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11. November 2004

Helfen mehr Feiertage gegen die "traurige Konjunktur"?

Der Buß- und Bettag sollte die schlechte Wirtschaftslage bessern – Im "Deutschen Rechtswörterbuch" finden sich viele Belege zur wechselvollen Ökonomie Deutschlands

Dr. Heino Speer

Tradition und Hightech sind für moderne Kulturwissenschaftler längst nicht mehr zu trennen. Dr. Heino Speer brachte mit seinem Team die gewaltigen Datenmengen des "Deutschen Rechtswörterbuchs" online.


Im Jahre 1733 gab es in der kleinen Markgrafschaft Baden-Durlach reichlich Grund zu klagen. Denn die Wirtschaft der Region lag darnieder. Die Bauern waren verarmt, die Handwerker ohne Aufträge, und auch die Händler schienen ohne jede Hoffnung – denn niemand hatte das Geld, ihre Waren zu kaufen. Schließlich griff die Obrigkeit zu drastischen Maßnahmen. Denn auch die privilegierten Stände und der Klerus mussten im Angesicht dieses ökonomischen Teufelskreises um ihre Existenz bangen. So forderten sie schließlich streng "die künftige Beobachtung derer seit 1721 an mehreren orten eingegangenen buß- und bet-täge". Diese wieder einzuführen, erschien als ein probates Mittel gegen die allgegenwärtige Misere. Denn nur so fand das Volk wieder genügend Zeit, um für eine Besserung der "traurigen conjuncturen" zu beten. Über die Wirksamkeit dieser Maßnahme wird uns gleichwohl leider nichts berichtet.

Im Mittelalter wurden Gefangene oft grausam behandelt

Im Mittelalter wurden Gefangene oft grausam behandelt. Der Wandel des Menschenbildes durch die Jahrhunderte lässt sich im "Deutschen Rechtswörterbuch" gut nachvollziehen.


Gleich eine ganze Reihe solcher und ähnlicher Überlieferungen finden sich im "Deutschen Rechtswörterbuch", das von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften herausgegeben wird. "Deutschland hatte schon immer ein wechselvolles ökonomisches Schicksal. Und in den Artikeln des Rechtswörterbuchs können wir sehr anschaulich verfolgen, wie unsere Vorfahren über Jahrhunderte hinweg mit der jeweiligen Situation umgingen", weiß Forschungsstellenleiter Dr. Heino Speer zu berichten. Auch das Thema Steuern erweist sich als Dauerbrenner und zeigt, dass die gute alte Zeit – so rosig oft gar nicht war. Sucht man im rückläufigen Wortindex des Rechtswörterbuchs etwa das Stichwort "Steuer", so finden sich nicht weniger als 283 Wortartikel. Viele davon scheinen sogar geeignet, die Phantasie moderner Finanzminister zu beflügeln. 1698 verhängte Preußen zur Sanierung des Staatssäckels die "Perückensteuer", sie war eine der wenigen Abgaben, die bald wieder abgeschafft wurden. Aber auch eine "Fräuleinsteuer", eine "Frühlingssteuer", eine "Himmelssteuer", eine "Honigsteuer" oder eine "Geiersteuer" und viele andere ‚Irregularsteuern' gab es.

Das 1897 ins Leben gerufene "Deutsche Rechtwörterbuch" kann als ein typisches kulturwissenschaftliches Grundlagenforschungsprojekt gelten. Es ist neben dem "Deutschen Wörterbuch" der Gebrüder Grimm die umfassendste Darstellung des deutschen Wortschatzes und seiner Entwicklung. Doch sein Erscheinungsbild hat sich in den letzten Jahren dramatisch gewandelt. "Mussten Forscher, Studenten oder interessierte Laien noch bis vor kurzem mühsam in Bibliotheken nach den Textbelegen im Original suchen oder unsere zehnbändige Druckausgabe durchforsten, so sind wir mit unseren 80.000 Artikeln heute fast vollständig online", so Speer. "Das war eine gewaltige Kraftanstrengung für uns, bei der uns eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft sehr geholfen hat, aber für den Benutzer ist es ein Quantensprung." Die übersichtliche und benutzerfreundliche Gestaltung des Rechtswörterbuchs im Internet ist mittlerweile jedem zugänglich. Und seltene Texte, wie etwa juristische Drucke des 15. und 16. Jahrhunderts, deren Originale kaum zugänglich in den Tiefen der Bibliotheksmagazine aufbewahrt werden, können beim virtuellen Besuch nach Belieben abgerufen werden. Aber auch die systematische Suche nach Themen- und Stichwortkontexten, seien es finanzpolitische, juristische oder kulturgeschichtliche, gestaltet sich mittlerweile einfach. "Die Benutzung des Rechtswörterbuchs im Internet ist komfortabel und kostenlos, daher haben wir von Monat zu Monat immer mehr Nutzer. Täglich registrieren wir mehrere hundert Zugriffe auf unsere Datenbank – und das weltweit", so Speer.

Unter www.deutsches-rechtswoerterbuch.de kann man das Deutsche Rechtswörterbuch im Internet besuchen. Der eingangs erwähnte Text findet sich im Artikel "Observanz".

Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de

sowie
Dr. Heino Speer
Forschungsstelleleiter "Deutsches Rechtswörterbuch"
Telefon: 06221-543270
Fax: 06221-543369
E-Mail: heino.speer@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.deutsches-rechtswoerterbuch.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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