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13. Oktober 2004

"Binde mich ein, und ich werde verstehen"

Jugendliche auf den Spuren der Wissenschaft – In Heidelberg gibt es mit dem Explo, dem Lernlabor und dem Life-Science Lab gute Adressen

Die Geschichte hört sich tückisch einfach an. Bei Juwelier Klunker hat es einen Einbruch gegeben. Der Täter hat sich an einer zerbrochenen Scheibe geschnitten, und die Polizei konnte Blutspuren sicherstellen. Jetzt wurde der Kleinkriminelle Egon Waldemar beim Verkauf eines Brillantringes aus der Beute verhaftet. Er leugnet die Tat aber beharrlich und sagt, er habe den Ring von seinem ehemaligen Zellengenossen Erwin Schmank erhalten. Wer hat Recht? Da muss ein DNA-Test her, weiß jeder Krimileser.

Wie das geht, können Schulklassen der Mittelstufe im Lernlabor des Explo im Neuenheimer Feld 582 seit Beginn des Jahres selbst herausbekommen. Dr. Thomas Wendt, Biologe und Projektleiter des Lernlabors, hat sich für sein Labor so richtig spannende Aufgaben aus dem Leben herausgepickt, wie eben die von Egon Waldemar und Erwin Schmank.

An diesem Vormittag wagen sich drei Journalistinnen im Labor an Mikropipette, Reagenzgläschen und Co. "Polymerasekettenreaktion" nennt sich diese Möglichkeit, kleinste Mengen von DNA so massiv zu vermehren, dass sie vergleichbar sind. Die DNA des Blutes und der beiden Tatverdächtigen ist bereits isoliert. Jetzt geht es darum zu ermitteln, von wem das Blut des Täters stammt. Die Mengen sind wirklich winzig und müssen abgemessen, gemischt und geschüttelt werden, bis der "Cycler" in insgesamt 30 Zyklen das Ganze erhitzt und wieder abkühlt, so dass am Ende eine Milliarde Kopien der ursprünglichen DNA vorliegen. Das Ergebnis ist eindeutig. Erwin Schmank war's.

Doch damit nicht genug. Experiment Nummer zwei ist eigentlich noch faszinierender. Wir vervielfältigen uns unsere eigene DNA. Dazu wird mit einem kleinen Bürstchen ein bisschen Mundschleimhaut aus der Backe geholt und in ein Reaktionsgefäß gegeben. Dazu kommen dann noch etliche "Zutaten", damit sich die DNA auch schön vermehrt.

Am Ende werden die etwas unscheinbaren Schlieren dann in einen Glasanhänger gefüllt und mit Sekundenkleber verschlossen, so dass jetzt jeder seine persönliche DNA um den Hals tragen kann. Ein bisschen erstaunlich ist es freilich schon, dass in dem kleinen Knäuel, die ganze Erbinformationen stecken soll. Solche Einblicke in die Wissenschaft gibt es im Explo und im Life-Science Lab zuhauf. Zu Grunde liegen der Idee Worte des chinesischen Philosophen Lao Tse: "Erzähle mir, und ich werde vergessen. Zeige mir, und ich werde mich erinnern. Binde mich ein, und ich werde verstehen."

Während im Explo, das unter städtischer Regie steht, die ungewöhnliche Wissensvermittlung im Mittelpunkt steht, geht das Life-Science Lab einen Schritt weiter. Naturwissenschaftlich besonders interessierte Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 können sich in diesem Schülerlabor des Deutschen Krebsforschungszentrums bewerben. In den erlesenen Kreis zu kommen, ist nicht ganz einfach. Meistens übersteigt die Zahl der Bewerber die Zahl der knapp 70 Plätze pro Jahr bei weitem. Deshalb muss jeder ein Auswahlverfahren bestehen. Wichtig sind dabei nicht Schulnoten, sondern die Bereitschaft, selbst etwas tun zu wollen, beschreibt Dr. Thomas Schutz. Er ist Geschäftsführer des Life-Science Lab.

Bei den Absolventen, so das Ziel, sollen Lern- und Beurteilungsfähigkeit herangebildet werden. Das geschieht in selbst organisierenden Arbeitsgruppen, die ein ungemein breites Spektrum von der Philosophie, über die Neurobiologie bis hin zur Physik haben. Die jungen Frauen und Männer bestimmen dabei Ort, Zeit und Inhalt selbst. Unterstützt wird jede Gruppe von einem Wissenschaftler, einem Lehrer und einem Studierenden. Zusätzlich gibt es immer freitags um 17 Uhr Vorträge zur "Faszination Wissenschaft", Wochenendseminare und auch noch internationale Ferienakademien.

Die Teilnahme ist zu jeder Zeit freiwillig. Wer einmal aufgenommen wurde, kann bis zum Abitur mitmachen. Wer mag, kann danach seine Erfahrungen als studentischer Mentor zurückgeben. Das dürfte bei Christoph Fischer der Fall sein. Der Abiturient war zwei Jahre im Life-Science Lab aktiv und reiste im August vier Wochen lang nach San Francisco. Nichts Besonderes? Oh, doch. Er und seine Mitreisenden waren nämlich nicht auf Touristentour, sondern verbrachten den Monat in den Forschungslabors von Berkeley und Stanford. Das zu organisieren, war gar nicht so schwierig. Selbst bei renommierten Professoren war der neugierige Nachwuchs aus "good old Germany" hoch willkommen.
Kirsten Baumbusch

INFO: Explo Heidelberg,
Im Neuenheimer Feld 582,
Telefon 06221 7282346, www.explo-heidelberg.de;
Heidelberger Life-Science Lab,
Im Neuenheimer Feld 582,
Telefon 06221 421400. www.life-science-lab.de

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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