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26. November 2004

Er stand auf der Abschussliste der Mafia

Der ehemalige Bürgermeister Palermos, Leoluca Orlando, sprach in der Alten Aula über Zivilcourage

Es sind zwei Fragen, die Leoluca Orlando ein ganzes Leben lang beschäftigt haben: "Wo kommst du her?" und "Was unternimmst du gegen die Mafia?". Auf die erste Frage antwortete er früher zuerst "Italien", auf Nachfrage "Süditalien", und erst zuletzt "Sizilien". Ah, die Mafia, sei immer die erste Reaktion seines Gegenübers gewesen, erzählt Orlando. Heute antwortet er sofort "Sizilien". "Der Name Leoluca stammt aus der Stadt Corleone und Orlando ist ein typisch sizilianischer Namen", sagt er. "Geboren bin ich in Palermo. Ich bin ein Sizilianer. Und ich bin stolz auf meine Identität."

Und der Kampf gegen die Mafia? Als Bürgermeister von Palermo hat Orlando in den 80er und 90er Jahren wie kaum ein anderer gegen Korruption und organisiertes Verbrechen gekämpft, ein Leben unter Polizeischutz in Kauf genommen und versucht, dem Schweigen um die Mafia ein Ende zu bereiten. Eigentlich sollte er in der Alten Aula der Universität einen Vortrag über "Korruptionsbekämpfung und Zivilgesellschaft" halten. Aber Orlando, der zwei Jahre in Heidelberg Jura studierte und die Stadt als seine zweite Heimat bezeichnet, gibt ohne Umschweife zu: "Ich will heute ein bisschen von meinem Leben erzählen."

Wie er seine zukünftige Frau mit einem zweistündigen Vortrag über Kant beeindrucken wollte, erzählt Orlando, wie er mit dem Philosophen Gadamer Geburtstag feierte, und wie er Fidel Castro Tipps für ein Treffen mit dem Papst gab. Vor allem aber: Wie die Mafia sein Leben geprägt hat. Während seiner Schulzeit auf einem Jesuitengymnasium in Palermo hätte er nie von der Mafia gehört. "Unser Direktor sagte: Wir haben nichts mit der Mafia zu tun, also wir müssen nicht darüber reden." Die Mafia, sagt Orlando, brauche nur 200 bewaffnete Männer, aber Millionen gute Menschen, die nicht über sie sprechen wollen.

Deswegen könne der Kampf gegen die Mafia nicht nur mit der Justiz geführt werden. "Es geht um zwei Räder, die sich gleichzeitig drehen müssen. Das eine ist Legalität. Das andere ist Kultur." Wenn die Mafia sizilianische Werte wie Ehre, Familie und Freundschaft pervertiere, nicht nur Menschen, sondern auch Kultur töte, dann helfe dagegen nur, dass sich die Sizilianer ihrer Identität bewusst würden und Zivilcourage zeigten. Nach der Ermordung der Mafiajäger Falcone und Berselino stand Orlando ganz oben auf der Abschussliste der Cosa Nostra (daher der Titel seiner Autobiographie "Ich sollte der Nächste sein").

Daraufhin hätten sich viele Frauen gemeldet und angeboten, dass ihre Kinder in dem gepanzerten Wagen von Orlando mitfahren. "Die Mafia kann einen Menschen töten und auch zehn", sagt Orlando. "Aber sie kann nicht wahllos Frauen und Kinder töten. Die Mafia hat mehr Angst vor Frauen und Kindern als vor den Waffen der Polizei."

Noch sei der Kampf gegen die Mafia nicht gewonnen. Das Schweigen über sie aber, das wenigstens sei gebrochen. "Früher hätte ihnen ein Taxifahrer in Palermo gesagt: Mafia gibt es hier nicht", sagt Orlando. "Heute erzählt er ihnen eine halbe Stunde über die Mafia, bevor er überhaupt 'Guten Tag' sagt."
Fabian Erik Schlüter

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
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