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26. Oktober 2004

Urknall und Universität

Karlheinz Meiers Festvortrag bei der Jahresfeier

Die Gründungsurkunde der Universität Heidelberg aus dem Jahr 1386

Die Gründungsurkunde der Universität Heidelberg aus dem Jahr 1386: Die rekonstruierte Neuanfertigung 2004 von Andrea Popprova aus Prag im Universitätsarchiv Heidelberg ziert das Kalenderblatt 2005 der Ruperto Carola.


"Entscheidungen sind eigentlich alles und nichts", meinte der ehemalige Prorektor und Physiker Karlheinz Meier – während der vergangenen drei Jahren im Heidelberger Rektorat zuständig für Entscheidungssysteme – zu Beginn seines Festvortrags "Wechselwirkungen – oder: Planung und Selbstorganisation einer Universität", den er bei der Jahresfeier der Ruperto Carola hielt. Während seiner Amtszeit bestand Meiers Aufgabe darin, softwarebasierte Systeme zur Verfügung zu stellen, um Entscheidungen zu treffen. Seinem zunächst trocken scheinenden Thema näherte sich Prof. Meier allerdings über einen ungewöhnlichen Einstieg – nämlich mit der "kopernikanischen Wende" vor etwa 450 Jahren.

Im Jahre 1542 veröffentlichte Nikolaus Kopernikus die "Kleinen Kommentare", in denen er die ungeheuerliche Behauptung aufstellte, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums stehe. Diese Schrift hat sicherlich die Weltsicht der Menschen verändert. Und es stellt sich die Frage, ob wir in naher Zukunft vor vergleichbaren Revolutionen in unserem naturwissenschaftlichen Weltbild stehen. Nach Meier ist dies tatsächlich der Fall.

Im Zentrum stehen drei elementare Fragen. Die erste lautet: Was ist das Große? – Wie groß ist das Universum, welche Entwicklung durchläuft es, und wie ist es entstanden? Die zweite Frage zielt auf das Kleine: Woraus sind wir zusammengesetzt, welches sind die Komponenten der Materie, und welche Kräfte halten sie zusammen. Die dritte Frage beschäftigt sich mit dem Komplexen: Wie sind die Strukturen auf der Erde entstanden? Auf diese Fragen hat es während der gesamten Kulturgeschichte immer Reaktionen gegeben. Und Meier vertrat die Ansicht, dass es während der nächsten zehn bis zwanzig Jahre ganz neue und vielleicht auch überraschende Antworten geben wird.

Bei der Erforschung des Großen macht die Astrophysik große Fortschritte, die im technischen Bereich vor allem auf neuen Instrumenten beruhen: auf leistungsstarken Teleskopen, an denen auch Heidelberg an vorderster Front beteiligt ist. Aus diesen Geräten hat sich bereits ein enormer Erkenntnisgewinn ergeben. Heute ist bekannt, dass das Universum vor 14,5 Milliarden Jahren entstanden ist, und es gibt ein Modell, das die Evolution der sichtbaren Materie sinnvoll beschreibt. Es ist allerdings in der Astrophysik auch eine beunruhigende Entwicklung zu beobachten: Durch Teleskop- und Satellitenbeobachtung wurde deutlich, dass das Sichtbare nur einen verschwindend kleinen Anteil des Universums darstellt – den großen Rest, etwa die dunkle Materie oder die dunkle Energie, ist noch rätselhaft. Im Hinblick auf das Kleine gibt es in der Elementarteilchenphysik ein Standardmodell, in dem ebenfalls enorme Fortschritte zu erwarten sind: Gegenwärtig ist am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf ein Gerät im Bau, welches das wohl größte Wissenschaftsprojekt in der Menschheitsgeschichte durchführen soll: Man möchte dort ab 2007 herausfinden, welche weiteren Komponenten zur Struktur der Materie beitragen. Auch hier ist Heidelberg vorn dabei.

Dann zur Komplexität: Etwa der menschliche Körper enthält 100000 Milliarden Zellen, die wiederum unglaublich zahlreiche Informationen enthalten – wie sie sich gebildet haben, ist eine Schlüsselfrage, zu der ebenfalls Fortschritt zu erwarten ist, beispielsweise im Genomprojekt; am Manifest deutscher Gehirnforscher ist abermals Heidelberg stark beteiligt. Insgesamt können die Antworten zu diesen drei Zentralthemen Meier zufolge auf absehbare Zeit zu einer "zweiten kopernikanischen Wende" führen. Denn erstmals zeichnet sich in Umrissen ein konsistentes Bild der Herausbildung von Strukturen in unserem Universum ab – vom Urknall bis zur Biologie. All diese Strukturen sind durch lokale Wechselwirkungen entstanden, nicht im globalen Maßstab, in einem Prozess ohne zentrale Steuerung, also durch Selbstorganisation: So entsteht Komplexität.

Auch eine Universität ist eine komplizierte Struktur aus vielen wechselwirkenden Komponenten. Meier glaubte jedoch nicht, dass sie ein sich selbst organisierendes Universum darstellt: Nötig ist vielmehr eine Hochschulpolitik. Insbesondere bezog sich Meier auf das Impulse-Projekt seit 1998, also auf die dezentrale Ressourcen-Verwaltung auf Institutsebene, die der frühere Prorektor im Rückblick auf seine Amtszeit abschließend durchaus problematisierte.
Heribert Vogt
Rhein-Neckar-Zeitung

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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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