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22. November 2004

Vom Recht des Künstlers auf Krisen

"Links" zwischen Alt und Neu: Komponist Klaus Huber bei der Biennale Heidelberg

Das Ausbrechenwollen, das Überwinden auch der eigenen Grenzen, das sei für ihn, den beinah 80-Jährigen, immer noch das Entscheidende beim Komponieren, wenn es auch in letzter Zeit mehr "Ausbrüche nach Innen" gewesen seien. Klaus Huber, zu Gast bei der Heidelberger Biennale für neue Musik, "Links", verband diesen Impuls mit einem generellen "Leiden an der Zeit" (so der Titel eines Symposiums im Rahmen des Festivals) und bekannte sich zu diesem: Im Gespräch mit dem Musikologen und Herausgeber von Hubers Schriften, Max Nyffeler, sprach er über solche Qualen als dem "Nährboden für musikalische Wagnisse", wie er sie schon in seinem ersten Streichquartett unternommen hatte, das zur Zeit der Kuba-Krise 1962/63 entstand. So sei es auch Ausdruck der damaligen Situation geworden, als man dachte, der finale Weltkrieg stünde bevor. Solche Krisen seien für einen schöpferischen Menschen unerlässlich; Huber forderte gar ein "Recht auf Krisen".

Sein zweites Streichquartett, das den Titel ". . .von Zeit zu Zeit. . ." trägt (1984/85) und das vom Pellegrini-Quartett zur Festival-Eröffnung zu hören war, sei hingegen eher ein Leiden an der Zeit selbst und nähre sich hauptsächlich aus der Erkenntnis, dass nichts geschehe, ohne Konsequenzen nach sich zu ziehen. Er habe, so Huber, kompositorische Folgerungen gezogen aus der Tatsache, dass etwas "erscheine". Probleme der Zeitgestaltung und unterschiedliche Zeit-Strukturen bestimmen das beunruhigende Werk, das von (bewusst) dürrer, um nicht zu sagen ausgedörrter Klanglichkeit ist. Assoziationen an Wüstengegenden sind vielleicht nicht beabsichtigt, aber drängen sich auf. Und so beginnt man beim Hören quasi im Sand zu graben, in der vagen Hoffnung, auf etwas zu stoßen, das versichern könnte, dass wir nicht allein sind auf diesem Planeten. Doch scheint jede gerade freigelegte Ebene sogleich wieder zugeweht vom Sand der Zeit – und die Zukunft bleibt unvorhersehbarer, je tiefer wir zu graben versuchen.

In Hubers Streichquintett mit dem Titel "Ecce homines" (1997/98) ist die kompositorische Auseinandersetzung mit Phänomenen der Zeit greifbarer: Das auch hier wieder hoch konzentriert und klanglich dicht spielende Pellegrini-Quartett, das durch den Bratscher Egidius Streift verstärkt wurde, stellte in der Alten Aula der Universität ein Werk vor, das sich konkret auf Vergangenes bezieht: auf Mozarts g-moll-Quintett. Dieses war denn auch im Anschluss zu hören: Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, es vorweg zu spielen. Nicht wegen des Wiedererkennungseffekts der an ganz wenigen Stellen aufgegriffenen Zitate in Hubers Werk, sondern wegen möglicher klanglicher Korrespondenzen. Denn Huber befasst sich in seinem Quintett nicht nur mit Zeit-Problemen, hier ist auch – nicht zum ersten Mal – der Versuch unternommen worden, aus dem Korsett der gleichschwebenden Stimmung auszubrechen, d.h. die Unterteilung der Oktave in zwölf gleich große Intervalle zu überwinden. Huber drittelt den Ganzton, anstatt ihn – wie üblich – zu halbieren. Moderne " Mikrotonalität" und alte "Mitteltönigkeit" gehen hier eine interessante Verbindung ein. Und dies gibt seinem Quintett eine ganz besondere Komponente, macht den Klang der fünf Streichinstrumente im Unterschied zum Quartett geradezu sinnlich. Das erweiterte Pellegrini-Quartett, dessen zweiter Bratscher das Werk heldenhaft auf nur drei Saiten zu Ende brachte, wusste dies durchaus zu vermitteln.
Matthias Roth

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