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25. Januar 2005

Das Heidelberger Kinderhaus kommt im September

Großer Bedarf an Krippenplätzen mit flexiblen Öffnungszeiten: Arbeitsalltag fordert Wissenschaftlerinnen auch abends und am Wochenende – Private Angebote sind teuer – Universität möchte eigenes Kinderhaus einrichten – Offen auch für Nicht-Akademiker/innen – Bürokratische Hürden verzögerten bisher Baumaßnahmen im Neuenheimer Feld – Start im September nun sicher

Beinahe jede zweite deutsche Akademikerin bleibt heute kinderlos – lässt sich doch eine eigene Familie nur schwer mit einer anspruchsvollen Berufstätigkeit vereinbaren. Für Wissenschaftlerinnen stellt sich dieses Problem besonders. Vor allem die zeitliche Flexibilität macht hier Probleme, da gerade von Nachwuchswissenschaftlerinnen eine hohe Bereitschaft erwartet wird, auch abends oder am Wochenende zu arbeiten – von regelmäßig zu besuchenden Kongressen und Tagungen ganz abgesehen. Deshalb scheiden "normale" Betreuungsangebote, die beispielsweise nur am Vormittag zur Verfügung stehen, von vorneherein aus. Vor allem die Betreuung von Kleinkindern unter drei Jahren stellt die jungen Mütter vor erhebliche Probleme. "Denn private Krippen – falls man überhaupt einen der Plätze ergattern kann – sind mitunter so teuer, dass sie schlicht nicht finanzierbar sind", erklärt Prof. Dr. Dominique Lattard, die Frauenbeauftragte der Universität Heidelberg. "Sechs- oder siebenhundert Euro je Monat und Kind sind keine Seltenheit – so eine Summe will erst einmal aufgebracht werden."

Abhilfe möchte nun das "Heidelberger Kinderhaus" im Campusbereich Neuenheimer Feld schaffen. Hier soll eine Betreuungseinrichtung mit verschiedenen maßgeschneiderten Angeboten speziell für jene Eltern entstehen, die an der Universität forschen und arbeiten – und deshalb auf flexible Öffnungszeiten angewiesen sind. Denn anders als beispielsweise für eine Lehrerin ist Teilzeitarbeit im wissenschaftlichen Alltag kaum möglich, wo sich diese nur schwer mit Labortätigkeiten, Teamsitzungen oder Forschungsreisen vereinbaren lässt. "Es soll jedoch keinesfalls eine Einrichtung im Sinne eines ‚Betriebskindergartens' entstehen, zu dem nur Angehörige der Universität Zutritt haben", betont Frau Lattard. "Ganz im Gegenteil soll das Kinderhaus jedem offen stehen – und so der gesamten Stadt zu Gute kommen."

Seit knapp zwei Jahren laufen nun schon die Planungen – die zahlreichen Hürden, die das Projekt bislang überwinden musste, sorgten für Aufmerksamkeit. "Spätestens seit unserer Fragebogenaktion verfolgen viele junge Familien die Entwicklung hier in Heidelberg und fragen immer wieder bei uns an. Denn Anfang 2003 hatten wir eine Umfrage gestartet, die nicht nur sensationelle 50 Prozent Rücklauf hatte, sondern auch klar machte, dass es einen wirklich dringenden Bedarf besonders an Krippenplätzen mit flexiblen Öffnungszeiten gibt", betont Dominique Lattard. Die Planungen für dieses daraufhin vom Rektorat der Universität initiierte Projekt haben bereits im April 2003 begonnen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass den Universitäten erst ein halbes Jahr zuvor überhaupt vom Finanzministerium die Erlaubnis erteilt worden war, sich mit Geldern an solchen Vorhaben zu beteiligen.

"Hier hatten wir mit der Heidelberger Universität enormes Glück, so dass die Finanzierung von dieser Seite kein Problem war. Und auch ein Platz für das Kinderhaus war rasch gefunden, besitzt doch das Studentenwerk ein geeignetes Gebäude im Neuenheimer Feld. Das Haus im Klausenpfad beherbergt derzeit die Kinderkrippe für Studierendenkinder und kann recht problemlos durch einen Umbau des ersten Stocks erweitert werden. "Das Anwesen ist ideal – auch weil es einen hübschen Garten hat und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist", erklärt Dominique Lattard.

Doch zunächst galt es, die Fragen, die bei der Planung des Umbaus auftraten, zu klären. "Das Erdgeschoss war schon vor einiger Zeit für eine Kinderkrippe renoviert worden, so dass man den Ausbau durchaus auch als eine Erweiterung hätte betrachten können. Leider jedoch wurden die bestehenden Gesetze sehr restriktiv ausgelegt, was den behindertengerechten Ausbau angeht. So wäre unter anderem ein aufwändiger Aufzug nötig geworden – doch der hätte nicht nur viel Platz im Haus gekostet, sondern auch das Budget gesprengt", erzählt die Frauenbeauftragte.

"Zum Glück wurde dieses Gesetz vergangenen Oktober geändert. Doch dann haperte es plötzlich an der Finanzierung. Zwar standen Gelder aus dem Stiftungsvermögen der Universität bereit – und auch Sponsoren konnten wir überzeugen. Aber inzwischen hatte die Stadt ihre Förderquote für derartige Einrichtungen erfüllt, so dass wir nicht in die Bedarfsplanung für Kinderbetreuungseinrichtungen aufgenommen wurden – und nur wer das erreicht, kann auch die öffentlichen Fördergelder erhalten", erklärt Dominique Lattard die erneute Verzögerung, die zudem nicht die letzte war.

Leider zu früh gefreut

"Im vergangenen Sommer bekamen wir eindeutige Signale, dass die Quote erhöht und unser Projekt auf jeden Fall in die Bedarfsplanung aufgenommen werde, weshalb wir schon sicher waren, endlich loslegen zu können. Doch leider hatten wir uns zu früh gefreut, denn nun wird die Stadt ihre Bedarfsplanung neu gestalten und in erster Linie Kinder, deren Eltern einen Ausbildungs- oder einen Arbeitsplatz suchen, mit Betreuungsplätzen versorgen. Inzwischen ist schon beinahe Februar 2005 – und bisher können wir die zahlreichen Eltern, die uns anrufen, immer nur vertrösten. Schon jetzt haben wir mehr als 30 Anmeldungen für die gerade mal 20 geplanten Plätze." Doch diese Ungewissheit wird bald ein Ende haben. Denn das Projekt, das bisher nur auf dem Papier existiert, soll nun trotzdem Wirklichkeit werden – auch ohne die Zusage der Unterstützung der Stadt, damit der Zeitplan bis September noch eingehalten werden kann. So entschied es dieser Tage der Rektor der Universität, Professor Peter Hommelhoff.

Allerdings werden wohl noch bis in den Herbst zahlreiche junge Familien versuchen, mit einem – nicht ganz unkomplizierten – Netz aus Freundinnen, Nachbarinnen, Verwandten oder dem Babysitter für Abhilfe zu sorgen. Dabei geht viel Zeit und Energie verloren, denn so ein Netz will organisiert sein. Ganz davon abgesehen, dass ständig wechselnde Bezugspersonen gerade für Kleinkinder alles andere als vorteilhaft sind. So entscheiden sich viele Nachwuchswissenschaftlerinnen schweren Herzens für eine längere Babypause und damit faktisch für den Ausstieg aus dem Beruf. Denn angesichts der sich rasant entwickelnden Forschung verliert man gerade in den Naturwissenschaften binnen weniger Monate völlig den Anschluss. Eine rasche Durchführung des Kinderhaus-Projektes ist also in vielerlei Hinsicht ein großer Gewinn.

Eröffnung am 1. September

Mit der nun getroffenen Entscheidung der Universität ist der Eröffnungstermin des Heidelberger Kinderhauses am 1. September wieder möglich – immerhin müssen auch ohne die Installation eines Fahrstuhls etliche Umbauten im Klausenpfad vorgenommen werden. Und das kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. "Müssten wir noch länger auf eine Integrierung in die Bedarfsplanung der Stadt Rücksicht nehmen, würde uns die Verzögerung vielleicht noch viel, viel mehr – nämlich den guten Namen als Universitätsstadt kosten. Denn Familienfreundlichkeit ist nicht zuletzt in Hochschulstädten ein echter Standortfaktor", betont die Frauenbeauftragte, die davon berichten kann, dass bei nicht wenigen Berufungsverhandlungen auch die Situation der Kinderbetreuung eine Rolle spielt.

"Natürlich kann dieses eine Projekt – trotz der guten Ansätze – nicht alle Probleme auf einmal lösen. Aber es kann ein deutlich sichtbares Zeichen dafür sein, dass sich die Universitätsstadt Heidelberg um bessere Rahmenbedingungen für Familien mit Kindern bemüht", ist sich Dominique Lattard sicher. "Denn schon jetzt ist Heidelberg die Stadt mit der geringsten Geburtenrate in Deutschland. Und daran sollte sich unbedingt etwas ändern."
Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Dominique Lattard
Frauenbeauftragte der Universität Heidelberg
Hauptstr. 126, 69117 Heidelberg
Tel. 06221 547697, Fax 547271
a65@urz.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/organe/frb/

Rückfragen von Journalisten bitte auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
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