Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
12. Oktober 2004

Die Zukunft der Biowissenschaften

750 Teilnehmer aus 37 Ländern bei der fünften "Internationalen Konferenz für Systembiologie"

Wie sieht eigentlich die Zukunft der Biowissenschaften aus, nachdem das menschliche Genom vor einigen Jahren entschlüsselt wurde? Auf diese Frage gibt die derzeit in Heidelberg stattfindende fünfte "Internationale Konferenz für Systembiologie" mit etwa 750 Teilnehmern aus 37 Ländern eine Antwort. In einem Pressegespräch anlässlich dieser Tagung erläuterten führende Wissenschaftler von Hochschule und Industrie die zukünftigen Projekte in den Biowissenschaften, speziell in der so genannten Systembiologie.

"Die Systembiologie stellt die logische Konsequenz aus der Genomforschung dar", so Professor Roland Eils, Professor am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg und Abteilungsleiter am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Denn auch nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist es durchaus nicht so, dass damit ein Schlüssel vorhanden wäre, der es etwa ermöglicht, defekte Teile zu identifizieren und durch deren Austausch das Gesamtsystem zu reparieren. Vielmehr wird der menschliche Organismus durch Tausende biochemischer Reaktionen, die alle miteinander vernetzt sind, gesteuert und am Leben erhalten.

Um ein derart komplexes System wie das höherer Organismen dennoch beschreiben zu können, wurde die Systembiologie entwickelt. Hierbei werden zunächst Daten aus Experimenten zu den verschiedenen komplexen biologischen Prozessen gewonnen. Aus diesen Daten werden dann am Computer Modelle einzelner Zellen, Zellverbänden oder von ganzen Organen erstellt. Hierfür arbeiten Biologen, Mathematiker, Physiker und Ingenieurwissenschaftler eng zusammen.

Die ersten Erfolge gibt es schon zu verzeichnen. So wurde von einer Arbeitsgruppe um Professor Denis Noble von der Universität Oxford ein Computer-Modell des Herzens erstellt, mit dessen Hilfe neue Medikamente entwickelt wurden. Dabei wird aber nicht nur dem Computer vertraut, erklärte Professor Dieter Oesterhelt vom Max-Planck Institut für Biochemie in Martinsried. Die Ergebnisse aus dem Computer-Modell werden im Labor überprüft; und gegebenenfalls wird das Modell entsprechend abgeändert, denn die experimentellen Daten stellen schließlich die Grundlage dar.

Eine zukünftige Anwendung der Systembiologie zeigte Professor Hans Westerhoff vom Biozentrum in Amsterdam auf. Es gibt Substanzen, die beispielsweise bei 70 Prozent der Patienten eine sehr gute, heilende Wirkung ausüben. Bei den anderen 30 Prozent allerdings treten schwere Nebenwirkungen auf, die sogar zum Tode führen können. Deshalb können solche Substanzen als Medikament nicht auf den Markt kommen, obwohl 70 Prozent der Patienten damit geheilt werden könnten. Eine Aufgabe der Systembiologie wird es nun sein herauszufinden, warum die übrigen 30 Prozent die Substanz nicht vertragen. Dann wäre es möglich; diese Substanz als Medikament einzusetzen, indem vorab geklärt wird, ob der Patient der Risikogruppe angehört oder nicht.

Bis es so weit kommt, wird jedoch noch eine Menge Forschung notwendig sein. In das Programm "Systeme des Lebens – Systembiologie" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) werden in den nächsten fünf Jahren 50 Millionen Euro investiert. Hierfür hat man sich speziell die Leberzellen ausgesucht, die am Computer modellhaft nachgebildet werden sollen. Bis aber die gesamte Leber als Computer-Modell vorliegt, werden noch 15 bis 20 Jahre in Land gehen, erklärte Dieter Oesterhelt. Insgesamt wird auch in Heidelberg die zukünftige Fachrichtung Systembiologie stark vertreten sein, nicht zuletzt, wie Roland Eils betonte, auch durch den Neubau des Bioquant Gebäudes, dessen Grundsteinlegung in der letzten Woche erfolgte (die RNZ berichtete) und in dem die Systembiologen einziehen werden.
Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English