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18. September 2004

Warum wird einer süchtig und der andere nicht?

Dr. Henrik Jungaberle stand Rede und Antwort zum Thema "Rituale und Drogen"

Logo KinderUni

Dr. Henrik Jungaberle hat einen spannenden Job. In der Abteilung Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums forscht er darüber, wie Drogen und Rituale zusammenhängen. Tania, Lukas, Sabrina, Adrian und Marcel von der Redaktion der Kinder-Uni im Netz (www.kinder-hd-uni.de) haben den Gesundheitswissenschaftler dazu befragt.

Was ist eigentlich ein Ritual?

Das fängt an, wenn Leute zusammenkommen, mit ihrem Körper etwas zeigen wollen und das wiederholt wird. Ein Gottesdienst ist ein Ritual oder eben das Glas Rotwein, das jemand regelmäßig trinkt, wenn er eine leckere Pizza isst. Rituale sind eine Art Aufführungen, ohne dass die Leute immer wissen müssen, dass sie gerade Theater spielen.

Was sind Drogen?

Von der Wortbedeutung her ist es eigentlich eine getrocknete Substanz, heute wird es für allerlei heilkräftige Stoffe verwendet. Wir verstehen aber meistens einen Stoff darunter, der das Bewusstsein verändert. Das kann eher dumpf und trüb machen wie beim Alkohol, oder aber auch wach machen und aufputschen wie bei Speed oder anderen Amphetaminen. Kaffee ist übrigens so eine Art Mini-Amphetamin.

Was haben Rituale und Drogen miteinander zu tun?

Rituale können dazu führen, dass Leute lernen kontrolliert mit Drogen umzugehen. Zum Beispiel die Zigarre, die man nur alle paar Monate raucht, wenn man mit einem bestimmten Kreis von Freunden zusammen sitzt.

Was ist an Drogen eigentlich gefährlich?

Alle Drogen haben gute und schlechte Seiten, sind gefährlich und ungefährlich zugleich. Es kommt darauf an, wie man sie benutzt. Drogen können Menschen körperlich und seelisch abhängig machen. Wenn sie die dann nicht mehr bekommen, haben sie Entzugserscheinungen wie Muskelschmerzen, Fieberschübe oder sie haben Krämpfe.

Warum wird der eine süchtig und der andere nicht?

Sucht hängt davon ab, welche Droge man wie oft und wie klug gebraucht, ob jemand seine Probleme auch ohne Drogen lösen kann, von den Menschen, mit denen er zusammen ist, ob er weiß, wann er die Kontrolle verliert und eben auch, welche Rituale damit verbunden sind. Viele Drogen machen nicht körperlich abhängig, können aber einen Menschen seelisch gewaltig fesseln.

Gibt es gute und schlechte Drogen?

Die Einschätzung von Drogen ändert sich ständig. Es ist bekannt, dass das Nikotin in Zigaretten und das Heroin ähnlich schnell abhängig machen. Trotzdem ist das eine erlaubt und das andere strikt verboten. Früher konnte man Heroin als Hustenmittel einfach in der Apotheke kaufen. Entwickelt wurde es übrigens als Ableger des Opiums. Das ist zwar auch eine Droge, wird aber in der Medizin gegen Schmerzen bei schwerkranken Menschen eingesetzt. Da hat es dann eine sehr positive Wirkung.

Wie wirken Drogen?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche, die Alkohol trinken werden ganz ruhig, andere drehen richtig auf und werden aggressiv. Die Wirkung einer Droge hängt auch von Stimmung, Einstellung und Umfeld ab.

Was erforschen Sie?

In den letzten 80 Jahren wurden die Drogen immer in gute und in schlechte Drogen eingeteilt. Nikotin, Alkohol und Kaffee waren erlaubt, die schlechten, waren die verbotenen. Wir versuchen, unabhängig davon, zu untersuchen, wie sie langfristig wirken. Uns interessiert auch, dass zu allen Drogen auch ein Lebensstil gehört. Bei uns werden Zigarren von Männern geraucht. In Kuba gibt es aber ältere Frauen, die dicke Zigarren paffen.

Hilft es, Drogenabhängige zu bestrafen?

Ich bin da skeptisch. Ein Beispiel aus Amerika: Ein Jahr Gefängnis für einen kleinen Drogendealer kostet den Steuerzahler 48000 Dollar. Die beste Behandlung würde 18000 Dollar kosten. Die Chancen auf Erfolg wären aber zigfach höher als im Gefängnis.

Warum greifen manche zu Drogen?

Bei vielen ist es einfach Neugierde. Vor allem Jugendliche wollen ihre Grenzen erfahren. Andere wollen endlich mal entspannen oder ihre Probleme vergessen und wieder andere wollen klarer sehen oder im Drogenritual mit ihren Ahnen in Kontakt treten.
Kirsten Baumbusch Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen bitte an
www.kinder-hd-uni.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


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