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23. September 2004

Weltraumblick von bestechender Schärfe

Mit Heidelberger Beteiligung wurde ein Super-Teleskop gebaut – Damit lassen sich Planeten in anderen Sonnensystemen beobachten

Mit zwei Augen sieht man besser als mit einem, das gilt auch für Astronomen. Deshalb wurde auf dem 3190 Meter hohen Mount Graham im US-Bundesstaat Arizona das so genannte "Large Binocular-Telescope" mit zwei Spiegeln, statt des bisher üblichen Mono-Spiegels, gebaut, und zwar mit deutscher Beteiligung aus Heidelberg.

In einer Pressekonferenz am Max-Planck Institut für Astronomie (MPIA) auf dem Königstuhl informierten Vertreter der fünf beteiligten deutschen Forschungsinstitute über die Vorzüge sowie die von ihrer Seite eingebrachten wissenschaftlichen Neuerungen des Teleskops, das am 15. Oktober eingeweiht wird.

Und das neue Teleskop hat einiges zu bieten. So werden die beiden zusammengeschalteten 8,4 Meter durchmessenden Spiegel die Bildschärfe eines Spiegels mit 23 Metern Durchmesser haben. Ein solcher gigantischer Spiegel ist mit den heute vorhandenen technischen Möglichkeiten eigentlich noch gar nicht herzustellen. Die mit dem Super-Teleskop gemachten Bilder werden auch zehn Mal schärfer sein, als die vom Hubble-Weltraumteleskop gelieferten Aufnahmen.

Um diese Vorteile aber überhaupt zu erreichen, ist eine ganze Menge Technik notwendig und daran sind vor allem die deutschen Forschungsinstitute unter Führung des MPIA beteiligt. Alle bisher am Erdboden aufgestellten Teleskope haben einen gemeinsamen Gegner. Es ist die Atmosphäre, durch die das einfallende Sternenlicht nicht ungestört hindurchkommt, sondern regelrecht "verbogen" wird. Um diesen Effekt auszugleichen wurde maßgeblich vom MPIA ein Instrument mit dem phantastischen Namen Linc-Nirvana entwickelt. Die darin enthaltene so genannte adaptive Optik biegt das ankommende Licht wieder gerade. Dazu ist ein flexibler Spiegel notwendig, der die Verbiegung des Lichtes in der Atmosphäre ausgleicht. Der Spiegel muss dafür bis zu 2000 Mal pro Sekunde neu angepasst werden. Dies bedeutet enorme Anforderungen an Messinstrumente, Computer und mechanische Teile des Spiegels.

Aber Linc-Nirvana hat noch eine andere wichtige Aufgabe. Es muss das von den beiden Spiegeln aufgefangene Licht zusammenführen und somit verstärken. Auch hierfür ist höchste Präzision notwendig, denn es darf keine Zeitdifferenz zwischen den von den beiden Spiegeln ankommenden Signalen bestehen, sonst wird das aufgefangene Licht verzerrt oder sogar abgeschwächt.

"Die beste Linse taugt nichts, wenn keine Netzhaut und kein Gehirn zum Verarbeiten der Daten vorhanden sind", fasst Dr. Thomas Henning, Geschäftsführender Direktor des MPIA, die gesamte von deutscher Seite gelieferte Technik treffend zusammen. "Und mit dieser Technik ist Deutschland Spitze", so der Astronom. Denn außer Linc-Nirvana gibt es auch noch Pepsi, den weltweit größten und leistungsstärksten Spektrographen, der am Astrophysikalischen Institut in Potsdam entwickelt wurde. Mit diesem Spektrographen kann das aufgefangene Licht in seine einzelne Wellenlängen zerlegt werden. Hinzu kommt Lucifer, an dessen Herstellung unter anderem auch die Landessternwarte in Heidelberg beteiligt war und mit dem besonders lichtschwache Objekte am Rand des Universums sichtbar gemacht werden sollen.

Genauso ambitioniert wie die Technik sind natürlich auch die wissenschaftlichen Ziele. So sollen mit dem neuen Super-Teleskop beispielsweise Planeten in anderen Sonnensystem betrachtet werden. Der erste Sonnenstrahl im Universum ist aber genauso von Interesse für die Forscher.

Solche Spitzenforschung hat natürlich auch seinen Preis. Das gesamte Super-Teleskop kostete 120 Millionen US-Dollar. Daran beteiligten sich die deutschen Institute mit 25 Prozent. Dies sichert ihnen aber auch ein Viertel der Beobachtungszeit am neuen Teleskop.

So warten die Wissenschaftler auch schon ungeduldig auf den ersten Messtermin, der wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres sein wird. Dann wird ihnen das Teleskop aber für lange Zeit zur Verfügung stehen, denn es wird mit einer Betriebsdauer von 30 Jahren gerechnet, also für die Dauer einer gesamten Forschergeneration.
Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
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