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26. Oktober 2004

Seines Glückes Schmied?

"Der Mensch als Akteur in Gesundheit und Krankheit" – Heidelberger Kolloquium startet am 4. November

Das 15. Interdisziplinäre Kolloquium des "Arbeitskreises Wissenschaftlichkeit in der Medizin" an der Heidelberger Medizinischen Fakultät heißt "Der Mensch als Akteur in Gesundheit und Krankheit".

Der Mensch ist nicht nur das Objekt von Genen oder Umwelteinflüssen. Stets sucht er zugleich aktiv Einfluss auf seine Gesundheit und seine Krankheiten zu nehmen. Der Heidelberger Internist Ludolf von Krehl (1861-1937) schrieb 1929: "Der Mensch vermag seine Krankheitsvorgänge zu gestalten durch seinen körperlichen und seelischen Einfluss. Und er ist nicht nur Objekt, sondern stets zugleich Subjekt". Das Kolloquium wird sich sowohl mit den Licht – als auch mit den Schattenseiten dieses Selbstgestaltungswillens beschäftigen.

Zu den Alterungsvorgängen der Frau nach den Wechseljahren zählen Veränderungen an Haut – und Skelettsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Auftreten von hormonabhängigen Tumoren. Die "Anti-Aging-Therapie" nutzt unterschiedliche Therapieansätze wie Hormonbehandlung, Sport und Bewegung, dermatologische Interventionen und Verhaltensänderungen. Mit dem Thema "Anti-Aging: Sinn und Unsinn" eröffnet Prof. Thomas Rabe von der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik am 4. November das Kolloquium.

Im Zusammenhang mit der in Politik, Recht und Ethik diskutierten "Sterbehilfe" wird oft behauptet, es gehe darum, die Selbstbestimmung von Patienten am Lebensende zu stärken. Patientenverfügungen sollten dazu dienen, den Wunsch eines nicht mehr selbst entscheidungsfähigen Patienten nach einer Therapiebegrenzung durchzusetzen. In seinem Vortrag "Autonomie am Lebensende – Realität, Ideal, Illusion?" beschäftigt sich Axel W. Bauer, Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg, am 18. November mit diesem Konzept einer antizipierten Autonomie.

Am 25. November spricht Prof. Georg F. Hoffmann, Geschäftsführender Direktor der Heidelberger Universitäts-Kinderklinik, über das Thema "Diagnostik genetischer Erkrankungen im Neugeborenen-Screening: Persönliche und gesellschaftliche Herausforderungen". Angeborene Stoffwechselkrankheiten sind zwar relativ selten, bedingen aber vor allem im Kindesalter eine erhebliche Morbidität und Mortalität. Bei einer Neuerkrankungsrate von bis zu 1 Prozent für klinisch relevante monogene Erkrankungen werden in Deutschland jährlich bis zu 6000 betroffene Kinder geboren. Neugeborenen-Screening und die mögliche Frühbehandlung von Stoffwechselkrankheiten sind wichtige präventive Maßnahmen. Im Zusammenhang mit dem Thema Präimplantationsdiagnostik wird darüber kontrovers diskutiert. Die Ergebnisse dieser bioethischen Debatte müssen in künftige Konzepte des Neugeborenen-Screenings eingehen.

Epidemiologische Studien konnten belegen, dass körperliche Aktivität mit einer dosisabhängigen Abnahme der Gesamtmortalität sowie der Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist. In seinem Vortrag "Lifestyle und Sport" am 9. Dezember zeigt Prof. Peter Bärtsch, Direktor der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg, dass eine Beziehung zwischen Aktivität und verminderter Sterblichkeit besteht und dass bislang inaktive Personen sowie Kranke von gezieltem Training hinsichtlich Risikoreduktion, Lebensqualität und Prognoseverbesserung am meisten profitieren.

Wie werden Menschen dauerhaft zu Patienten? Oft trägt eine unbewusste, jedoch wirkungsvolle "Gemeinschaftsleistung" von Patient, Angehörigen, Behandlern und sozialrechtlichen Bestimmungen erheblich dazu bei. In seinem Vortrag "Die Chronifizierung von Krankheitskarrieren – eine Gemeinschaftsleistung" wird am 16. Dezember Prof. Jochen Schweitzer, Medizinpsychologe am Universitätsklinikum Heidelberg, diesen Prozess der sozialen Konstruktion chronischer Krankheitskarrieren anhand zweier extrem unterschiedlicher Krankheitsbilder, nämlich der Kopfschmerzen bei Kindern sowie der schizophrenen Psychosen, verdeutlichen.

Wir sind zunehmend reicher an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, die Erkenntnisse wachsen rasant. Doch die Versorgungsforschung zeigt, dass bei den Patienten deutlich mehr Information "ankommen" sollte. In dem Vortrag "Mehr Gesundheit durch Information?" wird am 13. Januar Diplominformatiker Oliver Mast, Geschäftsführer des Instituts für Medizininformatik und Biostatistik in Basel, am Beispiel des Diabetes mellitus darstellen, in wie weit neue Wege der Information hilfreich sein können.

Gesundheitlicher Vorsorge wird in Fachkreisen wie in der Bevölkerung ein besonderer Stellenwert beigemessen. Dazu zählt Bewegung ebenso wie die bekannte "Krebsvorsorge". Die Information über solche Maßnahmen, die zu einem erheblichen Teil außerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung angeboten werden, hat jedoch häufig werbenden Charakter, wodurch sich ein Konflikt mit dem Anspruch auf informiertes Einver-ständnis der Teilnehmer ergibt. Unter dem Titel "To sell or to tell? Präventionseuphorie und Verbraucherschutz" wird Prof. Jürgen Windeler, Stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen in Essen, am 27. Januar dieses Problem kritisch analysieren.

Die sieben Vorträge mit anschließender Diskussion finden jeweils donnerstags von 18.15 bis 19.45 Uhr im Hörsaal der neuen Medizinischen Klinik im Neuenheimer Feld 410 statt. Das Programm kann im Internet unter http://www.wissmed.uni-hd.de/ abgerufen werden.
awb

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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