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4. November 2004

Wenn der Druckausgleich nicht mehr funktioniert

Seit drei Jahren bietet die Heidelberger Universitäts-Hals-Nasen- Ohren-Klinik eine Tauchersprechstunde an – Kompetente Anlaufstelle nach Unfällen und bei Problemen mit Tauchtauglichkeit

Untersuchung in der Tauchersprechstunde

Untersuchung in der Tauchersprechstunde. Quelle: Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Heidelberg


Vor zehn Jahren waren es noch 300.000; heute sind es schon rund 1.5 Millionen Menschen in Deutschland, die Tauchsport betreiben, wenngleich meist nur gelegentlich. Mit der Entwicklung zum Massensport hat auch die Zahl der Tauchunfälle zugenommen. Außerdem suchen immer mehr passionierte Taucher einen tauchmedizinischen Spezialisten auf, da ihnen gesundheitliche Probleme das Tauchen erschweren oder gar unmöglich machen.

Seit 2001 ist die Tauchersprechstunde der Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Peter Plinkert) eine gefragte Anlaufstelle für Taucher. Knapp 200 Patienten aus ganz Deutschland hat Dr. Christoph Klingmann, Oberarzt an der Klinik und selbst begeisterter langjähriger Tauchlehrer und Taucherarzt mit einer Ausbildung u. a. in einem Marinekrankenhaus in England, bislang betreut.

Stark frequentiert ist auch seine informative Homepage www.tauchersprechstunde.de, seit 2003 im Internet. In diesem Jahr erschienen ist das Buch "Tauchmedizin aktuell", das er zusammen mit Professor Weidauer, dem früheren Ärztlichen Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik, herausgegeben hat. Es enthält Vorträge von Tauchmedizin-Experten des Ersten Heidelberger Tauchmedizin-Symposiums des vergangenen Jahres.

"Der Tauchsport ist eine vergleichsweise sichere Sportart", berichtet Dr. Klingmann. Die Häufigkeit von Tauchunfällen rangiert deutlich unter der von Fußball, Tennis oder Schwimmen. Todesfälle kommen vor, sind aber im Vergleich zur anderen Risikosportarten wie Bergsteigen oder Gleitschirmfliegen sehr selten.

Die meisten Probleme macht die Belüftung des Mittelohrs

Dagegen haben immer mehr Taucher gesundheitliche Probleme. "Rund 80 Prozent der tauchmedizinischen Erkrankungen liegen im HNO-ärztlichen Bereich", sagt Dr. Klingmann. Meist geht es darum, dass das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet wird und die starken Druckunterschiede beim Tauchen nicht mehr bewältigen kann.

So suchte im vergangenen Jahr eine deutsche Tauchlehrerin von den Seychellen die Heidelberger Sprechstunde auf, da sie Probleme mit dem Druckausgleich hatte und Ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnte. Zunächst wurde ausgeschlossen, dass die "Ohrtrompete" (Tube), die röhrenartige Verbindung zwischen Mittelohr und Mund-Rachenraum, die einen Druckausgleich ermöglicht, nicht durch eine chronische Entzündung oder einen Tumor verschlossen ist. Schließlich gelang es, die verschlossene Tube durch besondere Pflege, viel Flüssigkeitszufuhr und einer kurzfristigen medikamentösen Therapie wieder geschmeidig zu machen und offen zuhalten.

Vor allem zwei physikalische Gesetze müssen Taucher aus Sicherheitsgründen beachten: Durch den erhöhten Druck unter Wasser nimmt das Gasvolumen in Mittelohr und Nasennebenhöhlen ab. Während des Abtauchens muss dies durch Einströmen von Luft ausgeglichen werden, vor allem während den ersten Metern unter Wasser. Dazu ist ein funktionierendes Belüftungssystem erforderlich.

Das zweite Problem ist die sogenannte Caisson- oder Dekompressionskrankheit: Stickstoff der Atemluft wird, wie Sauerstoff und andere Gase, im Blut und im Gewebe gelöst. Während Sauerstoff vom Körper verbraucht wird, bleibt Stickstoff im Gewebe. Je tiefer man taucht, um so mehr Stickstoff wird gelöst. Beim Auftauchen muss der Stickstoff wieder Schritt für Schritt abgeatmet werden. Taucht man zu schnell auf, perlt der Stickstoff - ähnlich der Kohlensäure in einer frisch geöffneten Mineralwasserflasche - aus und führt im Blut und dem Gewebe zu Stickstoffbläschen, die z.B. kleine Blutgefäße oder Gewebeteile verstopfen können.

Tauchunfälle werden in der Sauerstoff-Überdruckkammer behandelt

Dann kommt es zu Tauchunfällen, oft mit neurologischen Ausfällen wie bei einem Schlaganfall, die möglichst rasch mit Hilfe einer Sauerstoff-Überdruckbehandlung behandelt werden müssen. In Heidelberg steht eine Überdruckkammer, die mit der HNO-Klinik kooperiert, zur Verfügung. Dr. Klingmann berichtet von einer Frau, die nach einem Tauchurlaub in Ägypten über Gefühlsverluste und Schwäche in den Beinen geklagt hatte und umgehend nach Deutschland zurückkehrte, um tauchmedizinisch versorgt zu werden.

Wer in Freizeit oder Urlaub tauchen will, sollte zunächst feststellen, ob gesundheitliche Probleme zu erwarten sind. Liegt beispielsweise einen Defekt im Trommelfell voll, ist das Tauchen obsolet, da Wasser in das Mittelohr eindringen kann und einen Druckausgleich verhindert. Aber auch häufige Erkrankungen wie Heuschnupfen können - saisonal unterschiedlich und individuell vom Schweregrad abhängig - die Tauchtauglichkeit beeinträchtigen.

Wohin sollten sich Interessenten, die erstmals tauchen wollen, wenden? "Wer einen Tauchkurs machen möchte, sollte zuvor seine Tauchtauglichkeit bei einem qualifizierten Arzt feststellen lassen", erklärt Dr. Klingmann. Die meisten Tauchschulen verlangen ein Attest. Besonders empfehlenswert sind Ärzte, die bei Fortbildungen der Deutschen Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin eine Zusatzqualifikation als Taucherarzt erworben haben.

Die Heidelberger Tauchersprechstunde sieht indes ihren Schwerpunkt nicht bei der Überprüfung der allgemeinen Tauchtauglichkeit. Vielmehr können sich Taucher mit Beschwerden im HNO-Gebiet vorstellen. Aber auch die Behandlung von akuten Tauchunfällen und die Beurteilung der Tauchtauglichkeit nach Tauchunfällen stellt einen Schwerpunkt der Heidelberger Tauchersprechstunde dar. Dadurch ermöglicht das Team in Heidelberg Tauchern, ihr Hobby weiter auszuüben.

Bei Rückfragen:
Dr. med. Christoph Klingmann
Oberarzt der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
E-Mail: Christoph_Klingmann@med.uni-heidelberg.de

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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