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19. Oktober 2004

Heidelberger Sportpsychologie führend in Deutschland

Druck auf die Athleten wächst immer mehr – Großes Interesse der Öffentlichkeit gerade am Spitzensport – "Trainingsweltmeister" können ihre Leistung im Wettkampf nicht umsetzen – Ihnen hilft das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg

Wie sehr das öffentliche Interesse an sportlichen Höchstleistungen in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat, wurde bei den Olympischen Spielen in Athen wieder einmal nur zu deutlich. Das zeigte sich auch beim Medaillenspiegel, der manchen Kommentatoren wichtiger zu sein schien als die eigentlichen Wettkämpfe. Zugleich wurde aber auch spürbar, welcher Druck inzwischen auf den Athletinnen und Athleten lastet. Alleine der Erfolg zählt – denn dieser stellt die Sponsoren und die Nation vor den Fernsehgeräten gleichermaßen zufrieden.

Dass angesichts solcher Belastungen mentale Hemmnisse eine sportliche Höchstleitung verhindern können, liegt auf der Hand. "Gerne spricht man hier von ‚Trainingsweltmeistern', die außerhalb der Wettkämpfe sehr wohl in der Lage sind, erstklassige Leistungen zu erbringen – jedoch unter den Augen der Stadionbesucher weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben", erklärt Prof. Hans Eberspächer hierzu. Der Heidelberger Wissenschaftler, der sich auf den Bereich des Hochleistungssports spezialisiert hat, ist einer der Pioniere angewandter Sportpsychologie. Er bemüht sich, Sportlerinnen und Sportlern zu helfen, mit dem Druck, der auf ihnen lastet, besser fertig zu werden.

"Hierbei haben wir es jedoch nicht nur mit Trainingsweltmeistern zu tun, sondern beispielsweise auch mit jungen Menschen, denen die Motivation fehlt, wenn sie keinen Sinn mehr in ihrem Sport sehen, oder mit Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Trainer und Athlet oder Trainerin und Athletin." Daneben ist Professor Eberspächer aber auch mit der psychologischen Rehabilitation nach Sportunfällen oder -verletzungen beschäftigt. "Das ist natürlich ein ganz spezielles Feld, stellt solch eine Verletzung doch grundsätzlich ein einschneidendes Erlebnis für einen jungen Menschen dar. Zwar kommt es dabei nicht zwingend zu einer Perspektivlosigkeit – jedoch verändert sich der Sportler durch die Verletzung vor allem mental."

Generell kann man Sportpsychologen letztlich auch als Spezialtrainer bezeichnen, die sich um einen Aspekt des Sports bemühen, der noch immer viel zu sehr vernachlässigt wird. "Eigentlich lassen sich sportliche Erfolge recht einfach erklären – und auf die Formel ‚Material, Körper, Kopf' reduzieren. Das ist natürlich ein reichlich schlichtes Schema – aber es zeigt die wesentlichen Punkte auf. Mit Material meine ich hier beispielsweise entsprechendes Schuhwerk oder moderne Schwimmbecken mit nur leichtem Wellengang – denn erst in diesem Kontext kann ein gut trainierter Körper seine Leistung auch umsetzen. Der dritte Aspekt jedoch – der Kopf – wird leider immer noch zu sehr vernachlässigt. Dabei können mentale Fähigkeiten ebenso trainiert werden wie körperliche – und auch genauso sehr über Sieg oder Niederlage entscheiden." Jedoch wäre es falsch, angesichts dieser Tatsache das körperliche Training gegenüber dem mentalen zu vernachlässigen. "Vielmehr ist eine systematische Verknüpfung notwendig – erst dann kann sich der Erfolg einstellen."

Doch mitunter schützt selbst die beste Vorbereitung nicht vor einem peinlichen Fehler. "Man kann sicherlich mit einem Hürdenläufer mitfühlen, der im Finallauf stolpert, und sein Malheur danach auf jedem Kanal und in jeder Zeitung sieht. Solch ein Erlebnis bekommt man nicht so einfach wieder aus dem Kopf heraus", erklärt Hans Eberspächer, der in diesem Zusammenhang auch auf das Eislauf-Paar Mandy Wetzel und Ingo Steuer verweist. "Die waren in allen Wettbewerben immer nur Zweite – für den Sieg hat es nie gereicht – und das hat die beiden im Lauf der Zeit extrem gehandicapt. Auch hier war das Problem nicht das mangelnde Training oder das schlechte Material – sondern einzig die mentale Sperre, an die wir sehr systematisch herangehen mussten. Letzten Endes jedoch hat sich die Mühe gelohnt – die beiden wurden Ende der 90er Jahr dann doch noch Weltmeister", freut sich Hans Eberspächer.

Natürlich sind es gerade solche Erfolgsergebnisse, die den exzellenten Ruf des Standorts Heidelberg begründen. "Man kann mit Recht sagen, dass wir mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum eine exponierte Stellung einnehmen – quer durch alle Disziplinen." So beraten die Heidelberger Wissenschaftler nicht nur diverse deutsche Sportler, sondern beispielsweise auch den schweizerischen Judo-Bundestrainer. Hans Eberspächer bringt es in diesem Zusammenhang prägnant auf den Punkt: "Wir haben jede Menge Postkarten aus Athen bekommen – und schon das zeigt, dass unsere Arbeit gewürdigt wird."

Gleichwohl sieht er gerade im Vergleich mit anderen Ländern noch große Defizite. "Nationen wie Belgien oder Schweden haben schon früher erkannt, welche Bedeutung die systematische Einbindung der Sportpsychologie haben kann – daran müssen wir uns orientieren." Für den Heidelberger Wissenschaftler ist deshalb klar, wohin die Entwicklung in den kommenden Jahren führen muss. "Die Sportpsychologie muss künftig noch wesentlich besser in die Organisation des Sports eingebunden werden – das zeigt nicht nur die Auswertung der Olympischen Spiele von Athen. Dabei müssen wir jedoch grundsätzlich weg von kurzfristigen ‚Stundeneinsätzen' und hin zu einer systematischen Betreuung über längere Zeiträume. Denn nur dann können wir die Athletinnen und Athleten optimal betreuen." Damit im Kontext "Material, Körper, Kopf" der Kopf künftig nicht mehr zu kurz kommt...

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Hans Eberspächer
Institut für Sport und Sportwissenschaft
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 700
69120 Heidelberg
Tel. 06221 544644
hans.eberspaecher@urz.uni-heidelberg.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


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