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18. Januar 2005

Goldenes Zeitalter der Stern- und Himmelskunde

An der Universität Heidelberg entsteht ein neues "Zentrum für Astronomie" – Spitzenplatz in Deutschland angestrebt – RNZ-Gespräch mit Joachim Wambsganss

Eine künstlerische Impression des "Gaia"-Satelliten vor dem Hintergrund der Milchstraße

Eine künstlerische Impression des "Gaia"-Satelliten vor dem Hintergrund der Milchstraße – an dieser Mission der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, die 2011 starten soll, ist auch das Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg beteiligt. Foto: ESA


Herr Prof. Wambsganss, gegenwärtig entsteht eine neue Forschungsstruktur in der Heidelberger Astronomie. Welche Einrichtungen sind daran beteiligt?

Prof. Joachim Wambsganss, Leiter des Astronomischen Rechen-Instituts und geschäftsführender Direktor des Zentrums für Astronomie (ZAH) der Universität Heidelberg

Prof. Joachim Wambsganss, Leiter des Astronomischen Rechen-Instituts und geschäftsführender Direktor des Zentrums für Astronomie (ZAH) der Universität Heidelberg. Foto: Welker

Drei Heidelberger Institute sind beteiligt, die bisherigen Landesforschungsinstitute Astronomisches Rechen-Institut (ARI) in Neuenheim und Landessternwarte (LSW) auf dem Königstuhl sowie das Institut für Theoretische Astrophysik (ITA) der Universität Heidelberg. Die neue Struktur wird ein zentrales Institut der Ruperto Carola, das den Namen "Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg" (ZAH) trägt und direkt dem Rektor unterstellt ist.


Die beiden Landesinstitute gehören dann zur Ruperto Carola?

Baden-Württemberg hatte aus historischen Gründen bisher eine besondere Förderstruktur für die beiden astronomischen Institute ARI und LSW; üblicherweise findet Forschung in Universitäten oder in Einrichtungen der Max-Planck-, Leibniz- oder Helmholtz-Gesellschaften statt. In Heidelberg bot es sich an, die Organisation der vielgliedrigen Astronomie zu konzentrieren. So wird die Verwaltung gebündelt, die Forschung erleichtert. Und durch die Eingliederung in die Universität Heidelberg ergibt sich für diese eine deutliche Stärkung und die Chance, die Astronomie viel sichtbarer darzubieten.

Zwei Heidelberger Max-Planck-Institute (MPI) sind assoziiert?

Ja, das MPI für Astronomie und das MPI für Kernphysik, das kürzlich das HESS-Teleskop in Namibia in Betrieb genommen hat, gehören auch zur großen Astronomie-Familie in Heidelberg. Hier gab es schon bisher langfristige Zusammenarbeit, etwa in dem Sonderforschungsbereich "Galaxien im frühen Universum". Seit kurzem existiert eine "International Max Planck Research School" (IMPRS) für Astronomie und Kosmische Physik, die in den nächsten Jahren 40 Top-Doktoranden – die Hälfte aus dem Ausland – aufnehmen wird. Hier bieten das "Zentrum für Astronomie" und die Max-Planck-Institute Spitzennachwuchsförderung an: Während der nächsten Wochen werden die ersten Studenten ausgewählt. Darüber hinaus gibt es auf der Arbeitsebene zahlreiche Kooperationen, etwa bei den extrasolaren Planeten. Mit diesem "Astronomie-Verbund Heidelberg" werden wir anstreben, an die Forschungsspitze in Deutschland zu gelangen.

Welche Funktion werden Sie in dem neuen Zentrum übernehmen?

Die Leiter der drei beteiligten Institute – Prof. Immo Appenzeller von der LSW, Prof. Matthias Bartelmann vom ITA und ich – bilden das Direktorium des ZAH. In der ersten Drei-Jahres-Phase werde ich der geschäftsführende Direktor des Zentrums sein, dann wird gewechselt.

Können Sie einen Überblick über die Verbindungen der Heidelberger Universitäts-Astronomie geben?

Die Heidelberger Astronomie ist sehr stark international vernetzt. Die LSW ist an dem großen Projekt "Large Binocular Telescope" (LBT) beteiligt, das in den USA gebaut wird: Kürzlich wurde das "first light" gefeiert. Es handelt sich um das bisher größte Spiegelteleskop mit zwei 8,4-Meter-Spiegeln. Zusammen haben sie die Lichtsammelfläche eines 12-Meter-Teleskops. Man kann die beiden Spiegel in einem gemeinsamen Modus betreiben, der die Genauigkeit eines Teleskops von 22 Metern bietet. Am LBT ist auch das Max-Planck-Institut für Astronomie beteiligt, die deutsche Astronomie insgesamt hat einen Anteil von 25 Prozent. Mit dem LBT eröffnen sich einzigartige Möglichkeiten, um lichtschwache Objekte am Rande des Universums zu studieren. Das ITA macht mit beim "Planck"-Projekt, einer europäischen Weltraummission, die den Mikrowellenhintergrund untersucht, also die vom Urknall übrig gebliebene Strahlung: Dieser Satellit soll im Jahr 2007 fliegen. Und das ARI ist beteiligt an der "Gaia"-Mission der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, die 2011 starten soll. Dabei werden die Positionen und Entfernungen von einer Milliarde Sternen in der Milchstraße hochpräzise gemessen.

Es bestehen auch Heidelberger Verbindungen zum "Very Large Telescope" (VLT) in Chile.

Das VLT verfügt über eine Anordnung von vier Teleskopen mit jeweils 8,2 Metern Durchmesser, die der Europäischen Südsternwarte (ESO) gehören. Dafür wurden von der Landessternwarte und vom Max-Planck-Institut für Astronomie hochentwickelte Instrumente gebaut. Genutzt wird dieses Top-Teleskop von Wissenschaftlern aus aller Welt, auch an der Universität Heidelberg.

Wie fällt der Vergleich von LBT und VLT aus?

Die vier Teleskope des VLT werden im Normalfall einzeln betrieben. Die beiden Teleskope des LBT haben dagegen immer die gleiche Blickrichtung – so wie ein gigantischer Feldstecher. Zudem steht das LBT auf der Nordhalbkugel und "sieht" den Nordhimmel, das VLT den Südhimmel. Auch bei der ESO wird daran gearbeitet, die VLT-Teleskope zusammenzuschalten, wodurch das LBT noch deutlich übertroffen würde. Insgesamt hat die europäische Astronomie im letzten Jahrzehnt gegenüber der amerikanischen deutlich aufgeholt und teilweise gleichgezogen.

Wird das Arbeitsprofil der Heidelberger Astronomie verändert?

Im Augenblick ist nicht geplant, bestimmte Felder abzuschaffen oder ganz neu zu beginnen. Aber wie es in der Denkschrift zur Astronomie der Deutschen Forschungsgemeinschaft formuliert ist, erlebt unsere Wissenschaft gegenwärtig ein "goldenes Zeitalter" – infolge der zahlreichen neuen Teleskope und Instrumente. Da wird es unweigerlich auch zu neuen Schwerpunktbildungen kommen, wie etwa hin zu extrasolaren Planeten.

Welche Einrichtungen spielen in der internationalen Astronomie-Liga eine besondere Rolle?

In den USA sind mehrere Zentren zu nennen: Das Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Boston/Cambridge, an der Ostküste auch die Princeton University, im Westen das California Institute of Technology, dann die kalifornischen Universitäten in Berkeley und Stanford sind Top-Plätze für die Astronomie. In Europa steht das englische Cambridge an der Spitze, wichtig ist auch Paris. Und in Deutschland gibt es vier Schwerpunkte: München/Garching, Potsdam, Bonn und eben Heidelberg. Und letzteres wird sich in Zukunft sicherlich noch besser etablieren.

Finden Sie auch in Heidelberg wichtige Partner?

Die Forscher des "Zentrums für Astronomie" sind zugleich Mitglieder der Fakultät für Physik und Astronomie, wodurch sich Kooperationen in Forschung und Lehre natürlicherweise ergeben. Auch darüber hinaus gibt es an der Universität Zusammenarbeit, etwa mit der Mineralogie oder dem Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR). Insgesamt bietet der Heidelberger Astronomie-Verbund großartige Möglichkeiten, vor allem weil hier die Universität eine bedeutende Rolle spielt – kaum eine andere deutsche Universität hat eine so starke Astronomie wie nun die Ruperto Carola.
Heribert Vogt
Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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