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16. Februar 2005

Die Vielschichtigkeit der Weltbilder

"Heidelberger Jahrbücher": Mit Band 47 liegt ein neuer Titel vor

Raffaels "Schule von Athen" entstand 1510 in der Privatbibliothek von Papst Julius II. im Vatikan.

Raffaels "Schule von Athen" entstand 1510 in der Privatbibliothek von Papst Julius II. im Vatikan. Das Freskenprogramm dieses Raumes orientiert sich an den vier Fakultäten der mittelalterlichen Universität: Theologie, Jurisprudenz, Philosophie und Poesie. Dabei werden die Vertreter der geistes- und naturwissenschaftlichen "Artes Liberales" dargestellt, mit der Philosophie an der Spitze. Zentral unter dem Rundbogen diskutieren mit Platon und Aristoteles die beiden bedeutendsten Denker der Antike (Abbildung aus dem besprochenen Band.)


Manche Begriffe sind täglich um uns, werden permanent benutzt – und lassen sich doch kaum beschreiben. Das Wort "Welt" ist solch ein vielschichtiger Bedeutungsträger, von dem wir normalerweise nur eine recht allgemeine Vorstellung haben. "Freilich muss man auch nicht jederzeit wissen, was alles mitschwingt, wenn von der ‚Welt' die Rede ist; in der alltäglichen wie in der wissenschaftlichen Kommunikation reichen grobe Vorstellungen, die im Bedarfsfall zu präzisieren sind", befindet Helmuth Kiesel in seinem Vorwort zum 47. Band der "Heidelberger Jahrbücher", der sich dem Phänomen "Welt" von ganz unterschiedlichen Richtungen zu nähern versucht, um die geschichtliche Entwicklung und die gegenwärtige Konditionierung und Akzentuierung unseres Weltbilds zu skizzieren und zu reflektieren.

Beiträge aus 13 Forschungsdisziplinen

Entsprechend vielschichtig sind denn auch die 19 Beiträge aus den insgesamt 13 vertretenen Forschungsdisziplinen, die der Frage nach der "Welt" nachgehen. Was können wir heute einigermaßen zuverlässig über die Entstehung und Entwicklung des Weltalls und der Erde sowie des Lebens auf der Erde sagen? Wie entstand das moderne Weltbild, und welchen Anteil hatten Religion, Philosophie und Naturwissenschaften an diesem "Weltbildungsprozess"? Inwieweit ist unser Weltbild nicht nur durch Akkumulation von Wissen bestimmt, sondern in grundsätzlicher und unhintergehbarer Weise auch durch die Beschaffenheit unseres Erkenntnisapparats und die Struktur unserer Sprache? Wie reagierten die Menschen auf den umstürzend wirkenden Übergang vom ptolemäisch-geozentrischen zum kopernikanisch-heliozentrischen Weltbild? Wie erscheint die gegenwärtige Welt in der Sicht verschiedener Disziplinen – von der Geographie bis zur Philosophie, von der Physik bis zur Medizin?

Gemeinsame lateinische Sprache

Deutlich zeigt sich, wie anspruchsvoll eine adäquate Behandlung eines so "gewöhnlichen" Wortes sein kann. Immerhin geben die Originalbeiträge renommierter Fachvertreter, die vor allem an der Ruperto Carola – aber auch an anderen Hochschulen – forschen, Einblick in den Stand der Wissenschaft in den unterschiedlichen Disziplinen.

So beschäftigt sich Fritz Peter Knapp vom Heidelberger Germanistischen Seminar mit dem Weltbild des Mittelalters, das vor allem vom vereinheitlichenden Christentum geprägt wurde – trotz aller Spannungen, Schismen und Häresien – und diese Einheit auch in der gemeinsamen lateinischen Sprache der Religion und der Wissenschaft fand. Der Heidelberger Mediziner Christian Herfarth geht hingegen der Frage nach, welche globalen Herausforderungen sich der westlichen Medizin in einer immer mehr zusammenwachsenden Welt stellen.

Denn ohne Frage gibt die westliche Medizin seit rund 150 Jahren den Entwicklungstakt an, obwohl es auch hier Verschiebungen gab, die freilich innerhalb einer einzigen Hemisphäre stattfanden: "Gewaltige Fortschritte erfolgten mit gleichzeitiger Verschiebung der führenden Zentren im Verlauf von Halb-Jahrhundertschritten. Während Mitteleuropa am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine führende Rolle einnahm, verschob sich – durch Isolierung und Abschottung Deutschlands und die systematische Vertreibung und Ausrottung der in der Medizin eine wesentliche Rolle spielenden jüdischen Ärzte und Wissenschaftler – der Schwerpunkt der fortschrittlichen Medizin nach England und Skandinavien, um schließlich seit dem Zweiten Weltkrieg in den USA und Kanada eine hohe Blüte zu erreichen." Gleichwohl bringt diese Vormachtstellung auch eine moralische, globale Verpflichtung mit sich, beispielsweise Drittweltländern neue Erkenntnisse zugänglich zu machen.

Weitere Aufsätze beschäftigen sich mit der das Ganze denkenden Metaphysik, geopolitischen oder physikalischen Weltbildern am Anfang des 21. Jahrhunderts oder der Entstehung der Erde, so dass in der Summe eine ebenso interessante wie anspruchsvolle Sammlung verschiedenster Fachansichten die "Welt" ein gutes Stück begreifbarer macht.
Heiko P. Wacker

Hans Gebhardt und Helmuth Kiesel (Hrsg.): "Weltbilder". Heidelberger Jahrbücher, Band 47. Springer Verlag, Heidelberg 2004. 481 S., Softcover; ISBN 3-540- 21950-1, 49,95 Euro.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
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