes wird es gewiss einnehmen, und wenn man bedenkt, dass vergleichbare Studien gewöhnlich nicht von einer einzigen Autorin geschrieben werden, muss man der Heidelberger Musikwissenschaftlerin Respekt zollen.
Bernd Zegowitz

Silke Leopold: Die Oper im 17. Jahrhundert, Laaber Verlag, Laaber 2004 (Handbuch der musikalischen Gattungen, Bd.11), 342 S., 108 Euro.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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