Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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23. Oktober 2004

Rektor: "Baden-Württemberg hat nichts zu verschenken – vor allem nicht die Leistungsbereitschaft und das Engagement seiner Universitäten"

Hier die Rede von Rektor Prof. Peter Hommelhoff zur Jahresfeier am 23. Oktober 2004 im Wortlaut

Rektor Prof. Peter Hommelhoff

Foto : Rothe


"Lassen Sie sich nicht täuschen: Zwar deutet der Titel des Festvortrages auf Organisationswissenschaftliches hin; aber in Wahrheit steht die Feier der Ruprecht-Karls-Universität zum 619. Jahrestag ihrer Gründung, zu der ich Sie alle namens des Rektorats herzlich begrüße, in Wahrheit steht diese Feier ganz im Banne der Chemie. Das beginnt bereits mit jenen beiden Herren, die ich als künftige Ehrensenatoren willkommen heißen darf: mit Professor Roald Hoffmann, dem weltberühmten Chemiker, und mit Herrn Eirich, der als Fabrikant von Mischersystemen Produkte herstellt, in denen chemische Prozesse ablaufen. Ganz und gar der Chemie zuzuordnen ist auch der andere Höhepunkt der Jahresfeier: die Übergabe der Mitschrift zu Robert Bunsens Vorführungen in seiner Vorlesung "Experimentalchemie" im Sommersemester 1859, zu der Sie, Frau Professor Koenig, zu unser aller herzlichen Freude und gewiss auch zu Ihrer, Herr Präsident Funke von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft, extra aus Kalifornien angereist sind. Wenn ich in diesem Zusammenhang unseren Ehrensenator, Herrn Professor Strube, Aufsichtsratsvorsitzenden der BASF, stellvertretend für alle Ehrensenatoren und Ehrenbürger von Herzen gern begrüße, dann werde ich alles Nähere in einer guten halben Stunde erläutern. Schließlich verdanken wir auch den dritten Höhepunkt der Jahresfeier den Segenskräften der Chemie: die Replik der Gründungsurkunde unserer Universität, deren Übergabe und Präsentation (im Foyer der Alten Aula). Und so versteht es sich schließlich von selbst, dass der neue Prorektor, den ich Ihnen nachher vorstellen darf, Herr Kollege Comba, Professor für Anorganische Chemie ist. – Bei so viel Übergewicht der Chemie bin ich doch recht froh, eine Reihe von Nichtchemikern herzlich begrüßen zu dürfen: die Rektoren Graetz von der Hochschule für Jüdische Studien und Austermann von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Herrn Bürgermeister Dr. Würzner und die Damen und Herren Gemeinderäte, unter ihnen zu unserer besonderen Freude Altdekan Professor Sonntag, Herrn Ehrensenator Dr. Klaus-Georg Hengstberger, den Stifter des heute zum ersten Mal zu verleihenden Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger-Preises, den Vorsitzenden des Heidelberger Universitätsrats, Herrn Dr. Dr. Bettermann, sowie stellvertretend für alle Altrektoren und -prorektoren Professor Siebke, und als Repräsentant der Altkanzler zu unserer ganz großen Freude Gräfin vom Hagen. Seien Sie alle, meine Damen und Herren, herzlich begrüßt.
Rektor Prof. Peter Hommelhoff

Foto : Rothe


I.
Universitäten leben lang und sind dennoch steter Veränderung unterworfen: Neue Professoren, Mitarbeiter, Studierende (von ihnen sind zu diesem Wintersemester mehr als 3.500 neu immatrikuliert worden) und weitere Angehörige kommen hinzu; von anderen muss sich die Universität trennen. Schmerzlich sind die Verluste auf ewig. Ich erinnere an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder, Mitarbeiter und Studierenden der Ruprecht-Karls-Universität und darf Sie bitten, sich zu ihrem Gedenken von Ihren Plätzen zu erheben.

Jeder Verstorbene hat sich an seinem Platz für die Ruperto Carola eingesetzt und verdient gemacht. In Dankbarkeit sollen sie unvergessen bleiben. Mit Ihrer Erlaubnis nenne ich die verstorbenen Hochschullehrer namentlich:
Professor Christian Macholz, Theologische Fakultät
Professor Wolfgang Hardegg, Medizinische Fakultät Heidelberg
Professor Klaus Munk, Medizinische Fakultät Heidelberg
Professor Theobald Nemetschek, Medizinische Fakultät Heidelberg
Professor Günther Quadbeck, Medizinische Fakultät Heidelberg
Professor Dietrich Schönberg, Medizinische Fakultät Heidelberg
Professor Heinz-Harald Hennemann, Fakultät für Klinische Medizin Mannheim
Professor Karl-Heinz Deller, Philosophische Fakultät
Professor Hans-Joachim Arndt, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Frau Professor Ursula Ewald, Fakultät für Chemie und Geowissenschaften
Professor Walter Mayer, Fakultät für Chemie und Geowissenschaften
Professor Karl Otto Münnich, Fakultät für Physik und Astronomie
Sie haben sich zu Ehren der Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben; dafür danke ich Ihnen.

II.
Zur aktuellen Lage der Universität ist durchgehend nur Erfreuliches zu berichten. Das Außenbild, wie es momentan mit bundesweitem Widerhall im "Focus" gezeichnet wird, deckt sich im wesentlichen mit den universitätsinternen Binnenansichten:

1. Die Lebenswissenschaften in der Biologie und in den Grenzbereichen hinüber zur Medizin und zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Raum Heidelberg sind schon jetzt für den europa- und weltweiten Wettbewerb aufgestellt und werden sich in Richtung auf die Physik, Chemie und Mathematik noch weiter vernetzen. Das neue Gebäude "Bioquant", dessen Grundsteinlegung wir in diesen Tagen feiern konnten, signalisiert diesen Aufbruch zu neuen Ufern unübersehbar.

Die im nationalen Spitzenbereich platzierte Medizinische Fakultät Heidelberg macht sich nun ebenfalls auf den Weg, um in der Europa- und Weltliga mitzuspielen. Dazu sollen vor allem die vielfältigen Kooperationen mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum beitragen, wie sie in der neuen Schwerionenanlage, deren Rohbau momentan für alle sichtbar voranschreitet, und im neu zu errichtenden Nationalen Tumorzentrum sinnfällig zum Ausdruck kommen. Zur Stärkung der nationalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit tragen überdies die Klinikneubauten im Neuenheimer Feld bei: die neue Krehl-Klinik und die Neubauten für die Kinder- und die Frauenklinik, die auch ein integriertes Mutter/Kind-Zentrum erlauben werden. Dabei geht es nicht bloß um verbesserte und marktorientierte Patientenversorgung, sondern auch und vornehmlich darum, die Forschungsbedingungen zu verstärken. Deshalb freuen wir uns mit Herrn Ehrensenator Lautenschläger darauf, mit dem Spaten für die Kinderklinik im Dezember zum ersten Mal zustechen zu können, und hoffen zugleich inständig darauf, dass beim Altklinikum Bergheim so hohe Verkaufserlöse anfallen, meine sehr verehrten Damen und Herren Gemeinderäte, dass alsbald die Arbeiten an der Frauenklinik nachfolgen können. Denn ohne einen auskömmlichen Finanzierungsbeitrag aus dem Verkauf Bergheim fällt der ganze Umzug ins Neuenheimer Feld ins Wasser.

Vor wenigen Tagen sind auch die Zukunftsperspektiven für die Fakultät für Klinische Medizin Mannheim nach langem Ringen klarer geworden. Für sie hat der Wissenschaftsminister ein Geschäftsfeld vorgeschlagen, das sich scharfkantig gegenüber dem der Heidelberger Fakultät abgrenzt: Mannheim könnte Studienabschlüsse in Humanmedizin, Medizininformatik und Medizinökonomie anbieten, wobei der Schwerpunkt auf der Lehre und der darauf bezogenen Forschung liegen würde. Mit Blick auf dies ganz eigenständige Geschäftsfeld werde die Fakultät für Klinische Medizin aus der Universität Heidelberg herausgelöst und verselbständigt. – Dies Konzept – vollmundig schon als "dritter Weg" getauft, obwohl es noch in den Universitätsgremien, aber parallel auch in der Politik ergebnisoffen geprüft und beraten werden muss, hat den Vorzug, endlich eindeutige Verhältnisse zu schaffen. Das Rektorat sieht es mit Stolz und Wehmut zugleich: mit Stolz, weil die Aufbauarbeit der Universität Heidelberg die Mannheimer Mediziner nach vierzig Jahren in die Lage versetzt hat, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und mit dem "Mannheimer Modell" mutig eine Innovation auf den Weg zu bringen und zu ertüchtigen, die in der Bundesrepublik bislang einzigartig auch für andere Hochschulmedizinen zum Vorbild werden könnte. Auf der anderen Seite sieht das Rektorat dies Konzept deshalb mit Wehmut, weil damit der Versuch aufgegeben werden muss, die Fakultäten in Heidelberg und Mannheim einander auf einer Ebene anzunähern. Das Unterfangen, im Universitätsklinikum Mannheim wissenschaftsadäquate Leitungsstrukturen zu installieren, muss wohl leider als endgültig gescheitert betrachtet werden. Dennoch möchte ich an dieser Stelle Mannheimer Bürgern herzlich für ihr Engagement danken, mit dem sie versucht haben, die Mannheimer Fakultät innerhalb der Ruprecht-Karls-Universität zu erhalten; mein tiefer und herzlicher Dank gilt namentlich den Herren Dr. Fuchs und Professor Rittershaus.

2. Die Juristische Fakultät hat das Tal der Tränen verlassen und ihr altes hohes Niveau erneut betreten. Die lang anhaltende Wiederbesetzungssperre für nicht weniger als sechs Lehrstühle im Zivilrecht hatte die Fakultät kurz vor den Zusammenbruch geführt. In diesen Tagen konnte der fünfte Lehrstuhl, der des amtierenden Rektors, erneut besetzt werden. Die jungen Kollegen haben die Juristische Fakultät zusammen mit den alten Fahrensleuten sichtbar Fahrt aufnehmen lassen. Die hervorragende Platzierung im Focus-Ranking spricht für sich. Dies gibt Anlass, allen Kollegen in der Juristischen Fakultät für ihre Leistungen in diesen schwierigsten Zeiten herzlich zu danken – an ihrer Spitze Herrn Altdekan Müller-Graff.

3. Schon mehrfach hat sich das Rektorat zu den sogenannten "Kleinen Fächern" als unverzichtbaren Bestandteil der Ruprecht-Karls-Universität bekannt; sie prägen ihr Profil ganz wesentlich mit. Die Prorektoren Chaniotis und Leopold haben dies unlängst gegenüber der Allgemeinheit noch einmal eindrucksvoll bestätigt. Zu diesen "Kleinen Fächern" gehören in Heidelberg auch die "Politologie" und die "Soziologie". Mit ihren je fünf Professuren haben sie es schon schwer, sich gegenüber ihren so erfolgreichen Schwestern in Mannheim abzuheben und zu behaupten. Umso höher ist es zu veranschlagen, dass es in guten Gesprächen zwischen den Fachvertretern und dem Rektorat gelungen ist, innerhalb dieser Fächer die wenigen Kräfte konzeptionell so zusammenzufassen und auf bestimmte Forschungsfelder im Verbund zu konzentrieren, dass diese Fächer (vernetzt mit anderen innerhalb und außerhalb der Universität) nunmehr nach der Überzeugung des Rektorats zum Kernbestand der Ruperto Carola gezählt werden müssen. – Vergleichbar sollen die Geowissenschaften, möglichst im Verbund mit Karlsruhe und vielleicht auch Mannheim, neu strukturiert und konzentriert werden. – Wie erfolgreich gerade die klassischen "Kleinen Fächer" ihre Reorganisation betrieben haben, bekunden sinnfällig das neue Institut für Altertumswissenschaften und das neue ZEGK (Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften). Noch offen ist die Strukturierung der Altphilologie; sie aber ist unverzichtbar, um auch dies Fach in der Universität Heidelberg überlebensfähig zu erhalten.

4. Schließlich einige Worte zur Physik: Diese Fakultät wird in wenigen Tagen die Landessternwarte und das Institut für Astronomisches Rechnen übernehmen, mit der vorhandenen Astrophysik zusammenführen und in einem Department für Astronomie die organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass im Verbund mit den beiden Max-Planck-Instituten auf dem Königstuhl ein "Zentrum für Astronomie Heidelberg" geschaffen wird, das sich in allem mit dem Exzellenzzentrum in München kompetitiv messen kann. Die Beteiligung der Ruprecht-Karls-Universität am weltweit leistungsfähigsten Teleskop in Arizona (jüngst im Fernsehen vorgestellt) und am Mars-Programm der Europäischen Union sind wissenschaftlich verheißungsvolle Perspektiven. Allerdings braucht die Universität dafür vor allem auch die Unterstützung des Finanzministers: Nach dem Modell des Universitätsklinikums mit seinem Umzug von Bergheim ins Neuenheimer Feld möchten wir dort den zweiten Bauabschnitt der Physik errichten und diesen aus Verkaufserlösen rechts des Neckars finanzieren, um das alte Physikgebäude am Philosophenweg künftig nur noch für das Astronomiedepartment und -zentrum sowie für die Theoretische Physik zu nutzen. Mit alledem will sich unsere so großartig platzierte Physik weltweit wahrnehmbar dem Wettbewerb stellen. Darum wird auch das Rektorat werben und kämpfen.

5. Schon mit diesen Einzelbeispielen hoffe ich belegt zu haben, dass sich die Universität Heidelberg auf ihren Lorbeeren nicht ausruhen will, sondern ihre Spitzenposition nutzen wird, um in Europa und dann auch im Weltmaßstab zur Spitzengruppe aufzuschließen. Die Fächer kennen ihre benchmarks, vor allem die jenseits des Kanals und die jenseits des Atlantiks. Über fesselnde Vorschriften und fehlendes Geld haben wir lange genug gejammert; wir dürfen uns nicht länger entmutigen oder gar lähmen lassen. Vielmehr gilt es nun, Konzepte zu entwickeln und mit den vorhandenen Mitteln, soweit möglich umzusetzen; erst dann sind unsere Forderungen nach mehr Autonomie und nach mehr Geld (vom Staat, von Dritten und von den Studierenden) wahrhaft glaubwürdig.

Hierfür sind die Voraussetzungen gerade in Heidelberg hervorragend: Die Universität ist umgeben von hochinteressanten Kooperationspartnern – von den außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor Ort wie DKFZ und EMBL, aber auch von Hochschulen zwischen Karlsruhe und Darmstadt. Mit diesen Kooperationspartnern können wir einen Wissenschaftsraum formen, der weltweit wie die Boston- oder die Bay-Area wahrgenommen wird: die Heidelberg-Area. Was die Ruprecht-Karls-Universität dazu beitragen könnte, ist in einem umfassenden Strategiepapier niedergelegt, über das der Universitätsrat in wenigen Tagen abschließend befinden wird. In diesem Strategiepapier sind mehr als sechzig Einzelmaßnahmen niedergelegt; an ihrer Umsetzung bis zum Jahre 2007 wird sich das amtierende Rektorat messen lassen müssen und will dies auch.

III.
Vor diesem Hintergrund versteht es sich, meine sehr verehrten Damen und Herren, dass sich die Universität Heidelberg am Elitewettbewerb, den Bund und Länder ausrufen wollen, beteiligen wird.

1. In die erste Wettbewerbsstufe der strukturierten Promotionsphase werden wir mit vier Kollegzentren gehen, die die zahlreich bereits in Heidelberg vorhandenen Graduiertenkollegs, namentlich die kooperativen mit EMBL, DKFZ und dem Max-Planck-Institut für Astrophysik zusammenfassen und mit neuen zusätzlichen Weiterbildungselementen anreichern werden. Über den vier Kollegzentren wird das gemeinsame Dach einer Graduiertenakademie errichtet, wie es uns die Universität Würzburg schon vorgeführt hat. – Daneben wird sich die Ruprecht-Karls-Universität auf der ersten Wettbewerbsstufe mit neuen Wissenschaftsverbindungen beteiligen: bestimmt mit dem Zentrum für Astronomie Heidelberg, vielleicht aber zusätzlich mit einem neuen Netzwerk "Biophysikalische Chemie" und mit einem neuen "Deutschen Zentrum für Alternsforschung" in Heidelberg. Diese Projekte sind in vollem Lauf.

Für die zweite Wettbewerbsstufe liegen der Koordinierungsgruppe siebzig Einzelprojekte vor. Sie werden nach ihrer Sichtung verbunden werden müssen mit neuen Wissenschafts-, namentlich Kompetenz- und Entscheidungsstrukturen. Hierfür hat die Universität schon in der Vergangenheit mit dem Budgetierungsmodell samt dezentraler Ressourcendisposition, mit der Rechnungslegung nach kaufmännischen Grundsätzen und mit dem Rektoratscontrolling, das gerade eingerichtet wird, selbst gute Voraussetzungen geschaffen. Diese werden nun weiter auszubauen sein, damit Heidelberg seine Aktivitäten in Forschung und Lehre möglichst erfolgreich in den weltweiten Wettbewerb einbringen kann. Denn das muss das erste und vordringliche Ziel eines deutschen Elitewettbewerbs sein: zusätzliche Mittel zu erringen, um auf mittlere Sicht betrachtet in die Weltspitzengruppe der Universitäten vorstoßen und sich dort auf Dauer behaupten zu können. Nachhaltigkeit, nicht Strohfeuer ist die Devise.

2. Umso wichtiger ist es, dass dieser Elitewettbewerb tatsächlich ausgerufen und durchgeführt wird. Um ihn ist es in letzter Zeit verdächtig still geworden, nachdem einige Ministerpräsidenten die Hochschulpolitik als Spielball im Föderalismusstreit entdeckt hatten. Es mag ja sein, dass die Universität Kassel keine Chance hat, im Elitewettbewerb die Palme zu erringen. Aber das spricht nicht gegen den Elitewettbewerb; ihn sollten (in Abstimmung mit einer respektvollen Bundesregierung) jene Ministerpräsidenten kraftvoll einfordern, die für die Universitäten in München, Bonn und Aachen die politische Verantwortung tragen, vor allem aber jener Ministerpräsident, der mit sieben Landesuniversitäten unter den führenden zwölf Universitäten in Deutschland die Früchte einer klugen, ausgewogenen, andauernden und erfolgreichen Hochschulpolitik einfahren kann. Baden-Württemberg hat nichts zu verschenken; vor allem nicht die Leistungsbereitschaft und das Engagement seiner sämtlichen Universitäten.

IV.
Zu berichten gäbe es, meine sehr verehrten Damen und Herren, an diesem Tag noch vieles: zum guten Verhältnis der Ruperto Carola zur Stadt Heidelberg und zum offenen, aber nicht konfliktlosen zur Stadt Mannheim, zum ganz unbefriedigenden Verhältnis zur Zukunftsinitiative Rhein/Neckar und zum hervorragend ausbaufähigen zur umgebenden Wirtschaft. – Berichten könnte ich Ihnen überdies zum kommenden Landeshochschulgesetz, zu den konstruktiven Beratungen mit dem Wissenschaftsministerium und dem Landtag, von dem wir hoffen, dass er nun in der letzten Gesetzgebungsphase noch jene wenigen Hürden abbaut, die effektiver Hochschulautonomie entgegenstehen. Und mit einem eigenen Vortrag könnte ich Sie von der Notwendigkeit zu überzeugen versuchen, auf der Landesebene Hochschulpolitik glaubwürdig mit der Finanzpolitik zu verknüpfen. Aber mit alledem möchte ich Sie verschonen, um in der letzten Minute zu den ersten Anfängen der Ruprecht-Karls-Universität zurückzukehren zum Gründungsjahr 1386.

Denn wir haben die ganz große Freude, die Gründungsurkunde der Universität Heidelberg in einer überaus wohl gelungenen Replik bewundern zu können. Auf Initiative unseres Archivdirektors Dr. Moritz, dem ich im Namen der Ruperto Carola für diese Idee in aller Öffentlichkeit von Herzen danken möchte, hat Frau Popprova aus Prag, die wir hier in der Alten Aula herzlich begrüßen dürfen, in Ausnutzung ihres bewundernswerten Könnens als Restauratorin ein Duplikat der leider verblichenen Gründungsurkunde geschaffen, das dem Original zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie werden dies Schmuckstück draußen vor der Alten Aula nachher bewundern können. Um aber den anschließenden Empfang nicht ungebührlich zu verzögern, habe ich die Freude, Ihnen ankündigen zu können, dass am Ausgang der Empfangsräume die Damen der Pressestelle jedem von Ihnen das neue Kalenderblatt 2005 mit der neu geschaffenen Gründungsurkunde aushändigen werden. Hierfür haben wir der Firma "Heidelberger Druckmaschinen" herzlich zu danken. Lieber Herr Professor Kipphan, bitte übermitteln Sie unser aller Dank auch Herrn Schreier, der heute leider nicht dabei sein kann. Und von Ihnen, lieber Herr Dr. Moritz, erhoffe und erbitte ich, dass Sie uns allen näher über die Gründungsurkunde und ihre Restauration demnächst berichten werden.

So schließt sich heute der Kreis von der Gründung der Universität Heidelberg zur Gegenwart der Ruperto Carola. Möge diese wunderbare Universität mit all' Ihrer Kraft, liebe Universitäts- angehörige, und mit Ihrer wohlwollenden Unterstützung, meine sehr verehrten Damen und Herren, auf ihrem Weg nach vorn ein großes, ein entscheidendes Stück vorankommen."

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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