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19. November 2004

Sensibler Terror, Tod und Tugend

Theatergruppe "Die Anstifter" spielt "Die Gerechten" von Albert Camus im Romanischen Keller Heidelberg

Wie viele Kinder kommen wohl bei einem Bombenanschlag auf ein öffentliches Transportmittel in heutigen Großstädten ums Leben? In Albert Camus' Stück "Die Gerechten", das 1949 in Paris uraufgeführt wurde, reicht schon die Anwesenheit zweier unschuldiger Kinder aus, um die Pläne von russischen Sozialrevolutionären umzuwerfen. Sie vertreten den Glauben an eine bessere Welt, deren Verwirklichung zwar Opfer fordert, die aber doch nicht jedes Opfer wert ist. Dem didaktischen Drama liegt thematisch ein im Jahre 1905 auf den russischen Großfürsten begangenes Attentat zugrunde.

Auf der spärlich ausgestatteten Bühne des Heidelberger Romanischen Kellers ist der Ort immer noch Russland, und eigentlich tut er nichts zur Sache. Die Zeit könnte auch die unsrige sein, denn hier werden Parteigespräche bei Pizza und Bier geführt. Unter der Regie von Susanne Kröhl verlegt die mehrfach preisgekrönte Theatergruppe "Die Anstifter" die Handlung ins Hier und Jetzt.

Der junge idealistische Terrorist Kaliajew (Matthias Becher) und der hasserfüllte Stepan (Axel Konrad) kämpfen für eine bessere Welt. Ein Zwischenfall, der den perfekten Plan zur Ermordung des Großfürsten vereitelt, lässt jedoch die unterschiedlichen Standpunkte der beiden deutlich werden. Dem einen heiligt der Zweck nicht jedes Mittel. Der andere ist davon überzeugt, dass, um der Revolution zum Sieg zu verhelfen, jeder Mord "gerecht" ist und auch jenes Opfer gebracht werden muss, das mit traurigen Kinderaugen schaut. Boris (Moritz Hemler), Dora (Julia Hermann) und Alexis (Sebastian Stehle) unterstützen die "Schwäche" des "zartfühlenden Mörders".

Eine Revolution "dem Leben zuliebe" hat schon vor 100 Jahren den Tod gebracht. Und wenn Terror als politisches Instrument eingesetzt wird, stellt sich immer noch die Frage, ob wirklich nur die Bombe revolutionär ist. Nicht unbedacht fiel die Wahl der "Anstifter" auf das Drama des französischen Existenzialisten. "Die Gerechten" tragen nicht zum ersten Mal zur aktuellen Diskussion bei. Schon im "deutschen Herbst" oder in der Gewalt-Debatte um Joschka Fischer und die 68er Generation wurde das Stück erneut auf zahlreiche Bühnen gebracht.

Am erschreckendsten an der Sache ist vielleicht, dass der Terrorismus unserer Tage ein neues Gesicht hat: Schwer vorstellbar, dass Selbstmordattentaten hitzige moralische Diskussionen vorausgehen. Die Dimensionen sind andere geworden. War für die russischen Sozialrevolutionäre in Camus' Drama der Tod Unschuldiger noch ein zu umgehendes Hindernis, so scheinen heute Opfer der zivilen Bevölkerung Druckmittel Nummer 1 geworden zu sein.
Christina Hand
Weitere Vorstellungen: 19.-21.11. im Romanischen Keller Heidelberg. Kartentel.: 06221- 180-388 oder karten@theateranstifter.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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