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23. Oktober 2004

"Dürfen Universitätsräte träumen?"

Grußwort des Vorsitzenden des Universitätsrats Dr. Dr. Peter Bettermann anlässlich der Jahresfeier der Ruperto Carola

Universitätsrat Dr. Dr. Peter Bettermann

Foto : Rothe


"Hier stehe ich nun an diesem schönen Herbst-Samstagmorgen und darf Ihnen Grußworte überbringen als Vorsitzender des Universitätsrats. Was tun also?

Grußworte sollen kurz sein und Sie erwarten zu Recht nicht nur einige formal korrekte Sätze, sondern auch einen gescheiten Inhalt. Lassen Sie mich Ihnen einen Vorschlag machen: Wir beschäftigen uns heute Morgen nur mit einer einzigen, recht romantisch klingenden Frage, nämlich: "Dürfen Universitätsräte träumen?"

Zur Beantwortung dieser Frage muss man bei logischem Vorgehen zunächst untersuchen, was Universitätsräte denn überhaupt sollen: Da wird zunächst die Meinung vertreten, der Universitätsrat sei sozusagen das Aufsichtsratspendant zu Wirtschaftsunternehmen. Diese Auffassung scheint mir zum einen insofern reichlich gewagt, als eine Universität nun mal kein Wirtschaftsunternehmen ist; Gewinnerzielung und Gewinnmaximierung sind die Primärziele der allermeisten Wirtschaftsunternehmen, nicht jedoch die von Universitäten. Aber selbst wenn man die Analogie zuließe, stünde die Aufsichtsfunktion nicht im Vordergrund. Sie tut dies nämlich auch bei den Aufsichtsräten gut geführter Wirtschaftsunternehmen nicht, selbst wenn die "belle de jour" des Gesellschaftsrechts mit Namen "Corporate Governance" dies suggeriert.

In einem gut geführten Aufsichtsrat in der Wirtschaft übernehmen vielmehr der Revisionsausschuss in enger Zusammenarbeit mit dem externen Wirtschaftsprüfer, der Innenrevision und dem Vorstand die Überwachungsaufgaben. Diese Überwachungsaufgaben sind notwendiges Übel (sprich: Aufwand), aber nicht mehr als eine Eintrittskarte ins Geschäft. Zum wirtschaftlichen Erfolg tragen diese Überwachungsfunktionen recht wenig bei.

Die entscheidend wichtige Funktion guter Aufsichtsräte liegt nicht im ersten Teil dieses zusammengesetzten Wortes begründet, sondern im letzten: "Räte", und d. h. nichts anderes als Beratung. Ein guter Aufsichtsrat berät den Vorstand, d. h. er setzt seine oft größere und umfangreichere Erfahrung gegenüber dem Vorstand ein, um den in der Wirtschaft entscheidend wichtigen Aspekt Risikoabwägung zu vernünftiger Balance zwischen Wagnis und Wachstum einerseits und Vorsicht und Konsolidierung/Bestandswahrung andererseits zu schaffen.

Der Aufsichtsrat eines Unternehmens sollte daher (jedenfalls in einem gut geführten Unternehmen) in erster Linien beratend und unterstützend tätig sein, und dies ist eine kreative und konsensorientierte Tätigkeit, während die Aufsichtstätigkeit eigentlich nur der Wahrung der Unternehmenshygiene und der Ordnungsmäßigkeit der Abläufe dienen sollte. Sie ist mehr formaler Natur und, wenn es sein muss, konfrontativ anzulegen. Universitätsräte heißen "Universitäts- oder Hochschulräte"; und diese bisherige Wortwahl scheint mir klug, weil sie das Wort "Aufsichtsrat" vermeidet und damit bewusst auf eine zu starke Analogie Wirtschaftsunternehmen/Universität verzichtet.

Fazit: Beratung in gutem Konsens ist das, was eine Universität vorwärts bringen kann. Die Aufsichtstätigkeit sollte selbstverständliche Nebentätigkeit sein und sie bewahrt im Zweifel auch höchstens den Status quo.

Meine Damen und Herren, wenn wir uns auf dieses Grundverständnis einer gescheiten konsensorientierten Zusammenarbeit zwischen Rektorat, Senat und Universitätsrat einigen können, dann brauchen wir auch keine so kontraproduktive und rückwärtsgewandte Argumentation zu beginnen wie die des Vorsitzenden der Baden-Württembergischen Rektorenkonferenz, der kürzlich sagte: "Wesentliche Entscheidungsrechte vom Staat auf einen extern dominierten Aufsichtsrat statt auf die Universität selbst zu verlagern verstehe ich nicht als Stärkung der Autonomie" (Zitat Ende). Zum einen ist beängstigend, welcher Isolationismus hier zum Ausdruck kommt. Zum Zweiten ist die Aussage schlicht falsch, der Universitätsrat werde von Externen "dominiert". Jedenfalls kann ich Ihnen versichern, dass dies für unsere Universität nicht zutrifft, auch deshalb nicht, weil wir Gott sei Dank mit so gescheiten Leuten besetzt sind, dass keiner von uns versucht, die anderen zu "dominieren".

Im Gegenteil, und ich sage dies mit einem gewissen Stolz und stiller Freude: Die Zusammenarbeit im Universitätsrat ist vorzüglich und die Arbeit dort macht richtig Spaß. Die Zusammenarbeit mit dem Rektorat ist bisher problemlos und an einen ernsthaften Dissens mit dem Senat kann ich mich auch nicht erinnern. Im Gegenteil: alle Beteiligten haben ein gemeinsames Herzensanliegen: unsere Ruperta Carola noch weiter nach vorne zu bringen. Dieses Anliegen verbindet uns alle und wir sollten gemeinsam an diesem Ziel arbeiten, wozu übrigens ganz wesentlich auch die gemeinsame Entwicklung an der Strategie und Positionierung dieser Universität gehören. Wie uns das Focus-Rating gerade wieder bestätigt, gehören viele unserer Fakultäten heute zu den Besten in Deutschland und manche (wie zuletzt die Mathematik) sind klar die Nummer Eins.

Diese Positionen wollen wir gezielt ausbauen und u. a. durch Kooperationsverträge mit den Spitzenuniversitäten großer anderer Nationen weiterentwickeln. Zu dieser Positionierungsarbeit gehört auch, so schmerzhaft das im Einzelfall sein mag, in Ansehung immer knapper werdender öffentlicher Mittel, die Entscheidung im Einzelfall, auch eine schwache Position aufzugeben, um unsere Stärken weiter ausbauen zu können. Aber auch dies sollten wir im Konsens, mit Augenmaß und gegenseitiger Rücksichtnahme betreiben. Kurzum, nach vorn gerichtete Weiterentwicklung im Konsens ist der richtige Weg, dem Sie – Magnifizenz -, alle unsere Mitstreiter im Universitätsrat und ich uns gemeinsam verpflichtet fühlen.

Darf ein Universitätsrat träumen? Meine Antwort lautet also: Er ist dazu geradezu verpflichtet – aber schlafen darf er dabei natürlich nicht."

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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