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9. November 2004

Internationaler Ruf durch die Lateinamerikaforschung

Gefragter Berater der praktischen Politik und produktiver Herausgeber: Der Heidelberger Politikwissenschaftler Dieter Nohlen blickt auf ein reiches Berufsleben

Die Heidelberger Ruperto Carola versucht sich seit einigen Jahren, wie fast alle deutschen Universitäten, auf dem internationalen Parkett der Wissenschaften als eine der forschungsintensivsten akademischen Einrichtungen unseres Landes vorteilhaft in Stellung zu bringen. Sie will ihren Nimbus als älteste deutsche Universität, ihre Leistungen, ihre Attraktivität für ausländische Lehrende und Lernende demonstrieren und Schritt für Schritt ausbauen – ein zwingendes Erfordernis im Zeitalter globaler Kommunikation und Vernetzung.

Die Heidelberger Alma Mater mag die Absicht haben, mit ihrem Bestreben die Universität für ausländische Forscher und Studenten attraktiver zu machen und damit etwas Neues auf den Weg zu bringen. Für den Heidelberger Politikwissenschaftler Dieter Nohlen, der mit Ablauf des Wintersemesters 2004/05 emeritiert wird, gehört die Präsenz in der Fachwelt jenseits der Landesgrenzen und dort an exponierter Stellung zur Alltagswirklichkeit eines mehr als dreißigjährigen Berufslebens. Gewiss, Nohlens Wurzeln liegen in der Erforschung parlamentarischer Regierungssysteme sowie unterschiedlicher Wahlsysteme, die er im Rahmen eines Forscherteams um Dolf Sternberger in Heidelberg entscheidend befördert hat. Gewiss ist auch, dass Dieter Nohlen im deutschsprachigen Raum große Verdienste als Herausgeber von Fachlexika- und Handbüchern erworben hat, die seit Jahren immer wieder Neuauflagen erleben. Denken wir nur an das siebenbändige "Lexikon der Politik", an das zweibändige "Lexikon der Politikwissenschaft", an das achtbändige "Handbuch der Dritten Welt" oder neuerdings an das "Lexikon Dritte Welt". Auch auf dem Themenfeld Wahlsysteme hat Nohlen handbuchartige Standardliteratur geschaffen. In der Oxford University Press sind vor wenigen Jahren drei an Masse und Substanz schwergewichtige Bände über Wahlen in Asien und Afrika erschienen.

Drei Ehemalige wurden Botschafter

Seinen internationalen Ruf hat sich Nohlen allerdings durch seine Lateinamerikaforschung erarbeitet. Hier liegt die Werkstätte seiner wissenschaftlichen Leidenschaften, denen er sich mit Augenmaß und ohne Anflüge von Freigeistigem hingibt. Schon die Materialsuche für seine Habilitation über das "sozialistische Experiment" in Chile hat ihn für zwei Jahre nach Santiago geführt. Später hat Nohlen dort Forschungsvorhaben organisiert, junge Mitarbeiter nach Heidelberg geholt, die sich hier am "Institut für Politische Wissenschaft" mit hervorragenden Arbeiten zur lateinamerikanischen Politik qualifizierten und meist, mit diesem Wissens- und Erkenntnistransfer im Gepäck, in ihre Heimatländer zurückgekehrt und oftmals glänzende Karrieren in der politischen Praxis – das erklärte Ziel eines Politikstudenten in dieser Region – durchlaufen. So brachten es drei von Nohlens "Ehemaligen" zu Botschafterposten ihrer Heimatländer. Noch in lebhafter Erinnerung ist die Gründung des Heidelberg Centers in Santiago de Chile, die auf Nohlens Initiative zurückgeht.

Nohlens großes "iberoamerikanisches" Thema spiegelt sich in der Frage, ob für diese Nationen ein eher autoritärer Präsidentialismus, der eine seit der Unabhängigkeit gewachsene historische Größe darstellt, ob Formen des Parlamentarismus, wie sie uns aus der westeuropäisch-nordamerikanischen Tradition her geläufig sind, oder ob eine Mischform von beiden die Funktionsfähigkeit der politischen Institutionen gewährleisten können. Nohlens bevorzugte Arbeitsmethode ist der Vergleich. Dabei werden die einzelnen Systeme nicht nur nach bestimmten theoretisch fixierten Kriterien analysiert; sondern die unterschiedlichen politischen Institutionen werden – ganz im Sinne Max Webers – in Beziehung zu den jeweils unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten gesetzt. Somit sucht diese pragmatisch orientierte "Heidelberger Schule" der vergleichenden Lehre – die "Heidelberg boys", wie sie gelegentlich genannt werden – ein zureichendes Verständnis von Demokratie und Demokratisierungsbemühungen im lateinamerikanischen Raum zu gewinnen. Es war stets Nohlens Anliegen, nicht – wie meist üblich – über die US-amerikanische Diskussion einen Zugang zu lateinamerikanischen Problemen zu finden, sondern mit seiner Präsenz vor Ort selber den Dingen auf den Grund zu gehen.

Nohlen verschanzt sich aber nicht nur im akademischen Elfenbeinturm. Er ist auch ein gefragter Berater der praktischen Politik. Es soll ja nicht eine spritzig formulierte Theorie bewiesen werden, sondern es geht um Wirklichkeitserfassung und reformorientiertes politisches "consulting". Schon in Spanien wurde er in der Transformationsphase nach der Franco-Diktatur zu den Reformdebatten hinzugezogen. Die spanische Übersetzung seines Kompendiums über "Wahlsysteme der Welt" (1981) hat eine beträchtliche Rolle in den lateinamerikanischen Demokratisierungsdebatten gespielt. Eine weitere hervorstechende Beratertätigkeit erwartete ihn in Nicaragua 1984. Die UNO bestimmte ihn in diesem unruhigen Land im Jahre 1990 zum Chefberater der Parlamentswahlen. Gegenwärtig ereilen Nohlen immer wieder Einladungen aus Mexiko, wo er in den Diskussionen um politische Reformen landesverträgliche Ratschläge erteilt. Auf einem international besetzten Forum über die politischen Parteien in Lateinamerika Ende Oktober 2004 an der Georgetown University in Washington D.C. referierte Nohlen als einziger Deutscher. Er ist eng liiert mit dem "Inter-American Institute for Human Rights" in Costa Rica, einer Einrichtung der "Organisation Amerikanischer Staaten".

Schule der "Heidelberg boys"

Nohlens ausgezeichneter Ruf in Lateinamerika zeigt sich unter anderem darin, dass er einer der ganz wenigen europäischen Politikwissenschaftler ist, die auf diesem Kontinent seit Jahren nicht nur zur Kenntnis, sondern auch Ernst genommen werden. Sein Bekanntheitsgrad ist dort außergewöhnlich. Dies wird auch dadurch gefördert, dass Nohlen eigens für den iberoamerikanischen Markt auf spanisch publiziert und nicht, der Bequemlichkeit halber, seine deutschen Texte einfach übersetzen lässt. Nohlens Bücher über Lateinamerika erscheinen in allen lateinamerikanischen Staaten. Ein jüngster großer Wurf bildet der zusammen mit Sonia Picado veranstaltete Band "Tratado de derecho electoral comparado de América Latina" von 1998, ein Handbuch über den Vergleich der Wahlrechtssysteme in Lateinamerika.

Es nimmt daher kein Wunder, dass bei einer solch weitgespannten, aber doch auch sehr konzentrierten Tätigkeit Wissenschaftspreise nicht ausbleiben. Man denke an die Verleihung des Forschungspreises der Max-Planck-Gesellschaft im Jahre 1991 oder an den Preis der Universität Augsburg im Jahre 2000 für Spanien- und Lateinamerikaforschung.
Arno Mohr

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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