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30. November 2004

Am Anfang gab's noch die "Artistenfakultät"

Mitten in der Altstadt: Die Alte Universität samt Museum über ihre Geschichte – Auch für "Nicht-Akademiker" interessant

Universitätsmuseum in der Grabengasse

In dem Universitätsmuseum in der Grabengasse gibt's viel zu sehen und einiges zu erfahren. Foto: Dagmar Welker


Wer in der Altstadt unterwegs ist, kommt an der Universität nicht vorbei. Doch es mag viele Einheimische geben, die die prunkvolle Alte Aula noch nie von innen gesehen haben. Dagegen gehört sie für viele Touristengruppen zum Programm, die mit einem Ticket auch noch den Besuch des Studentenkarzers und des Universitätsmuseums buchen. Das Museum im Gebäude in der Grabengasse 1 gibt es seit 1996. Ohne allzu tief in die Geschichte einzutauchen, kann ein Rundgang recht amüsant sein.

Da ist zum Beispiel zu erfahren, dass Rektoren nach Gründung der "Ruperto Carola" durch Kurfürst Ruprecht I im Jahr 1386 ihr Amt nur ein Vierteljahr inne hatten und dies zum Teil "unter Androhung einer Geldstrafe" – da es offenbar nicht sicher war, die akademische Einrichtung zu führen. Neben den Fakultäten für Theologie, Jura und Medizin gab es damals die "Artistenfakultät", die die Bereiche Grammatik, Rhetorik und Dialektik umfasste. Grundlage für die artistischen Studien waren die Schriften von Aristoteles, und auch der Gedankenaustausch im Rahmen der "Disputation" spielte eine große Rolle. Im Gründungsjahr der Universität sollen sich übrigens 579 Studenten immatrikuliert und sich der Bestand in den Folgejahren auf durchschnittlich 130 eingependelt haben.

Frauenraub streng untersagt

Stichwort "Studienzeiten": Auf den Ausstellungstafeln ist zu erfahren, dass das Studium der Theologie bis zur Promotion damals zwölf Jahre dauerte. Was wiederum als Grund angeführt wird, dass nur wenige ihre Doktorarbeit ablegten. Bis man in seinem Fach die "licenta docendi", also die Lehrerlaubnis erhielt, gingen in der Regel allerdings auch sechs Jahre ins Land. Die Studenten der Anfangsjahre müssen im Übrigen ein munteres Völkchen gewesen sein. Weshalb man ihnen "nächtliche Straßenaufzüge", oftmals verbunden mit der Schweinejagd durch Altstadtgassen oder den "Frauenraub" streng untersagte. Die erste Reform erlebte die Universität unter Kurfürst Ottheinrich. Der war bekanntlich ein großer Liebhaber von Büchern, die er gern in Kalbsleder binden ließ. Ein geomantisch-astrologisches Schicksalsbuch dieser Ausführung liegt datiert auf "um 1580" in einer der Vitrinen.

Mit der Ansicht der Stiftungsurkunde durch Kurfürst Ruprecht und dem Gründungsprivileg von Papst Urban kann man den Rundgang beginnen, diverse Siegel begutachten und nebenbei erfahren, dass im Gründungsjahr gerade mal ein Theologe und zwei Artistenmagister für die Lehre zuständig waren. Eigene Räume hatte die Universität damals auch noch nicht und wich sogar in Kirchen aus. Einige Jahre später hatten Professoren aber bereits das Privileg von Dienstwohnung, Steuerfreiheit und Sonderzulagen.

Nach der Reform durch Ottheinrich folgten weitere ereignisreiche Jahre samt wechselnden Konfessionen und deutsch-französischem Erbfolgekrieg. Seit dem 1802 war die Universität allerdings "badisch" und erhielt vom Staat eine jährliche Unterstützung in Höhe von 50 000 Gulden. Das 19. Jahrhundert war die Zeit der aufblühenden Naturwissenschaft und des Erfindergeistes. Kirchhoff und Bunsen bastelten damals an der Spektralanalyse. Auch dies ist samt entsprechender Gerätschaften im Museum dokumentiert. Wer bisher nicht wusste, was ein "Myographon" ist, kann ebenfalls dazu lernen. Helmholtz erfand den Apparat, mit dem man die Fortpflanzungsgeschwindigkeit von Nervenreizen und die Zeitabläufe bei Muskelkontraktionen messen konnte. Außerdem entstand damals das Klinikviertel in Bergheim.

Die Weimarer Republik und das Dritte Reich nehmen in der Ausstellung ebenfalls genügend Raum ein. Im Jahr 1929 entstand am Universitätsplatz die "Neue Universität", die auch Jahrzehnte später noch so genannt wird. Nur dass sie zwischendurch statt dem lebendigen Geist dem deutschen Geist gewidmet war. Als erster Nobelpreisträger der Stadt ist der Physiker Philipp Lenard genannt. Den Preis erhielt er im Jahr 1933. Wie der Dokumentation zu entnehmen ist, muss er allerdings ein überzeugter Nationalsozialist gewesen sein.

Professoren-Porträts und Fotos von den zahlreichen Universitätsgebäuden, die seit den fünfziger Jahren vor allem im Neuenheimer Feld entstanden, runden das Bild ab. Unter der Überschrift "Universitätsreformen" sind die Studentenunruhen der sechziger und siebziger Jahre abgehandelt. Drei Fotos und ein ASTA-Flugblatt mussten offenbar genügen. Die letzten aktuellen Fotos zum Studiengeschehen "von heute" stammen aus dem Jahr 1996. Will heißen: Die Universitätsgeschichte müsste eigentlich dringend fortgeschrieben werden. Gleichwohl ist der Museumsbesuch vor allem auch Nicht-Akademikern zu empfehlen, die mehr über die Universitätsstadt Heidelberg erfahren wollen.
kaz

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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