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29. Dezember 2004

Der Kopf wird vernachlässigt

Über Heidelbergs Sportpsychologen

Wie sehr das öffentliche Interesse an sportlichen Höchstleistungen zugenommen hat, wurde bei den Olympischen Spielen in Athen deutlich. Das zeigte sich auch beim Medaillenspiegel, der manchen Kommentatoren wichtiger zu sein schien als die eigentlichen Wettkämpfe. Zugleich wurde aber auch spürbar, welcher Druck inzwischen auf den Athletinnen und Athleten lastet. Alleine der Erfolg zählt, denn dieser stellt die Sponsoren und die Nation vor den Fernsehgeräten gleichermaßen zufrieden.

Dass angesichts solcher Belastungen mentale Hemmnisse eine sportliche Höchstleitung verhindern können, liegt auf der Hand. "Gerne spricht man hier von ‚Trainingsweltmeistern', die außerhalb der Wettkämpfe sehr wohl in der Lage sind, erstklassige Leistungen zu erbringen, jedoch unter den Augen der Stadionbesucher weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben", erklärt Prof. Hans Eberspächer hierzu. Der Heidelberger Wissenschaftler, der sich auf den Bereich des Hochleistungssports spezialisiert hat, ist einer der Pioniere angewandter Sportpsychologie. Er bemüht sich, Sportlern zu helfen, mit dem Druck, der auf ihnen lastet, besser fertig zu werden.

Psycho-Spezialtrainer

"Hierbei haben wir es jedoch nicht nur mit Trainingsweltmeistern zu tun, sondern beispielsweise auch mit jungen Menschen, denen die Motivation fehlt, wenn sie keinen Sinn mehr in ihrem Sport sehen, oder mit Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Trainer und Athlet." Daneben ist Eberspächer aber auch mit der psychologischen Rehabilitation nach Sportunfällen oder -verletzungen beschäftigt. "Das ist natürlich ein ganz spezielles Feld, stellt solch eine Verletzung doch grundsätzlich ein einschneidendes Erlebnis für einen jungen Menschen dar."

Generell kann man Sportpsychologen letztlich auch als Spezialtrainer bezeichnen, die sich um einen Aspekt des Sports bemühen, der noch immer viel zu sehr vernachlässigt wird. "Eigentlich lassen sich sportliche Erfolge recht einfach erklären und auf die Formel ‚Material, Körper, Kopf' reduzieren. Das ist natürlich ein reichlich schlichtes Schema, aber es zeigt die wesentlichen Punkte auf. Mit Material meine ich hier beispielsweise entsprechendes Schuhwerk oder moderne Schwimmbecken mit nur leichtem Wellengang – denn erst in diesem Kontext kann ein gut trainierter Körper seine Leistung auch umsetzen. Der dritte Aspekt jedoch – der Kopf – wird leider immer noch zu sehr vernachlässigt. Dabei können mentale Fähigkeiten ebenso trainiert werden wie körperliche – und auch genauso sehr über Sieg oder Niederlage entscheiden." Jedoch wäre es falsch, angesichts dieser Tatsache das körperliche Training gegenüber dem mentalen zu vernachlässigen. "Vielmehr ist eine systematische Verknüpfung notwendig – erst dann kann sich der Erfolg einstellen."

Natürlich sind es gerade Erfolgsergebnisse, die den exzellenten Ruf des Standorts Heidelberg begründen. "Man kann mit Recht sagen, dass wir mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum eine exponierte Stellung einnehmen, quer durch alle Disziplinen." So beraten die Heidelberger Wissenschaftler nicht nur diverse deutsche Sportler, sondern beispielsweise auch den schweizerischen Judo-Bundestrainer. "Wir haben jede Menge Postkarten aus Athen bekommen, und schon das zeigt, dass unsere Arbeit gewürdigt wird." Gleichwohl sieht er gerade im Vergleich mit anderen Ländern noch große Defizite. "Nationen wie Belgien oder Schweden haben schon früher erkannt, welche Bedeutung die systematische Einbindung der Sportpsychologie haben kann – daran müssen wir uns orientieren."

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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