Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
22. Dezember 2004

Die deutschen Universitäten haben erst jetzt Blut geleckt

2004 war ein entscheidendes Jahr für die Heidelberger Ruperto Carola – Internationale Aufholjagd gestartet – RNZ-Gespräch mit Rektor Peter Hommelhoff

Ministerpräsident Teufel und Rektor Prof. Dr. Hommelhoff vor dem  Heidelberg Center in Santiago de Chile

Auf Hochglanz soll der Name Heidelberg in der ganzen Welt gebracht werden. Kräftig aufpoliert wurde er bereits durch das Heidelberg Center in Santiago de Chile, das Vorbild ist für das kommende "Heidelberg House" in den USA. Wie der gegenwärtige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (rechts), der sich hier mit Rektor Peter Hommelhoff vor das "Heidelberg Center" stellt, soll auch sein voraussichtlicher Nachfolger Günther Oettinger für die internationale Aufholjagd der Ruperto Carola gewonnen werden. Foto: Universität


Herr Prof. Hommelhoff, Anfang 2004 wurde die Debatte um die Eliteuniversitäten in Gang gesetzt, am Ende des Jahres zählt die Ruperto Carola zu den Favoriten in diesem Wettbewerb. Was bedeutet das ausklingende Jahr für die Universität Heidelberg?

Rektor Peter Hommelhoff

Rektor Peter Hommelhoff. Foto: Welker

2004 war ein sehr prägendes Jahr, und es wird im zukünftigen Rückblick wohl als entscheidend angesehen werden. Denn die gesamte Universität stellt sich auf den Elitewettbewerb ein. Hoffentlich kommt Mitte Januar 2005 die grundsätzliche Zusage, dass dieser Wettbewerb auch durchgeführt wird. Dann sind wir bis etwa März bereit, unseren Antrag auf den Weg zu bringen.

Welche konkreten Fortschritte hat die Ruperto Carola 2004 gemacht?

Dazu zählen vor allem das neue Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften und der neue Forschungsverbund Astronomie in Heidelberg, zusammengesetzt aus der Universität samt Landessternwarte und dem bisherigen Institut für Astronomisches Rechnen sowie aus den Max-Planck-Instituten auf dem Königstuhl. Wichtig waren auch die vorzüglichen Ranking-Ergebnisse der Ruperto Carola. Zu nennen sind ferner die Grundsteinlegung der Schwerionenanlage, die Spatenstiche für die Kinderklinik und das neue große Studentenwohnheim an der Südkante des Neuenheimer Feldes. Bedeutsam ist vor allem die Vereinbarung mit dem Finanzminister und der Stadt über die Teilräumung von Bergheim, verbunden mit der Möglichkeit, einen Teil der Erlöse in den Neubau der Frauenklinik zu investieren. So können wir ab Jahresbeginn 2005 den Umbau der alten Krehl-Klinik für Wissenschaftsbereiche aus der Altstadt in Angriff zu nehmen.

Sie haben in diesen Tagen erklärt, dass die Universität Heidelberg in drei Jahren in die Weltliga der Hochschulen vorstoßen will. In weltweiten Rankings liegt sie gegenwärtig etwa auf Rang 50. Wie weit will die Ruperto Carola vorankommen?

In Europa denken wir an die Top Ten, und in der Weltliga sind wohl die 25 besten Hochschulen vertreten.

Aber die Konkurrenten werden sich auch anstrengen.

Gewiss. Aber nach meinem Eindruck haben die deutschen Universitäten jetzt erst richtig Blut geleckt, während andere schon positioniert sind. Die Veränderungen geschehen in Deutschland, und wenn wir jetzt die Kräfte bündeln, haben mehrere Universitäten die Chance, ihre internationale Rolle ganz erheblich zu stärken.

Wenn man von der Weltliga spricht, meint man vor allem die forschungsstärksten Universitäten?

Ganz eindeutig. Die Universitäten werden primär von ihrer Forschung her wahrgenommen. Aber die Verbindung zwischen exzellenter Lehre und exzellenter Forschung bilden die hoffnungsvollen Nachwuchswissenschaftler, für die gerade in Heidelberg ein angemessenes Forschungsumfeld zur Verfügung steht.

Im Hinblick auf die internationale "Aufholjagd" haben Sie ein Strategiepapier vorgelegt – für die nächsten drei Jahre, und diese decken sich mit Ihrer verbleibenden Amtszeit. Ist das Strategiepapier eine "Regierungserklärung" für die kommenden Jahre Ihres Rektorats?

Ganz bestimmt. Aber man muss bescheiden bleiben: Ob wir tatsächlich alle 38 Punkte des Papiers in dieser Zeit verwirklichen werden, ist noch offen. Aber da das Strategiepapier auch von Senat und Universitätsrat mitgetragen wird, ist die Kontinuität auch in einer Periode nach meinem Rektorat gegeben.

Kann es noch verlängert werden?

Der Rektor ist dann 65 Jahre alt.

Wird es nach dem neuen Landeshochschulgesetz überhaupt noch einen Rektor geben?

Nach meiner festen Überzeugung wird der Stuttgarter Gesetzgeber erleben, dass es mit der Veränderung der Namen nicht getan ist; Universitäten sind keine Unternehmen. Die anvisierten Ziele wie eine höhere Professionalisierung oder die Ausrichtung auf den Wettbewerb der Hochschulen werden ja bereits angepackt. Vorstandsvorsitzender zu werden, war nie mein Traum; Rektor dieser Universität zu sein, ist ein Traum.

Und er kann auch in Zukunft geträumt werden?

Ich glaube, dass die Universität Heidelberg immer einen Rektor haben wird. Er wird stets ein Professor oder eine Professorin sein und höchstwahrscheinlich auch Angehöriger dieser Universität. Wo sollen denn die besten Leute herkommen, wenn nicht aus Heidelberg?

Ansonsten begrüßen Sie das neue Landeshochschulgesetz?

Ja. Es bietet uns einen zusätzlichen Gestaltungsspielraum. Insbesondere liegt nun die Berufungszuständigkeit beim Rektorat. Die neu strukturierte Wahl der Universitätsrats- und Rektoratsmitglieder halte ich für grundsätzlich akzeptabel.

Wie sehen Sie den bevorstehenden Ministerpräsidentenwechsel von Erwin Teufel zu Günther Oettinger?

Die Universitäten haben sich unter Erwin Teufel immer sehr gut aufgehoben gefühlt; wir wussten, dass er auf seine Hohen Schulen besonders stolz ist. Der voraussichtlich neue Ministerpräsident hat einige seiner Schwerpunkte genannt, aber die Wissenschaft dabei nicht erwähnt. Allerdings war zu hören, dass er in den Bereichen Wissenschaft und Forschung keine Finanzkürzungen plant. Wir werden uns bemühen, auch den neuen Ministerpräsidenten dafür zu gewinnen, in der bewährten Weise seine Universitäten im politischen Entscheidungsprozess an vorderster Stelle zu positionieren.

In Ihrem Strategiepapier sprechen Sie vom "Kernbestand" der Voll-Universität Heidelberg. Wo liegen die Kernkompetenzen in Naturwissenschaften und Medizin?

Im Zentrum stehen die Lebenswissenschaften, also Medizin und Biowissenschaften. Dies gilt insbesondere auch für die Physik, und der Chemie eröffnen sich wichtige Zukunftsfelder. Außerdem sind wir in der Mathematik sehr gut positioniert. Eigentlich ist das ganze Neuenheimer Feld ein Exzellenz-Cluster. Im Bereich der Medizin versprechen wir uns in Verbindung mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum einen neuen Schub für die Krebstherapie – etwa bei den Projekten Schwerionenanlage und Nationales Tumorzentrum. Hier soll Heidelbergs führende Position weiter ausgebaut werden, denn wir wollen in Europa zu den Top-Adressen zählen. Der Molekularbiologie und ihrer benachbarten Disziplinen erschließen wir durch das neue "Bioquant"-Gebäude eine neue Stufe wissenschaftlicher Exzellenz.

Gerade in den Naturwissenschaften ist die Universität mit der starken Konkurrenz außeruniversitärer Forschungseinrichtungen konfrontiert.

Wir verlieren leider immer wieder hervorragende junge Leute an die Max-Planck-Gesellschaft oder die Helmholtz-Gemeinschaft. Der Elitewettbewerb soll allerdings zusätzliche Mittel für Universitäten zur Verfügung stellen. Und wir haben gegenüber den reinen Forschungseinrichtungen zwei entscheidende Vorteile. Einmal bietet eine Universität die Interdisziplinarität, die ein hochspezialisiertes Max-Planck-Institut nicht leisten kann; zum anderen haben nur wir die jungen Leute für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Es muss in Zukunft zu Kooperationen zwischen hervorragend aufgestellten Universitäten und exzellenten außeruniversitären Forschungseinrichtungen kommen, um in Deutschland den eingerissenen Nachteil der wissenschaftlichen Zersplitterung gegenüber internationalen Konkurrenten zu überwinden.

Wo sind Kernkompetenzen in den Geistes- und Sozialwissenschaften?

Sie liegen vor allem in dem ganzen, sich immer stärker vernetzenden Feld der so genannten kleinen Fächer, zu denen beispielsweise die Ägyptologie oder die Assyriologie, aber auch die Alte Geschichte zählen. Große Bedeutung hat aber auch die Juristische Fakultät.

Für den Technologietransfer von der Universität in die Wirtschaft sind University-Industry Research Centers angedacht.

Wir orientieren uns hier an amerikanischen Strukturen. In den USA betreiben Industrieunternehmen einen Teil ihrer Forschung auf dem Campus – in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Grundlagenforschern. So kann deren Arbeit rasch auf ihre Anwendbarkeit hin überprüft werden. Die gemeinsamen Labore bedeuten mehr als bloßen Technologietransfer: Es geht um breitflächige Interaktionen zwischen Forschung und Anwendung.

In Zukunft soll auch die Graduiertenakademie einen Schwerpunkt bilden.

Sie wird sich aus Doktoranden zusammensetzen, die in Graduierten- oder Promotionskollegs arbeiten oder eine Individualdissertation anfertigen. Die Graduiertenakademie bildet das Dach der universitären Promotionsprogramme. Nach innen wollen wir auf diese Weise den interdisziplinären Austausch fördern, und nach außen soll deutlich werden, dass die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu den zentralen Aktivitäten der Universität Heidelberg zählt. Dieses Projekt soll auch wahrnehmbar werden, zunächst in einer Koordinationsstelle, später nach Möglichkeit in einem attraktiven Gebäude.

In den USA ist ja ein "Heidelberg House" geplant.

Wir möchten den Standort noch nicht endgültig nennen, aber das "Heidelberg House" wird an der amerikanischen Ostküste – außerhalb New Yorks – stehen. Und es soll weitgehend nach den Grundsätzen des "Heidelberg Centers" in Santiago de Chile arbeiten. Wenn alles gut läuft, kann der entsprechende Vertrag in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres abgeschlossen werden.
Heribert Vogt
Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English