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22. Dezember 2004

Die Wiege der europäischen Geschichte

Auch für den Laien empfehlenswert: Angelos Chaniotis' Buch "Das antike Kreta"

Delphinfresko des Thronsaals der Königin im minoischen Palast von Knossos auf der griechischen Insel Kreta, um 1900/1700 vor Christus

Delphinfresko des Thronsaals der Königin im minoischen Palast von Knossos auf der griechischen Insel Kreta, um 1900/1700 vor Christus. Unser Foto zeigt das Titelbild des besprochenen Bandes.


Man mag es kaum glauben – doch das antike Kreta ist auch heute noch in aller Munde. Zumindest wenn es um ein markantes Gewächs geht, mit der wir so gerne unseren Atem erfrischen. In Italien spricht man von "ment", in Griechenland von "menta" und bei uns von der Minze – und alle drei Nationen verwenden einen Begriff, der älter ist als selbst die Ankunft der Indogermanen in Europa. Auch die Hyazinthe trägt ihren Namen seit rund vier Jahrtausenden, und ist ein weiteres Beispiel dafür, dass unsere ältesten erkennbaren Wörter ihren Ursprung im minoischen Kreta haben. "In diesem sehr selten wahrgenommenen Tatbestand bewahrheitet sich in indirekter Weise ein Gemeinplatz: Kreta ist die Wiege der europäischen Kultur, seine Geschichte ist ein kleines Paradigma der komplexen Wege europäischer Geschichte."

Prof. Angelos Chaniotis, der Alte Geschichte an der Universität Heidelberg lehrt, wirft in seinem Buch einen Blick auf jenes Kreta, das zeitlich so weit entfernt erscheint, dass es kaum mehr wahrgenommen wird. Dabei genügen ihm knapp 130 Seiten, um eine profunde Einführung zu geben in die Geschichte und Kultur der Insel vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zur Spätantike. Am Anfang steht hierbei natürlich die unter dem Einfluss Vorderasiens, Makedoniens, der Kykladen und wohl Nordafrikas entstandene minoische Kultur, die zuweilen auch als "ägäische Kultur" bezeichnet wird. Um etwa 2000 v. Chr. entstanden dann die ersten legendären Paläste von Knossos, Phaistos und Zakros. Diese dienten indes weniger als Residenz eines Monarchen, sondern eher der Sammlung, Lagerung und Wiederverteilung von Produktionsüberschüssen in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft.

Zeitlich parallel zum Bau jener Paläste wanderten aber auch nördliche Nachbarn auf Kreta ein – griechische Stämme nämlich, die ihrerseits eine bedeutende Kultur und mehrere Reiche errichteten, die jeweils ihren eigenen König hatten. Über diese Epoche ist dank der seit 1952 entschlüsselten Linear B-Schrift recht viel bekannt. Jedoch sieht sich auch der Autor nicht in der Lage, die Frage zu beantworten, ob die Griechen als Invasoren kamen – oder ob sie in ein Machtvakuum eindrangen. Gleichwohl ist klar, dass um 1450 v. Chr. die Paläste zerstört wurden und Kreta zwischen 1200 und 900 v. Chr. tiefgreifenden Veränderungen unterworfen war, über die keine schriftlichen Zeugnisse existieren. Sehr treffend werden diese drei Jahrhunderte deshalb als die "dunklen" bezeichnet. "In dieser Zeit dürfen wir die Ursprünge der ‚hekatompolis Kreta' (Kreta mit den 100 Städten) vermuten. Die Ursachen der politischen Fragmentierung liegen zum Teil in der Stärkung regionaler Verwalter, zum Teil in der Einwanderung neuer Stämme" während dieser für das östliche Mittelmeer sehr unruhigen Zeit.

Was weiter folgte, war die kretische Renaissance, die die Insel zu einer der fortschrittlichsten Regionen Griechenlands machte, sowie im Gegenzug eine Zeit der Erstarrung. Angelos Chaniotis vertritt hier die These, dass die archaischen Strukturen von den herrschenden Gruppen zementiert wurden, und so eine regelrechte "gesellschaftliche Insel in der Zeit" entstand, die quasi Bestand hatte, bis 67 v. Chr. das römische Weltreich nach Kreta griff. Im Jahr 395 kam Kreta denn an Byzanz, war um 825 bis 961 im Besitz der Sarazenen, dann wieder byzantinisch – und schließlich zu Anfang des 13. Jahrhunderts unter venezianischer Herrschaft. Diese Zeiten jedoch lässt der Autor außen vor – er beendet seinen Exkurs mit dem Ende der römischen Präsenz auf jener "Wiege der europäischen Geschichte". Doch auch so gelang ihm damit ein ebenso prägnanter wie verständlicher Überblick über das antike Kreta. Ein empfehlenswertes und günstiges Buch – gerade auch für den fachlichen Laien.
Heiko P. Wacker
Rhein-Neckar-Zeitung

Angelos Chaniotis: "Das antike Kreta". Verlag C. H. Beck, München 2004. Beck'sche Reihe. 128 S., broschiert; ISBN 3-406-50850-2, 7,90 Euro.

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