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10. Dezember 2004

Verleihung des Karl Jaspers Preises an Professor Michael Theunissen

Grußwort von Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg Beate Weber am Dezember 2004 in der Aula der Alten Universität

Sehr geehrte Damen und Herren,
Als Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg begrüße auch ich Sie sehr herzlich im Namen den Gemeinderates zur Verleihung des Karl Jaspers-Preises. Wir verleihen diesen Preis heute zum achten Mal. Er wurde 1983 anlässlich des 100. Geburtstags von Karl Jaspers gemeinsam von der Ruprecht-Karls-Universität und der Stadt Heidelberg gestiftet. Der mit 5.000 Euro dotierte Karl Jaspers-Preis ist damit ein Zeichen für das enge Zusammenwirken von Universität und Stadt Heidelberg.

Diese Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität hat eine lange Tradition, die in verschiedenen Projekten besonders gut zum Ausdruck kommt:
  • So ist der Clemens-Brentano-Förderpreis für Literatur der Stadt Heidelberg nicht zuletzt durch die Zusammensetzung der Jury aus Fachleuten des literarischen Lebens und Studierenden des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg einzigartig.
  • Die Stadt-Heidelberg-Stiftung fördert und finanziert geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität oder öffentliche Projekte der Universität wie etwa die Poetik-Dozentur oder die Sammlung Prinzhorn.
  • Kulturelle Projekte der Stadt werden häufig durch die Beteiligung von Universitäts-Einrichtungen mitgetragen, wie etwa Ausstellungen des Universitätsmuseums und Vorträge von Fachleuten der Universität, z. B. im Rahmen der diesjährigen sehr erfolgreichen Baden-Württembergischen Literaturtage in Heidelberg.
  • Mit dem von der Stadt und der Universität gestifteten Karl-Jaspers-Preis wird seit 19 Jahren im Dreijahresrhythmus ein wissenschaftliches Werk von internationalem Rang und philosophischem Geist ausgezeichnet, das die Grenzen einer geisteswissenschaftlichen oder psychiatrischen Fachdisziplin zu Gunsten einer interdisziplinären Verständigung überschreitet.
Dies ist nur ein Ausschnitt aus dem breit gefächerten Kooperationsgeflecht zwischen unseren Einrichtungen. Diese Zusammenarbeit ist ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass Heidelberg eine erfreuliche Dynamik entwickelt.

Der Namensgeber der Auszeichnung, die heute hier verliehen wird, Karl Jaspers, lehrte Philosophie an der Universität Heidelberg von 1921 bis 1947. Erst kürzlich bei Feierlichkeiten zu Ehren des Arztes Albert Fraenkel, der u. a. bei der Gründung des Speyererhofes und der Thoraxklinik mitgewirkt hat, ist mir Jaspers wieder begegnet. Er begegnet einem im Übrigen immer dann, wenn man sich mit den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Heidelberg beschäftigt. Jaspers war Patient und Freund von Albert Fraenkel und teilt mit ihm das Schicksal der Amtsenthebung unter den Nationalsozialisten und weitere Repressionen der damaligen Gewaltherrschaft. Er musste 1937 seine Lehrtätigkeit unterbrechen und durfte ab 1938 nicht mehr publizieren. Er wurde als "politisch unbeugsam" geächtet und vom Dienst an der Universität suspendiert. Zusammen mit seiner Frau verbrachte er die Kriegsjahre isoliert und versteckt – und in Angst vor der Deportation.

Auch wenn er viel zu der Wiederbelebung des ursprüngliches Geistes der Universität Heidelberg beigetragen hat, folgte er 1947 mit seiner Frau dem Ruf der Universität Basel. Doch blieb er Heidelberg bis zu seinem Tod 1969 stets verbunden.

Karl Jaspers war Beobachter und Kritiker des Zeitgeschehens. So veröffentlichte er 1931 das Buch "Die geistige Situation unserer Zeit", in dem er den Leser auffordert, sich an die Möglichkeiten des eigentlichen Menschseins zu erinnern.

Der Karl-Jaspers-Preis ehrt Gelehrte, deren Lebenswerke weltweit Anerkennung gefunden haben. Eine herausragende wissenschaftliche Leistung und Persönlichkeit wird durch diesen Preis gewürdigt. Darüber hinaus ist der Preis ein Bekenntnis zur Geschichte Heidelbergs.

Der Laudator wird sich mit dem philosophischen Werk Prof. Theunissens befassen, dies kann nicht meine Aufgabe sein, auch wenn es lohnend ist, sich mit seinen Gedanken zu Kierkegaard zu beschäftigen, die "Revolutionierung unserer Vorstellungen über psychische Normalität und Anomalie" und "den Verlust der Trennschärfe" zwischen beiden, oder die Verzweiflung, die Kierkegaard als die "Krankheit zum Tode", als "Negativität" bezeichnet.

Aus den unendlich vielseitigen Informationen über Ihr Werk hat mich in meiner Verantwortung als Oberbürgermeisterin einer Stadt eine besonders beschäftigt, die sich mit Ihrer Rede aus Anlass der Verleihung des Lucas-Preises in Tübingen an Sie befasst. Sie haben sich dort zuversichtlich geäußert über "die Mehrheit gerade der Jüngeren, .... die sich auf die dunkelste Zeit deutscher Geschichte mit einem Ernst einlässt, den unter uns Älteren nur wenige aufgebracht haben." Und weiter: ...., dass eine Aneignung nicht selbst erlebter Geschichte tatsächlich stattgefunden, den Jüngeren sogar eine Vergangenheit erschlossen hat, die Älteren trotzt Zeitzeugenschaft unzugänglich war". "Dieses aneignende Erinnern müsste also ein schmerzliches sein, sittliche Pflicht gerade angesichts inneren Widerstrebens. Wir sollen erinnern, was wir nicht erinnern wollen."

Diese Aussagen haben Mut gemacht an diesem wichtigen Thema weiter zu arbeiten.

Mit Ihnen, sehr geehrter Herr Professor Theunissen, zeichnen wir also einen Gelehrten aus, dessen Wirken in hervorragender Weise dem Sinn dieser Auszeichnung entspricht. Sie waren von 1971 bis 1980 an der Universität Heidelberg tätig. Sie waren Mitglied im Kuratorium der Forschungsstätte der evangelischen Studiengemeinschaft. Sie haben mit Sozialwissenschaftlern, Psychiatern, Literaturwissenschaftlern und Theologen – um nur einige zu nennen – zusammen gearbeitet und deren Erkenntnisse in Ihre Philosophie eingebunden. Sie haben in unserer Stadt 1978 einen sehr beachteten Kongress zum Thema "Ursachen des Terrorismus" durchgeführt.

Ich freue mich außerordentlich, dass die Wahl auf Sie gefallen ist. Im Namen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sowie des Gemeinderates gratuliere ich Ihnen sehr herzlich!

Rückfragen bitte an
Presse- und Informationsdienst der Stadt Heidelberg,
Amt für Öffentlichkeitsarbeit, Rathaus, Marktplatz 10,
69117 Heidelberg, Telefon 06221/58-12000/ -12010, Telefax 06221/58-12900
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@heidelberg.de, Internet: www.heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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