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8. Februar 2005

Mit Bibel und Gesetzbuch gegen die Anarchie

Heidelberger Akademie der Wissenschaften stellt neuen Band der Edition "Evangelische Kirchenordnungen" vor – "Der Alltag der Menschen ruhte auf diesem Fundament" – 10. März 2005, 17.00 Uhr, Schlosskirche des Alten Schlosses in Stuttgart, Schillerplatz

Mit dem Schwert in der Hand trotz Herzog Christoph von Württemberg den Vertretern der alten Kirche, die in Tiergestalt dargestellt werden

Klare Geste: Mit dem Schwert in der Hand trotz Herzog Christoph von Württemberg den Vertretern der alten Kirche, die in Tiergestalt dargestellt werden. (Zeitgenössische Karikatur um 1542).


Als sich im deutschen Südwesten um das Jahr 1520 gleich mehrere Landstriche der neuen lutherischen Lehre zuwandten, geriet die öffentliche Ordnung ins Wanken. Mit einem Schlag wurde das jahrhundertealte römische Kirchenrecht außer Kraft gesetzt – und damit die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Denn über Jahrhunderte hinweg regelte das sogenannte "Corpus Iuris Canonici" nicht nur das Recht der Kirche, sondern auch das Zusammenleben der Menschen. "Vor 500 Jahren waren Religion und Politik ungeheuer eng verzahnt", so Dr. Thomas Bergholz von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. "Der Alltag der Menschen ruhte auf diesem Fundament kirchlichen Rechts. In ihm wurden nämlich auch das Eherecht, das Schulrecht oder das Armenwesen geregelt." Es drohten also Gesetzlosigkeit und Anarchie, wenn es nicht gelang, rasch neue Lösungen zu finden. "Die Aufgabe einer Neuregelung fiel der weltlichen Obrigkeit zu. Es mussten neue Ordnungen geschaffen und durchgesetzt werden – ein Prozess, der sich dann über Jahrzehnte erstreckte", erläutert Bergholz.

Zwei Jahre arbeiteten die Wissenschaftler an dem neuen Band, der zahlreiche historisch bedeutsame Texte erstmals ediert

Zwei Jahre arbeiteten die Wissenschaftler an dem neuen Band, der zahlreiche historisch bedeutsame Texte erstmals ediert.

Die Forschungsstelle "Evangelische Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Landesakademie Baden-Württembergs, erforscht seit 2002 diese wichtige historische Entwicklung. Am 10. März stellt sie der Öffentlichkeit in der Schlosskirche des Alten Schlosses in Stuttgart nun den Band "Evangelische Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, Bd. XVI, Baden-Württemberg II: Herzogtum Württemberg, Markgrafschaft Baden, Grafschaft Limpurg, Herrschaften Kinzigtal und Neckarbischofsheim" vor. Für dieses Werk haben die Historikerin Dr. Sabine Arend und der Theologe Dr. Bergholz in rund zweijähriger Arbeit zahlreiche Dokumente zusammengetragen, die Einblick in die Lebensverhältnisse der Reformationszeit geben. Die Texte aus dem Herzogtum Württemberg nehmen gut zwei Drittel des Bandes ein und repräsentieren die große Bedeutung, welche die württembergische Kirchengesetzgebung des 16. Jahrhunderts für die übrigen Territorien hatte. In den kleineren Fürstentümern achtete man nämlich sehr genau darauf, wie und mit welchen Mitteln der große Nachbar die Reformation in seinem Territorium umsetzte. Die württembergische Kirchenordnung von 1553 wurde in vielen Fürstentümern direkt übernommen, andere württembergische Ordnungen dienten als Vorlagen bei der Formulierung eigener Texte. Der neu vorliegende Band stellt daher nicht nur eine Sammlung der Quellentexte dar, sondern bietet durch die knappen, verständlichen Einleitungen auch ein eindrucksvolles Bild der gemeinsamen Religionspolitik verschiedener Herrscher im damaligen deutschen Südwesten. Manche der abgedruckten Rechtstexte waren durch die Verbindung von "Thron und Altar" im Deutschen Kaiserreich zumindest nominell bis 1918 gültig. Ihre Wirkungsgeschichte reicht bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, etwa was die Sonderstellung der christlichen Kirchen in der Bundesrepublik oder die staatliche Gesetzgebung zum Schutz des Sonntags angeht.

1902 begann der Erlanger Jurist Emil Sehling mit dem Editionsprojekt einer Gesamtausgabe der Kirchenordnungen. Nach seinem Tod (1928) wurde das Projekt ("Der Sehling") zwischen 1955 und 1980 unter anderem vom "Institut für evangelisches Kirchenrecht der Evangelischen Kirche in Deutschland" in Göttingen fortgesetzt, das Texte zahlreicher Territorien – unter anderem aus Württemberg die Kurpfalz und die Grafschaft Hohenlohe – herausbrachte. Mit der Edition weiterer Kirchenordnungen aus dem heutigen baden-württembergischen Raum knüpft die Heidelberger Akademie der Wissenschaften an die vielbeachtete Edition von Sehling an.

Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Tel.: 06221 54 34 00, Fax 54 33 55
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

oder
Pfr. Dr. Thomas Bergholz, Dr. Sabine Arend
Tel. 06221 54 81 69, Fax 54 77 06
sabine.arend@urz.uni-heidelberg.de
thomas.bergholz@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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