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23. September 2004

Wissenschaft schlägt Brücken – Forscherdelegation aus Nordkorea zu Gast in Heidelberg

15 Delegierte aus Nordkorea nahmen in Heidelberg an einem Seminar über Angewandte Mathematik und Physik teil – Allmähliches Tauwetter im kommunistischen Nordkorea – Wissenschaft als Chance, die internationale Isolation des Landes zu durchbrechen

International ist die "Demokratische Volksrepublik Korea" weitgehend isoliert. Gleichwohl begann das Land vor zwei Jahren, sich in kleinen Schritten gegenüber dem Westen zu öffnen. Einen etwas größeren Schritt wagte nun in diesen Tagen eine nordkoreanische Delegation, die an einem Seminar in Heidelberg teilnahm, um dort gemeinsam mit deutschen Wissenschaftlern über "Angewandte Mathematik und Physik" zu diskutieren.

Vorausgegangen war der Besuch einer achtköpfigen Delegation deutscher Wissenschaftler im vergangenen November in der nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang. Dort wurde die naturwissenschaftliche Seminarreihe begonnen, die in den kommenden Jahren anwendungsbezogene Themen der Angewandten Mathematik und Physik behandeln soll. Allein die Tatsache, dass solch ein Austausch zwischen Nordkorea und Deutschland überhaupt zu Stande kommt, ist ein Vorbote aufziehenden Tauwetters.

Möglich wurden die Seminare durch eine Initiative der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung. Die Ladenburger Stiftung unterstützt schon seit Jahren mit Länderprogrammen und Stipendien für Doktoranden die internationale Zusammenarbeit in den Wissenschaften. Einer der geografischen Schwerpunkte dieser Aktivitäten ist Südostasien. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Stiftung finanzieren das Seminar. "Die beteiligten Wissenschaftler sehen in dem Seminar einen Schritt, die internationale Isolierung des Landes zu durchbrechen", so Professor Gisbert Freiherr zu Putlitz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. "Nach meinen Erfahrungen mit der Sowjetunion in den 1970er Jahren ist der völkerverbindende Charakter der Wissenschaft oft sehr viel früher als Politik und Wirtschaft geeignet, ein Vertrauen zwischen den Eliten der Länder zu schaffen."

Ob das Engagement auch im Fall Nordkoreas Früchte tragen wird, muss sich zeigen. Gleichwohl scheint ein gewisser Optimismus durchaus angebracht, ist sich Dr. Jörg Klein – Geschäftsführer der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung – sicher: "Die Stiftung sucht gezielt das Gespräch mit Wissenschaftlern aus international isolierten Ländern Südost-Asiens, um sie mit Wissenschaftlern aus Deutschland in Kontakt zu bringen. Seit kurzem nun hat Nordkorea vorsichtig begonnen, seine Türen zu öffnen." Eine Chance, die es zu ergreifen gilt, wie Dr. Klein meint. "Die bisherige Diskussion bietet eine gute Basis für weiter reichende Kontakte zu den Wissenschaftlern des Landes."

Auch Professor Albrecht Winnacker – schon im vergangenen Herbst mitverantwortlich für das erste Seminar – ist sich des Erfolges sicher. Der am Institut für Werkstoffwissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg tätige Wissenschaftler freut sich vor allem über die schon jetzt sichtbaren Resultate: "Bereits auf dem ersten Treffen im letzten Jahr in Pjöngjang haben wir Kontakte für längerfristige Projekte und Gastaufenthalte koreanischer Wissenschaftler in Deutschland geknüpft. Dass es nun zu einem zweiten Treffen gekommen ist, beweist den Erfolg dieses Ansatzes."

Dass das erste Treffen auf deutscher Seite in Heidelberg stattfand, ist kein Zufall, ist doch die Neckarstadt auch auf der Koreanischen Halbinsel durchaus ein Begriff. "Die Kollegen aus Nordkorea haben schon bei den ersten Kontakten ihr reges Interesse gezeigt, nach Heidelberg zu kommen. Sie interessiert besonders die Arbeit unseres Instituts und die Heidelberger Physik", erklärte hierzu Professor Jürgen Warnatz, Direktor am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg, der das jetzige Seminar ausrichtete.

Dass man die Gästen aus Asien aber keineswegs für sich "alleine" haben möchte, beweist das Anschlussprogramm, das die Organisatoren für die Delegation ausgearbeitet haben. "Natürlich haben wir sie gerne eingeladen, sich über das Seminar hinaus für zwei Wochen in den Universitäten der Region umzusehen", versichert Jürgen Warnatz. Dass hierbei auch kulturelle Aspekte nicht außen vor bleiben, gebietet nicht nur die Gastfreundschaft. Auf dem Programm stehen das Schwetzinger Schloss, die Heidelberger Altstadt und eine Fahrt auf dem Neckar – etwas andere Punkte als beim ersten Treffen in Pjöngjang, wo die deutschen Wissenschaftler das Mausoleum des aufgebahrten Staatsgründers Kim Il Sung besuchten.

Jegliche politische oder ideologische Diskussion wurde gänzlich aus der Veranstaltung ausgeklammert. Natürlich tragen die 15 nordkoreanischen Gäste – unter ihnen zwei Wissenschaftlerinnen – durchweg kommunistische Ehrenabzeichen. Doch überschreiten die überraschend lockeren Gespräche niemals jene unsichtbare Grenze, die es im Umgang mit Abgesandten Nordkoreas einzuhalten gilt. Die sacht geöffnete Tür soll nicht unnötigerweise wieder zugeschlagen werden.

Der regelmäßige Austausch von Studenten zwischen beiden Ländern ist bereits vereinbart. Auf deutscher Seite ist das Interesse zwar erwartungsgemäß noch nicht geweckt – doch steht bei den koreanischen Nachwuchsforschern ein Aufenthalt in Deutschland als begehrtes Karrieresprungbrett durchaus hoch im Kurs. Zum Teil mag dies an den früheren Kontakten Nordkoreas zur DDR liegen, die sich noch heute in gelegentlich anzutreffenden Deutschkenntnissen äußern. Zwar laufen die Veranstaltungen durchweg in englischer Sprache ab, doch kann man davon ausgehen, dass die jetzt spürbare Favorisierung Deutschlands ihre Wurzeln auch in den Erfahrungen mit der ehemaligen DDR hat.

Ein weiterer Anreiz für Aufenthalte in Deutschland sind natürlich die Arbeitsbedingungen, die in Nordkorea weitaus schlechter sind als hier. So stehen beispielsweise in den dortigen Instituten keine vergleichbaren Hochleistungscomputer, sondern nur kleinere Rechner älterer Bauart – wie sie in Singapur für rund 500 Dollar verkauft werden – zur Verfügung, weiß Jürgen Warnatz von seinem letzten Aufenthalt in Nordkorea zu berichten. Insgesamt hinkt die nordkoreanische Forschung damit dem aktuellen Stand rund 15 Jahre hinterher. Gleichwohl bemühen sich die Forscher, den internationalen Standard dennoch zu erreichen. Ein probates Mittel hierzu ist natürlich ein Seminar, wie es jetzt in Heidelberg stattfand, und wie es kommenden Herbst wieder in Nordkorea veranstaltet werden soll. Und wenn dabei neben dem wissenschaftlichen Austausch auch persönliche Kontakte entstehen können, ist das sicherlich in beiderseitigem Interesse. Denn wenn es gelingt, die internationale Isolation des Landes ein klein wenig zu durchbrechen, ist das ein weiterer Beweis dafür, dass Wissenschaft auch gesellschaftliche Brücken zwischen den Nationen zu schlagen vermag.
Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Jürgen Warnatz
Interdisziplinäres Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 368
D-69120 Heidelberg
Tel. 06221 548248
warnatz@iwr.uni-heidelberg.de

Thomas Schmitt
Pressereferent
der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung
Tel. 06203 109213 oder 0179 122 96 56
Fax 06203 10925
schmitt@daimler-benz-stiftung.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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