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21. Januar 2005

Sind Häftlinge ganz gewöhnliche Patienten?

Professor Thomas Hillenkamp zur Medizin hinter Gefängnismauern

Gefängnisärzte stehen in einem ständigen Spannungsverhältnis zwischen Heilauftrag und Strafvollzug. Ab heute diskutieren rund 120 Juristen, Mediziner und Ministerialbeamte auf dem Symposion "Intramurale Medizin" in der Alten Aula der Universität Heidelberg über dieses Thema. Die RNZ sprach im Vorfeld mit dem Organisator Professor Thomas Hillenkamp, Lehrstuhlinhaber für Strafrecht und Strafprozessrecht in Heidelberg.

Sind kranke Strafgefangene ganz gewöhnliche Patienten?

Nein. Sie haben zum Beispiel keine freie Arztwahl, sondern sind auf den Anstaltsarzt angewiesen. Das erzeugt natürlich Spannungen zwischen dem Patienten und seinem Arzt.

Manchmal muss doch aber auch ein Arzt von außerhalb hinzugezogen werden.

Ja. Wenn der Anstaltsarzt mit seinem Latein am Ende ist, ist er sogar dazu verpflichtet. In der Regel wird der Gefangene dann zum Facharzt gebracht. Wenn es gar nicht anders geht, kommt der Häftling in eine Anstaltsklinik. In Baden-Württemberg haben wir da die auf dem Hohenasperg. Bundesweit gibt es nur neun solche Kliniken.

Können Sie das Spannungsverhältnis zwischen Häftling und Anstaltsarzt anhand eines Beispiels verdeutlichen?

Ja. Ein Anstaltsarzt ist ja nicht nur Mediziner, er ist gleichzeitig Vollzugsbeamter. Er muss zum Beispiel darüber wachen, ob ein Gefangener arrestfähig ist. Dadurch hat er nicht nur einen Heilauftrag, sondern ist auch in Sanktionsmaßnahmen eingebunden. Er muss zum Beispiel überprüfen, ob ein Häftling in eine Einzelzelle gesperrt werden darf. Das kann natürlich auch dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient schaden.

Apropos Vertrauen: Unterliegt ein Anstaltsarzt der Schweigepflicht?

Im Grunde genommen ja. Wenn aber ein Patient selbstmordgefährdet ist, muss er das melden. Das gleiche gilt für ansteckende Krankheiten wie HIV und Hepatitis, zum Beispiel, wenn der Gefangene in der Küche arbeitet. Schließlich ist der Arzt auch für die Sicherheit in der Justizvollzugsanstalt mitverantwortlich.

Wie sieht es in Heidelberg aus? Gibt es im Faulen Pelz auch einen Anstaltsarzt?

Nein. Hier gibt es ein anderes Modell. Eine Ärztin von außerhalb hat einen Vertrag mit der Anstalt und untersucht die Patienten. In Mannheim in der JVA gibt es aber drei hauptamtliche Ärzte.

Welche Impulse erhoffen Sie sich nun vom Symposion?

Wir hoffen, ein neues Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schaffen, dass die Ausstattung der Gefängnisse verbessert werden muss. In einigen Anstalten gibt es zum Beispiel nicht einmal ein Ultraschallgerät oder einen Defibrillator (zur Wiederbelebung bei Herzstillstand).

Welche Forderungen stellen Sie?

Vor allem ist eine spezifische Ausbildung für Anstaltsärzte nötig. Sie haben besonders häufig mit Infektionskrankheiten und psychischen Problemen ihrer Patienten zu tun. Manche Häftlinge sind überdies drogensüchtig. Ein Anstaltsarzt sollte aber auch juristisch ausgebildet sein und eventuell Fremdsprachenkenntnisse mitbringen. Denn leider haben wir in den Gefängnissen einen hohen Anteil von Ausländern mit geringen Deutschkenntnissen.

Wie sieht es denn mit der Sicherheit der Ärzte aus? Wenn die Gefangene untersuchen, muss doch immer jemand zur Sicherheit dabei sein, oder?

Nein. Die meisten Gespräche finden schon unter vier Augen statt. Und zwei Mannheimer Ärztinnen haben mir erzählt, dass sie noch nie in Gefahr gewesen seien. Für die Häftlinge sind sie eher so eine Art Mutterersatz.
Holger Buchwald

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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