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2. Dezember 2004

Starke Verbreitung der Ideen in Europa

Jens Halfwassens Darstellung "Plotin und der Neuplatonismus" – 1800. Geburtstag des Philosophen

Plotin und der Neuplatonismus

Diese Portraitbüste entstand in der späteren Lebenszeit Plotins und wird heute häufig mit ihm identifiziert. Foto: Titelbild

2004 jährte sich der Geburtstag des großen Philosophen Plotin zum 1800. Mal. Ein guter Anlass auch für Jens Halfwassen, sich des Begründers und bedeutendsten Denkers des Neuplatonismus anzunehmen. Immerhin prägte Plotin maßgeblich die Philosophie der Spätantike und hatte darüber hinaus größten Einfluss auf die gesamte metaphysische Tradition des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit. Jens Halfwassen – Professor für Philosophie an der Universität Heidelberg – stellt nun in seinem Buch Leben und Werk Plotins vor und skizziert die wichtigsten Aspekte der Wirkungsgeschichte.

Diese bezog sich natürlich vor allen Dingen auf Platon und seine Ideen. Indes setzte Plotin hierbei durchaus eigene Maßstäbe, die bereits von seinen Zeitgenossen wahrgenommen wurden. "Keiner (...) gelangte zu einer ähnlich geschlossenen Synthese wie Plotin, und keiner hebt die entscheidenden Grundeinsichten Platons mit solcher Schärfe heraus wie er; das hat schon sein Zeitgenosse, der Mittelplatoniker Longin anerkannt. Proklos nennt Plotin darum den eigentlichen Widerhersteller der Metaphysik." Gleichwohl hatte es Plotin keineswegs nötig, vorgefertigte Meinungen zu kopieren. Auch müssen seine Vorlesungen, die in seinem in Rom stehenden Privathaus stattfanden, sehr lebhafte Diskussionsrunden gewesen sein. Denn zwar war seine Schule nicht institutionalisiert – er bekleidete keinen öffentlich besoldeten Lehrstuhl. Jedoch waren seine Seminare, die sich der Exegese der Klassiker Platon und Aristoteles sowie der Erörterung der sich daraus ergebenden philosophischen Probleme widmete, durchaus öffentlich zugänglich. "Sein Unterricht wird als außerordentlich dialogisch geschildert, er ermunterte seine Hörer zum Fragen und erörterte Probleme gerne im Frage-Antwort-Verfahren, z.B. diskutiere er mit Porphyrios drei Tage lang die Verbindung der Seele mit dem Körper."

Porphyrios war es denn auch, der die spät schriftlich niedergelegte Philosophie Plotins redigierte und in sechs Neunergruppen anordnete, weshalb sie unter dem Gesamttitel Enneaden (zu griechisch "Neun") bekannt sind. Zwar musste Porphyrios das Werk teilweise aufgliedern, um auf die symbolische Zahl von 54 Einzeltexten zu kommen, doch tut dies dem Stellenwert Plotin'schen Gedankenguts keinen Abbruch: Als Quelle des Seins nimmt Plotin das eigenschaftslose Ur-Eine (Gott, "das Gute") an. Aus ihm wiederum geht die Weltvernunft (Geist, "nous") hervor, in der die Ideen ihre Stätte haben. "Der Neuplatonismus war die erste Philosophie, die dem Geiste (nous) nicht nur eine besondere, herausgehobene Stellung in der Wirklichkeit zuerkannte, wie das schon Platon und Aristoteles getan hatten, sondern ihn als die Einheit der Wirklichkeit überhaupt dachte, der jedes Wirkliche seine besondere Bestimmung verdankt. Mit dem Geist ist also nicht unser individuelles und subjektives Denkvermögen gemeint, sondern der göttliche oder absolute Geist als Inbegriff der Fülle des Seins; er ist das zweite große Thema der neuplatonischen Philosophie neben dem Einen."

Gleichzeitig prägte Plotin die Kirchenväter, darunter beispielsweise Augustinus, wie Jens Halfwassen sehr fundiert darlegt. Auch hatte Plotins Philosophie – insbesondere über Dionysios Areopagita – Einfluss auf die Scholastik und Mystik. Und als 1559 der erste lateinische Plotin in Basel gedruckt wurde, fanden seine Ideen auch in Europa starke Verbreitung und hatten später auf Berkeley, Shaftesbury, Goethe, Novalis, Schelling oder Hegel Wirkung. Dass indes auch der Autor selbst der Faszination Plotins erlegen ist – im positiven Sinne natürlich – spürt man bereits auf den ersten Seiten dieser gelungenen Darstellung.
hpw.
Jens Halfwassen: "Plotin und der Neuplatonismus". Verlag C. H. Beck, München 2004. Beck'sche Reihe: Denker. 199 S., broschiert, ISBN 3-406-51117-1, 14,90 Euro.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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