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7. Januar 2005

Interpretieren Kinder die Welt nach den gleichen Prinzipien wie renommierte Wissenschaftler?

Privatdozentin Dr. Daniela Bailer-Jones leitet neue interdisziplinäre Arbeitsgruppe am Philosophischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Emmy Noether-Programm der DFG ermöglicht die Erforschung der Kausalität in der menschlichen Interpretation von Phänomenen

Dr. Daniela Bailer-Jones

Foto : privat

Zuweilen sind Wissenschaftler von ihrem Fachgebiet derart fasziniert, dass ihnen ein geradezu kindlicher Forscherdrang innezuwohnen scheint. Mit leuchtenden Augen wird von neuen Erkenntnissen berichtet, mit ehrfürchtigem Staunen von gewonnenem Wissen erzählt. Dabei ist solch ein Vergleich weit seriöser, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Denn die Art und Weise, wie Kleinkinder ihre Umwelt interpretieren, verläuft möglicherweise nach den gleichen Prinzipien wie bei renommierten Wissenschaftlern, vermutet Privatdozentin Dr. Daniela Bailer-Jones vom Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg.

Dort nimmt die junge Wissenschaftlerin gerade die zweite Phase ihres Emmy Noether-Programms in Angriff, in der sie sich mit der Kausalität, der Kognition und der Konstitution naturwissenschaftlicher Phänomene auseinandersetzt. "Das Philosophische Seminar bietet hierfür sehr gute Voraussetzungen, was den Standort Heidelberg für mich attraktiv machte", erklärt Frau Bailer-Jones, die die erste Phase des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgelegten Emmy Noether-Programms in Pittsburgh absolvierte.

Dabei betreffen ihre Forschungsinteressen vorwiegend die menschliche Kognition in der naturwissenschaftlichen Praxis, und hier vor allem das Vorgehen beim Modellieren von Phänomenen. Daneben beschäftigt sie sich mit der Rolle der Kausalität – also dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung –, der Rolle von Mechanismen beim Interpretieren von Phänomenen sowie der Bedeutung der Emotionen im Rahmen wissenschaftlicher Tätigkeiten.

Wie arbeiten Wissenschaftler und analysieren die Welt um sich?

"Schon lange fasziniert mich aber auch die Frage, wie Wissenschaftler arbeiten, die Welt um sich analysieren – und Phänomene interpretieren", erklärt Daniela Bailer-Jones. Das auf vier Jahre angelegte Emmy Noether-Projekt soll deshalb auch der Kausalität in der menschlichen Kognition auf den Grund gehen. "Seit dem 19. Jahrhundert dominieren einfache, mechanistische Muster die Erforschung und Erklärung neuer Phänomene. Und obwohl dieses Prinzip eigentlich längst überholt ist, hängen wir ihm bis heute an. Zugleich belegen kognitionspsychologische Untersuchungen, dass kausale Beziehungen schon in der frühkindlichen Entwicklung eine herausgehobene Rolle spielen. All das wirft natürlich verschiedene Fragen auf, die ich im Zuge des Projektes gerne beantworten möchte", plant Frau Bailer-Jones. Fragen wie: "Interpretieren Kleinkinder ihre Umwelt nach den gleichen Prinzipien wie Wissenschaftler?" oder "Ist es methodisch akzeptabel, diese Interpretationsweisen von Kindern und von Wissenschaftlern in einen Zusammenhang zu bringen?" gilt es in den kommenden Jahren zu klären.

Im Rahmen des Projekts wird hierbei auch eine Brücke zur Astrophysik geschlagen werden – und zur erst vor wenigen Jahren gemachten Entdeckung fremder Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. "Anhand dieser Fallstudie zur Entdeckung extrasolarer Planeten soll analysiert werden, welche kausal-mechanistischen Erklärungsmuster zum Tragen kommen, welche Hypothesen erstellt werden – und wie das Ereignis selbst die Vorstellungen unseres eigenen Planetensystems verändert hat." Speziell für diesen Themenkomplex möchte Frau Bailer-Jones noch jemanden aus dem Bereich der Physik bzw. Astrophysik in ihre Arbeitsgruppe aufnehmen.

"Die Förderung durch das Emmy Noether-Programm ermöglicht es mir, zwei Doktorandenstellen zu schaffen, sowie eine akademische Hilfskraft einzustellen. Über solche Freiheiten bin ich natürlich sehr froh. Und selbstverständlich freue ich mich auf das unabhängige Arbeiten – auf die Möglichkeit, eigenverantwortlich eine Forschungsgruppe innerhalb des Philosophischen Seminars aufbauen zu können", gibt die junge Wissenschaftlerin – die Philosophie und Physik an den Universitäten Freiburg, Oxford und Cambridge studierte – unumwunden zu. Im Rahmen der ersten Phase des Emmy Noether-Programms verbrachte sie 2003 bereits einen einjährigen Forschungsaufenthalt als Fellow am Center for Philosophy of Science der Universität Pittsburgh – ihre Habilitationsschrift "Tracing the Development of Scientific Models in Philosophy of Science" reichte sie 2003 an der Universität Bonn ein, wo sie bis zu ihrem Wechsel nach Heidelberg auch als Privatdozentin beschäftigt war.

Programm ist direkte Alternative zur Juniorprofessur

Das "Emmy Noether-Programm" der DFG hat in den vergangenen fünf Jahren über 300 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützt – wovon stets auch die jeweilige Hochschule profitierte. Immerhin bekommt ein Institut, das von einem durch die DFG geförderten Jung-Akademiker ausgewählt wird, eine ganze Arbeitsgruppe hinzu – ohne dass man für die Finanzierung aufkommen müsste. Somit stellt das Programm eine direkte Alternative zur Juniorprofessur dar – zumal sich die jungen Akademikerinnen und Akademiker selbst um die Förderung bemühen, was von Anfang an eine große Selbstständigkeit aufbauen hilft. Vorraussetzung ist unter anderem eine abgeschlossene wissenschaftliche Ausbildung – also in der Regel eine Promotion -, an die sich ein Postdoc-Aufenthalt im Ausland anschließt. Nach dieser ersten Phase – und zwischenzeitlichen Ergebnisüberprüfungen – wird dem Nachwuchswissenschaftler eine eigene Forschungsgruppe in Deutschland zuerkannt, die über vier Jahre hinweg von der DFG finanziert wird. Den Hochschulstandort, an dem sich diese Gruppe niederlässt, bestimmt jedoch grundsätzlich der Stipendiat.

Ruperto Carola schätzt sich glücklich, hoch motivierte Forscherin zu beheimaten

Deshalb kann sich die Ruperto Carola auch glücklich schätzen, solche hoch motivierten und qualifizierten Forscherinnen und Forscher beheimaten zu können. Immerhin ist das Interesse der Stipendiaten ein direkter Indikator dafür, wie angesehen eine Hochschule bei den Nachwuchs-Eliten ist, denen im Rahmen des Programms von Anfang an große Autonomie zugestanden wird. Zudem können die Stipendiaten sehr unabhängig und selbstbewusst auftreten, haben sie ihre Gelder doch im Prinzip auch selbst eingeworben.

Die frühe wissenschaftliche Selbständigkeit sowie die Möglichkeit zur Habilitation oder direkten Berufung auf eine Professorenstelle sind die erklärten Ziele des Programms, das als Förderinstrument für den exzellenten Nachwuchs bereits nach wenigen Jahren durchaus beachtliche Erfolge aufweisen kann. Der Schwerpunkt der in Heidelberg geförderten Emmy Noether-Stipendiaten liegt derzeit vor allem im Bereich der Naturwissenschaften, während die Geisteswissenschaften stark unterrepräsentiert sind. Dass nun mit Frau Dr. Bailer-Jones die Philosophie in Heidelberg gestärkt werden konnte, ist deshalb ein besonders erfreulicher Aspekt.

Das Emmy Noether-Programm

Das Emmy Noether-Programm trägt seinen Namen zu Ehren der 1882 in Erlangen geborenen Mathematikerin Emmy Noether und ist ein erstklassiges Förderinstrument für künftige akademische Spitzenkräfte, die zunächst im Ausland forschen, bevor sie selbst eine Nachwuchsgruppe in Deutschland leiten. Die DFG strebt mit dem Programm frühe wissenschaftliche Selbstständigkeit und die Möglichkeit zur Habilitation oder direkten Berufung auf eine Professorenstelle an, und bietet so auch eine Alternative zur Juniorprofessur. Weitere Informationen zum Emmy Noether-Programm und zur Nachwuchsförderung in der DFG sind abrufbar unter:
www.dfg.de/wissenschaftliche_karriere/emmy_noether/
www.dfg.de/wissenschaftliche_karriere/
Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
PD Dr. Daniela Bailer-Jones
Philosophisches Seminar der Universität Heidelberg
Schulgasse 6, 69117 Heidelberg
daniela@bailer-jones.de
http://www.philosophie.uni-hd.de/

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


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