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26. November 2004

Elite darf nicht zur Verarmung "normaler" Unis führen

Deutsch-Französischer Wissenschaftsdialog in Heidelberg – Im Nachbarland gehören die Auserwählten längst zur Normalität

"Die deutschen Partner bekennen sich allmählich zu Eliten, das gewinnt einem Franzosen nur ein Lächeln ab", kommentierte der Generalkonsul von Frankreich Henri Reynaud die Elitediskussion in Deutschland aus französischer Sicht. Anlass dieser Bemerkung des Generalkonsuls war ein Wissenschaftsdialog zum Thema "Eliten in Deutschland und Frankreich" in der Neuen Universität, der von verschiedenen deutschen und französischen Institutionen ausgerichtet wurde.

"In Frankreich redet man gar nicht über Eliten, denn hier besteht eine auf Eliten angelegte Gesellschaft", erläuterte Professor Peter Hommelhoff, Rektor der Ruprecht-Karls-Universität und einer der Referenten dieses Wissenschaftsdialoges. "Die Zeit ist aber überreif, um über Eliten in Deutschland zu sprechen", führte der Rektor der Ruperto Carola weiter aus. Und hierfür sei es natürlich von großem Interesse, wie die Hochschullandschaft im Nachbarland aussehe. Da gibt es die so genannten Grandes Ecoles, wie beispielsweise die Ecole Nationale d'Administration (ENA), an denen nur die Allerbesten studieren dürfen und an denen ein Dozent nur wenige Studenten zu betreuen hat.

Diese Eliteschulen pflegen eine enge Verbindung zu Unternehmen, und es werden zahlreiche Netzwerke für die spätere Karriere gebildet, so Hommelhoff. Es gebe aber auch die normalen Universitäten, wie beispielsweise in Paris, die als Massenuniversitäten zu bezeichnen seien und an denen ein unattraktiver Frontalunterricht stattfände.

Die Situation des Lehrpersonals an einer der Pariser Universitäten schilderte Hommelhoff so: Ein durchaus angesehener Professor im Fach Jura hat ein enges Arbeitszimmer, altes Mobiliar, das schon seine Vorgänger benutzten, ein veraltetes Telefon und dazu keinen Assistenten. Eine Arbeitssituation, wie sie in Deutschland undenkbar wäre.

Die Vor- und Nachteile des französischen Systems zeigte Professor René Lasserre, ehemaliger Präsident der Universität Cergy-Pontoise weiter auf. So bekommen alle Abiturienten in Frankreich zunächst einmal einen Studienplatz ihrer Wahl an den normalen Universitäten. Es wird aber sehr stark unter den Studenten ausgewählt, so dass am Ende des ersten Studienjahres teilweise nur 30 Prozent weiter studieren können. Der Vorteil dieses Systems ist, dass jeder studieren kann. Der Nachteil liegt aber unter anderem in den hohen Kosten, die im ersten Studienjahr für die Universitäten durch die hohe Studentenzahl und die notwendigen Auswahlverfahren anfallen. "Eine Verschwendung", wie sich René Lasserre ausdrückte.

Ganz anders die Situation an den Eliteschulen. Hier wird nur etwa jeder zehnte Bewerber angenommen, so Lasserre, und damit würden die allerbesten Abiturienten eines Jahrganges der Forschung entzogen. Denn an den Eliteschulen findet fast keine Forschung statt. Die Studenten werden für den Staatsdienst und die Industrie ausgebildet. Kritisch sah Lasserre auch, dass diese funktionale Elite der Grandes Ecoles im Staatsdienst schließlich darüber bestimmt, was an den normalen Universitäten geforscht wird, an denen gerade die geistige und wissenschaftliche Elite herangezogen wird.

"Die ENA stand kurz vor ihrer Abschaffung", berichtete Professor Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, und zeigte damit auf, dass die Eliteschulen in Frankreich nicht unumstritten sind.

Auf die möglichen Probleme der Einführung von Elite-Universitäten in Deutschland wies schließlich Professor Joseph Jurt von der Universität Freiburg hin. Denn eine Schaffung von Elite-Universitäten ohne Erhöhung der finanziellen Mittel für alle Hochschulen, würde zu einer Verarmung der "normalen" Universitäten in Deutschland führen. Er befürwortete stattdessen eine Reduzierung des Lehrdeputats für Spitzenforscher an Universitäten, ähnlich wie in den USA. Und schließlich müssten den Forschern in Deutschland auch berufliche Perspektiven nach ihrem 45. Lebensjahr geboten werden, damit deutsche Wissenschaftler nicht über den "großen Teich" abwandern, so Jurt zur Problematik des Wissenschaftsstandortes.
Stefan Zeeh

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