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11. Oktober 2004

50 Lux für Hölderlins Ode an Heidelberg

Kurpfälzisches Museum: Sonderausstellung mit Dichter-Devotionalien

Jean Pauls Locke

Wenn ein Dichter Haare lassen muss: Jean Pauls Locke, inventarisiert vom Schloss-Retter und Sammler Charles de Graimberg. Foto : Dagmar Welker


Das Allerheiligste wird im Allerheiligsten präsentiert. Für die Sonderausstellung "Und dir schenken ein kunstlos Lied' – Dichter auf der Durchreise", die das Kurpfälzische Museum Heidelberg zusammen mit der Universitätsbibliothek im Rahmen der Baden-Württembergischen Literaturtage veranstaltet, wurde Friedrich Hölderlins Entwurf seiner Heidelberg-Ode aus dem schützenden Dunkel des Archivs in den Riemenschneider-Raum geholt.

Die beiden Blätter – das erste aus dem Besitz des Museums, das zweite kam als Leihgabe aus Stuttgart – vertragen aus konservatorischen Gründen nicht mehr als 50 Lux. Und selbst diese nur funzelnde Lichtstärke ist über längere Zeit schädlich, weshalb die Vitrine mit einem grauen Tuch abgedeckt werden kann. Das erhöht die Aura dieses spätestens im Frühjahr 1798 verfassten Schatzes, der dem Haus während der Umbaumaßnahmen Ende der 1980er Jahre beinahe auf Dauer abhanden gekommen wäre: Unbemerkt habe ihn ein Arbeiter stehlen können, wie Heidelbergs Kulturbürgermeister Dr. Jürgen Beß und Museums-Chef Dr. Frieder Hepp während der Ausstellungs-Eröffnung erzählten.

Der Dieb habe die Ode seiner Angebeteten geschenkt, doch glücklicherweise tauchte die Hölderlin-Reliquie wieder auf, so dass es nun weiterhin möglich ist, den Entstehungsprozess der ersten sieben (von insgesamt zehn) Strophen anhand des Originals nachzuverfolgen. Mehrfach hat der Dichter den Text sowohl mit Tinte und Bleistift überarbeitet. In derselben Vitrine ist neben der Handschrift auch der Erstdruck der Ode zusehen, veröffentlicht in der Schrift "Aglaia", einem "Jahrbuch für Frauenzimmer auf 1801". Von dem insgesamt acht Mal durch Heidelberg reisenden Goethe wird als wichtigstes Zeugnis der von Marianne von Willemer inspirierte "West-östliche Divan" aus dem Besitz der UB präsentiert, desgleichen seine 1806 gedruckte Rezension des ersten "Wunderhorn"-Bandes von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Dass die Erstausgaben der drei "Wunderhorn"-Bände selbst Teil der Studio-Ausstellung sind, ist fast eine Selbstverständlichkeit. Um so überraschender erscheinen dafür andere Exponate wie zum Beispiel das Matrikel-Buch der Universität, in das 1807 die beiden Brüder Wilhelm und Joseph von Eichendorff eingeschrieben wurden. Ein paar Zeilen darüber findet sich ein gewisser Ludwig Baruch, wenige Jahre später bekannt geworden unter seinem Literaten-Namen Ludwig Börne. Das Original des Matrikel-Buchs kann in der Ausstellung übrigens nur 14 Tage begutachtet werden, später wird es durch eine Kopie ersetzt – aus Rücksicht auf die verblassende Tinte.

Komplettiert wird die kleine Schau über die für Heidelberg und die Weltliteratur so bedeutende Phase um 1800 durch weitere Zimelien und Zeugnisse von Joseph Görres sowie von dem einst schwärmerisch verehrten Jean Paul, von dem unter anderem eine Locke präsentiert wird. Devotionalien dieser Art waren während der Romantik und danach besonders begehrt. Zeitweilig musste sogar Jean Pauls Hund Alert Haare lassen, wie der Dichter 1817 an seine Frau schrieb...

Es menschelt also auch in dieser Studio-Ausstellung. Hohe Literatur und feiner Humor gehören sowieso zusammen. Davon konnte man sich bei der Ausstellungs-Eröffnung auch anhand der launigen Eichendorff-Variationen des Liedermachers und Kabarettisten Bernhard Bentgens überzeugen.
Volker Oesterreich
Rhein-Neckar-Zeitung

Kurpfälzisches Museum, bis 14. November.
Katalog (Verlag Regionalkultur): 9,80 Euro.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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