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12. Januar 2005

Wo war Gott bei der Flutkatastrophe in Südostasien?

Der Heidelberger Theologe Professor Michael Welker nimmt Stellung zu einer Frage, die jetzt viele Menschen umtreibt

Professor Michael Welker

"Wo war Gott bei der Flutkatastrophe?" wird Professor Michael Welker immer wieder gefragt. Foto: privat

"Wie konnte Gott das zulassen?" Diese Frage wird dem Theologen Professor Michael Welker seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag immer wieder gestellt. Die Flutwelle in Südostasien hat nach bisherigen Meldungen über 160 000 Tote und 500 000 Verletzte gefordert, fünf Millionen Menschen entwurzelt, Familien zerrissen und unbeschreibliches Leid über die Menschen gebracht.

"Das ist eine Frage, die angesichts großer Naturkatastrophen immer wieder gestellt wird", so der Professor für systematische Theologie und Direktor des Internationalen Wissenschaftsforums der Universität im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung. "Wir leben in einer Welt, in der Leben auf Kosten von anderem Leben stattfindet", so Welker, der erst kürzlich von der EKD-Synode zum Richter am Verfassungsgerichtshof der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt wurde. Erschreckend und in überwältigender Weise mache die Todesflut für die ganze Welt deutlich, was alle Menschen in ihrem Leben in kleineren Dimensionen immer wieder erfahren müssen: dass sie nicht in einem Paradies leben.

Der biblische Schöpfungsbericht spreche davon, dass Gott dem Himmel, den Gestirnen, der Erde und den Menschen ihren Teil gebe an den schöpferischen Kräften und Mächten. Damit werde geschöpfliche Freiheit aber auch geschöpfliche Selbstgefährdung und Selbstzerstörung möglich. Gott sei nicht eine Zaubermacht, die die Naturgesetze überrolle. Die theologisch beliebte Rede von Gott als der "alles bestimmenden Wirklichkeit" sei zu primitiv, um das Verhältnis von Gott und seiner Schöpfung angemessen zu erfassen. Der Glaube an den "allmächtigen Schöpfer" beziehe sich nicht auf die perfekte Verhinderung von Not, Leid und Tod, sondern auf die Kraft, auch aus Not und Leid heraus Neues und Gutes zu schaffen.

Unsere Welt, die paradiesische Urlaubsparadiese habe, sei aber nicht das Paradies. Sie sei eigenen Naturgesetzen und Ordnungszusammenhängen unterworfen; diese hätten zur Todesflut geführt. Dass die Schöpfung neben ihrer Schönheit und Bewunderungswürdigkeit viele dunkle, ja abgründige Züge trage und dass diese nicht nur menschlichem Versagen zuzurechnen seien, sei bei der Flutkatastrophe wieder überdeutlich geworden.

Die Kraft des Glaubens liege nicht in der illusorischen Hoffnung, Gott könnte auf der Welt in Zukunft Seebeben verhindern. Sie liege in dem Vertrauen, dass das unsägliche Leid, das über die betroffenen Menschen hereingebrochen sei, nicht in bloße Erfahrungen der Sinnlosigkeit, der Resignation und Verzweiflung treibe, so Welker. Die weltweite Solidarität, die beispiellose internationale Hilfsbereitschaft, die neuen Formen von Zusammenarbeit zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Religionen und der mögliche Aufbau neuer Infrastrukturen seien Zeichen der Hoffnung.

"Erfahrungen von zerstörender Gewalt und Chaos kann Gott der (von ihm unterschiedenen!) Schöpfung nicht ersparen", unterstreicht Welker. Nach schöpferischen und neuschöpferischen Kräften, die das unsägliche Leiden begrenzten und aus dem Chaos herausführten, danach müsse in dieser Situation gefragt werden, meint der Theologe.
Ingeborg Salomon

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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