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27. Januar 2005

"Da gibt es eine ganze Fülle von Dingen, die wir jetzt angehen können"

RNZ-Gespräch mit dem Rektor der Heidelberger Universität Peter Hommelhoff – Studiengebühren als "Baustein" für eine Eliteuniversität

Für Prof. Dr. Peter Hommelhoff, den Rektor der Heidelberger Universität, war gestern ein großer Tag. Das Bundesverfassungsgericht legte fest, dass die Bundesländer bei den Studenten kassieren dürfen. Hommelhoff gilt als einer der Befürworter von Studiengebühren.

Herr Prof. Hommelhoff, wann wird die Heidelberger Ruperto Carola Studiengebühren erheben?

Sobald wir es können, um umgehend die Studienbedingungen zu verbessern.

Und ab wann können Sie?

Erst wird man das ganze Darlehenssystem entwickeln müssen, und das wird eine gewisse Zeit lang brauchen.

Und wie soll das sozialverträglich funktionieren?

Wir gehen von folgendem aus, dass dieses Darlehen getilgt werden soll aus den Verdiensten, die nach Abschluss des Studiums auch tatsächlich erzielt werden. Das ist schon weitgehend konsentiert, darüber gibt es auch keinen Streit.

Also die Einführung des australischen Modells?

Ja, das ist letztendlich das australische Modell, aber die Musik spielt woanders. Jetzt müssen wir uns auf zwei Fragen konzentrieren. Erstens: Wann muss die Rückzahlung beginnen, das heißt, hat der Student nach Abschluss seines Studiums, die Möglichkeit sich erst einmal in eine gewisse berufliche Position zu bringen oder soll er gar, was ich nicht für gut halte, sofort wenn er anfängt und das erste schmale Gehalt bezieht, beginnen, zurückzuzahlen? Die zweite Frage ist natürlich die Frage der Verzinsung. Die Verzinsung wird ein Problem sein. Und dann die dritte Frage, das ist so eine nachgeordnete Frage: Wer trägt denn nun den ,Verlust', wenn jemand aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage ist, zurückzuzahlen. Die Frage ist: Wird dann die Universität vom Kreditgeber belastet. Ich würde mir vorstellen, dass dann das Land zahlt. Aber ich nehme an, da werden wir noch mit Herrn Stratthaus heftige Diskussionen darüber haben.

Sie freuen sich natürlich über das Karlsruher Urteil.

Ja, ich bin deshalb froh über das Karlsruher Urteil, weil es uns in die Lage versetzt, wirklich an vielen Stellen suboptimale Studienbedingungen erkennbar zu verbessern. Da sind die Öffnungszeiten der Bibliotheken, das ist die Betreuung der Studierenden durch begleitende Tutoren, die Ausgestaltung der Examensvorbereitung, da gibt es hier und da Engpässe, um die notwendigen Exkursionen zu machen. Da gibt es eine ganze Fülle von Dingen, die wir jetzt angehen können.

Das ist ja dann auch der erste Schritt zur Eliteuni?

Die Gebühren sind ein Baustein in diesem Zusammenhang, denn ich plädiere ja sehr dafür, keine Einheitslösung in der ganzen Bundesrepublik anzusteuern, sondern das den Hochschulen zu überlassen und zwar aus doppeltem Grunde. Auf der einen Seite sollte es den Hochschulen – und ich denke da vor allen an die Hochschulen in den neuen Bundesländern – freistehen zu sagen, wir nehmen davon Abstand, Studiengebühren zu erheben. Und der andere Grund liegt darin, wir wollen nun ja nicht die Mittel mit dem Füllhorn ausgießen innerhalb der Universität, sondern wir möchten damit wirklich Verbesserungen erzielen. Ich stelle mir das also so vor, dass nachdem nun die Möglichkeit besteht, Studiengebühren zu erheben, sich die Fakultäten, die ja für die Lehre verantwortlich sind, darüber Gedanken machen, wo könnten wir die Studienbedingungen, da wir jetzt zusätzliches Geld bekommen, verbessern und was brauchen wir dafür.

Das bedeutet konkret?

Wir würden nicht einfach das Geld den Fakultäten zur Verfügung stellen, sondern nur für ganz bestimmte konkrete Sachen. Und in diese Planung der zu verbessernden Studienbedingungen möchte ich von Anbeginn die Studierenden mit eingeschaltet wissen. Ich stelle mir das so vor, dass etwa auf der Fakultätsebene die sogenannten Studienkommissionen, die da bestehen, mit den Professoren zusammen diskutieren, wo können wir verbessern, was wird das kosten und dann läuft das auf die Leitungsebene. Meine Vorstellung geht dahin, dass in der Universität eine Kommission eingesetzt wird, die diese ,Anträge' der Fakultäten auf Zuweisung von Studiengebühren sich dann daran macht, das zu überprüfen. Auch in dieser Kommission sitzen Studierende. Und es sind dann zwei Kommissionen, die dann überprüfen, ob das den Fakultäten zur Verfügung stehende Geld auch tatsächlich eingesetzt und zu tatsächlichen Effekten führt, nämlich einmal unten die Studienkommission und zum anderen die Kommission oben bei uns.

Herr Frankenberg hat ja kürzlich gesagt, durch die Studiengebühren würden die bildungsfernen Schichten vermehrt studieren. Diesen Satz habe ich bis heute nicht ganz verstanden. Können Sie ihn mir erklären?

Eine schwierige Formulierung. Ich würde es mal so sagen, im internationalen Vergleich haben die Länder, bei denen Studiengebühren erhoben werden, keine geringere Quote von Studierenden aus finanziell nicht so stark ausgestatteten Bevölkerungskreisen. In Deutschland. Nein, umgekehrt: In England etwa und anderen Ländern, die hier in Betracht gezogen worden sind, ist die Quote derer, die aus diesen Bevölkerungskreisen kommen, höher als bei uns in Deutschland. Dieses System ist ja ausgesprochen bürgerlich orientiert, das ist ja der überraschende Effekt einer jahrzehntelangen Bildungspolitik.

In den USA etwa beträgt der Anteil der bildungsfernen Schichten an den Unis sieben bis neun Prozent. In Deutschland ging der Anteil der Studenten aus weniger finanzkräftigen Kreisen in den letzten 20 Jahren von 23 auf 12 Prozent zurück. Jetzt kommen noch Studiengebühren dazu. Heißt das, dass immer weniger sozial Schwache an die Unis gehen oder in ein SPD-Land abwandern?

Erstmal zu Amerika. Bei Amerika muss man eben die Universitäten sehen, die uns immer entgegengehalten werden als Vergleichsuniversität, da kann ich nur sagen, da ist der Satz 38 000 Euro. Und da denkt bei uns natürlich kein Mensch an solche Summen. Es geht ja nicht um eine Ersetzung des staatlichen Finanzierungsbeitrages für die Ausbildung, sondern um einen Zusatz zur Qualitätsverbesserung. Das zweite ist, in der Tat, da gibt es bestimmte Lenkungswirkungen. Aber eines ist klar: Die Finanzierung der Hochschulen kann durch die Studiengebühren nicht aufgefangen werden.

Haben Sie keine Bedenken, dass in Zukunft auch fähige Köpfe sagen: Ich studiere lieber Medizin in Mainz als in Heidelberg – aus Kostengründen?

Ich hoffe, dass auch künftige Studenten erkennen, dass die sehr gut positionierte Universität Heidelberg durch Studiengebühren die Möglichkeit hat, die Lehre noch attraktiver zu gestalten. Das muss unser Ziel sein. Natürlich kann es sein, dass der ein oder andere so urteilt – aber Sie haben das schon richtig beschrieben: Als Alternative bleibt nur Mainz.
Ingrid Thoms-Hoffmann

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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