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4. Februar 2005

Eva völlig unverhüllt

Die Adam und Eva-Darstellung ist eines von vier Stücken einer Schenkung an das Antikenmuseum

Eva vor dem Sündenfall – und mit unbedeckter Scham

Anders als bei vergleichbaren Motiven zeigt das Sarkophag-Fragment im Antikenmuseum die Eva vor dem Sündenfall – und mit unbedeckter Scham. Foto: Dagmar Welker


Das Antikenmuseum kann sich über vier neue und bedeutende Stücke für seine Sammlung freuen. Vier Fragmente frühchristlicher Sarkophage und ein römischer Portraitkopf aus der Sammlung Dinkler schmücken jetzt die Ausstellung im Seminar für klassische Archäologie. In ihrem Testament hatte Dr. Erika Dinkler-von Schubert (1904 bis 2002) die Schenkung verfügt. Damit entsprach sie dem Wunsch ihres Ehemannes Erich Dinkler, der bereits 1981 verstarb. Der Sammelleidenschaft und der Sachkenntnis des Paars ist es zu verdanken, dass die vier Exponate jetzt in Heidelberg sind. Vor allem in den 60er Jahren erwarben sie im römischen Kunsthandel viele Stücke, auch die vier, die jetzt in der Antikensammlung stehen.

Ein einzigartiges Beispiel ist das Sarkophag-Relief "Adam und Eva im Paradies". Anders als bei vergleichbaren Motiven sind die beiden nicht nach dem Sündenfall und mit bedeckter Scham dargestellt. Vielmehr zeigt das Dinkler-Fragment eine Szene vor dem Sündenfall: Eva steht völlig nackt und unbedeckt da und greift mit der rechten Hand nach der verbotenen Frucht – Adam ist auf der rechten Seite zu ergänzen. Das Exponat entstand gegen Ende des dritten Jahrhunderts n. Chr. in einer stadtrömischen Werkstatt. Weiter verbreitet sind die Motive "Anbetung der drei Könige" und "Der Einzug Christi in Jerusalem, (beide um 330 n. Chr.), das die Dinklers 1965 in Rom erwarben.

In der Metropole wurden die meisten der bekannten frühchristlichen Sarkophage gefertigt. Sie waren für die Aufstellung in den Nischen von Grabkammern bestimmt und tragen deshalb in der Regel nur auf der Vorder- und den Nebenseiten Reliefdekor. Eines der schönsten Beispiele, in Rom geschaffen und nach Sizilien exportiert, wurde in Syrakus gefunden: der Sarkophag der Adelphia. Er führt exemplarisch die Bildersprache der frühchristlichen Kunst vor Augen, in dem er Schlüsselszenen aus dem Alten und Neuen Testament miteinander verknüpft. Die Bildmotive der Fragmente aus der Sammlung Dinkler finden sich in direkter Nachbarschaft im unteren Fries des Sarkophags.

Der römische Portraitkopf wurde Erich Dinkler als Bildnis des Apostels Petrus angeboten. Diese Behauptung lässt sich wohl nicht ganz aufrechterhalten, trotzdem ist die Darstellung eines unbekannten Mannes aus dem ersten Viertel des dritten Jahrhunderts n. Chr. eine interessante.

Von den vier Exponaten ist lediglich der Einzug in Rom bereits veröffentlicht. Dr. Tomas Lehmann von der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin wird das nun für die drei restlichen übernehmen. Er war es auch, der bei der offiziellen Übergabe der Stücke an das Antikenmuseum den Fachvortrag hielt. Bei der Datierung von Fragmenten ist der Wissenschaftler vor allem auf den Vergleich mit bereits bestimmten Beständen angewiesen. "Manche sind durch Inschriften datiert, die anderen muss man da reinhängen", erläutert Lehmann. Dazu stehen ihm rund 2000 frühchristliche Sarkophage zur Verfügung, von denen 80 Prozent aus dem konstantinischen Rom stammen.

Die Adam und Eva-Darstellung ist für Lehmann "von der Ikonographie her ein einzigartiges Stück". Bisher seien Szenen vor dem Sündenfall nur in Buchmalereien beschrieben worden. Das beste Beispiel ist hier eine Handschrift von Vaticanus Graecus aus dem elften Jahrhundert. Auch die anderen Stücke wertet er als "qualitativ über dem Durchschnitt".
Steffen Blatt

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