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13. Dezember 2004

Die "Soundbridge" ist eine Alternative zum Hörgerät

Schwerhörigkeit muss heute kein Schicksal mehr sein – HNO-Universitätsklinik präsentierte bei der 1. Heidelberger Adventsfortbildung moderne Behandlungsmöglichkeiten

"Soundbridge System"

Beim "Soundbridge System" wird der Empfänger über dem Ohr implantiert und leitet über einen Draht den Schall vom Trommelfell in das Innenohr weiter. Dort wandelt ein Schallüberträger die Signale in Schwingungen der Gehörknöchelchen um und verstärkt sie. Abb.: Heidelberger Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde


In Deutschland leiden ca. 14 Millionen Menschen an einer Schwerhörigkeit; bei rund 90 Prozent ist das Innenohr mit seinen sensiblen Hörzellen geschädigt. Das klassische Hörgerät war bislang die einzige Behandlungsmöglichkeit. Seit wenigen Jahren steht das "aktive Mittelohrimplantat " als Alternative zur Verfügung. Bislang wurden in Deutschland wenige hundert Patienten damit behandelt; nun wird das System auch Patienten in der Heidelberger Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) eingesetzt.

Gehörknöchelchen aus Titan im Vergleich zu einem Streichholz

Winzig aber effektiv: Gehörknöchelchen aus Titan im Vergleich zu einem Streichholz. Foto: Heidelberger Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde


Die hervorragenden Ergebnisse der neuen Systeme waren eines der "Highlights" der 1. Heidelberger Adventsfortbildung, die der neue Ärztliche Direktor der Heidelberger HNO-Klinik, Professor Dr. Peter K. Plinkert, am 11. Dezember 2004 vorstellte. Er wies auch auf die eklatante Unterversorgung von schwerhörigen Patienten in Deutschland hin: Etwa die Hälfte könnte durch die Anpassung einer geeignete Hörhilfe zumindest einen Teil ihres Hörvermögens wiedererlangen. Tatsächlich sind aber nur 10 Prozent der Patienten mit Hörgeräten oder anderen Unterstützungssystemen versorgt.

Die Behandlung der Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit konnte in den vergangenen Jahren enorm verbessert werden. Hörgeräte sind heute digitale Computer, deren winzige Gehäuse im Ohr fast nicht mehr sichtbar sind. Dennoch können nicht alle Schwerhörigen befriedigend damit versorgt werden: Kontaktallergien, erhöhte Produktion von Schweiß oder Ohrenschmalz und Entzündungen im Gehörgang können Funktion und Komfort beeinträchtigen. Konventionelle Hörgeräte werden zudem von manchen Patienten aus kosmetischen Gründen abgelehnt.

Verzicht auf den Knopf im Ohr und hohe Klangqualität

Aktive Mittelohrimplantate wie das "Soundbridge System" nutzen dieselbe digitale Technik der Hörverstärkung wie klassische Hörgeräte, verzichten aber auf den Knopf im Ohr. Die "vibrierende Klangbrücke" (Soundbridge), die den Schall im Innerohr verstärkt, besteht aus zwei Komponenten: dem geldstückgroßen Empfänger, der über dem Ohr unter die Kopfhaut implantiert wird und durch einen im den Knochen verlegten Draht mit den Gehörknöchelchen verbunden ist, die den Schall vom Trommelfell in das Innenohr weiterleiten. Am Ende dieses Drahts sitzt der Schallüberträger (Floating Mass Transducer), der die akustischen Signale in die Schwingung der Gehörknöchelchen umwandelt.

"Etwa 90 Prozent der Patienten sind mit diesem System sehr zufrieden", berichtet Professor Plinkert. Die Klangqualität sei sehr gut, das störende Pfeifen durch eine akustische Rückkopplung ausgeschlossen. Der Gehörgang ist frei von eventuelle störenden Fremdkörpern und ein Batteriegerät ist leicht austauschbar.

Nicht nur für die Schwerhörigkeit durch Innenohrschäden, sondern auch für die Schwerhörigkeit aufgrund von Erkrankungen im Mittelohr – dabei ist die Schwingungsfähigkeit der Gehörknöchelchen meist durch chronische Entzündungen beeinträchtigt – steht heute ein umfangreiches und verlässliches Arsenal an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung.

Gehörknöchelchen aus Titan verbessern das Hörvermögen

"Die Mittelohrschwerhörigkeit ist eine Domäne der Mikrochirurgie des Ohres," erklärte Professor Plinkert. Moderne Operationsmikroskope sorgen für eine optimale Vergrößerung der winzigen Strukturen im Mittelohr und einen sicheren und schonenden Eingriff.

Das Trommelfell wird mit körpereigenem Material verschlossen; die besten Ergebnisse lassen sich mit Knorpel plus Knorpelhaut erzielen. Diese Transplantate können einfach aus dem Knorpelgerüst der Ohrmuschel gewonnen werden. Passive Mittelohrimplantate ersetzen die körpereigenen Gehörknöchelchen und leiten die Schallwellen zum Innenohr weiter, ohne sie zu verstärken. Die Implantate haben eine Größe von nur 2 bis 5 Millimeter und bestehen heute in der Regel aus Titan, sofern nicht auch hier auf körpereigenes Gewebe aus erhaltenen Gehörknöchelchen zurückgegriffen werden kann.

Prothesen aus Titan werden vom Körper hervorragend angenommen ("Biokompatibilität") und zeichnen sich durch hohe mechanische Steifheit bei geringem Gewicht aus. "Die Ohroperation ist heute ein sehr verlässlicher und erfolgreicher Eingriff", sagt Professor Plinkert. Die chronische Ohrentzündung wird beseitigt; gleichzeitig wird das Hörvermögen optimiert.

Die meisten Erkrankungen des Mittelohres können mikrochirurgisch behandelt werden. Für einen kleinen Teil der Mittelohrschwerhörigen kommt eine hörverbessernde Operation jedoch nicht in Frage. Sie können von knochenverankerten Hörgeräten profitieren. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung von Hörgeräten, die den Schall über Knochenleitung statt über den Luftschall an das Innenohr weiterleiten. Vorteil ist hier, dass der Knochen durch eine implantierte Titanschraube – hier entspricht das System den Zahnimplantaten – direkt ohne Dämpfung durch die Haut in Schwingung versetzt wird.

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 – 56 45 36
Fax: 06221 – 56 45 44
Handy: 0170 – 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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