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30. September 2004

Stark unterdurchschnittliches Ausbildungsniveau

Heidelberger Geographen untersuchten die Situation der spanischsprachigen Minderheiten im Bildungswesen der USA – Ursprünge der gesellschaftlichen Ungleichheit liegen 100 Jahre zurück

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Projekts "Bildungsinfrastruktur, Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg der Hispanics im Südwesten der USA" untersuchten Geographen der Universität Heidelberg unter Leitung von Prof. Peter Meusburger die Bildungssituation der hispanischen Bevölkerung im US-amerikanischen Bundesstaat New Mexico.

Den Forschungsergebnissen zufolge besteht ein deutlicher Zusammenhang des Bildungsverhaltens mit der Ethnizität der Bildungsteilnehmer. Hispanische und indianische Bevölkerungsgruppen sind gegenüber der übrigen Bevölkerung durch ein stark unterdurchschnittliches Ausbildungsniveau gekennzeichnet.

Die Ursprünge dieser gesellschaftlichen Ungleichheit liegen mehr als 100 Jahre zurück. Das Gebiet von New Mexico stand seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert unter spanischer Kolonialherrschaft, erlebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige Jahre der mexikanischen Unabhängigkeit, bis es im Jahre 1848 an die USA abgetreten wurde. Zum Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich dort ein modernes staatliches Bildungswesen entwickeln, das vor allem durch die Initiative einer zugewanderten angloamerikanischen und europäischen Bevölkerung getragen wurde. Trotz der Einführung einer allgemeinen Schulpflicht und der damit verbundenen Verbreitung von Lese- und Schreibkenntnissen, vermochten die ansässigen hispanischen und indianischen Bevölkerungsgruppen nicht mit dem rapide ansteigenden Ausbildungsniveau der angloamerikanischen weißen Bevölkerung mitzuhalten. Die Errichtung von höheren Bildungseinrichtungen und Universitäten führte zu einer fortschreitenden gesellschaftlichen Stratifizierung entlang ethnischer und zugleich sozioökonomischer Trennlinien, die bis in die Gegenwart vor allem im universitären Bildungsbereich Bestand hat.

Die wichtigste Ursache für das nach wie vor unterdurchschnittliche Ausbildungsniveau der Hispanics liegt im Zusammenspiel von Bildungsverhalten und kultureller Identität. Weite Teile der hispanischen Bevölkerung besitzen ein durchaus zwiespältiges Verhältnis gegenüber dem US-amerikanischen Bildungswesen, da sie mit dem Besuch von Bildungseinrichtungen nicht dieselben Wertvorstellungen verbinden wie die angloamerikanische Bevölkerung. Die stärkere Bildungsaffinität der weißen Bevölkerung hängt unter anderem damit zusammen, dass die Bildungseinrichtungen zumindest im Bereich der Hochschulen eine starke angloamerikanische Prägung aufweisen. Dies betrifft zum Beispiel die Ethnizität der Lehrenden, die Gestaltung der Lehrpläne und die Kommunikationsstrukturen während des Unterrichts. Aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds sind hispanische und indianische Studierende in besonderem Maße von Anpassungsschwierigkeiten betroffen, so dass es vergleichsweise häufig zum Studienabbruch beziehungsweise gar nicht erst zur Aufnahme eines Studiums kommt.

In der Grenzregion des texanischen El Paso und des mexikanischen Ciudad Juárez stellt sich die Bildungssituation in anderer Weise dar. Im Bereich der Schulen und Universitäten bestehen intensive grenzüberschreitende Kooperationen, und die Einzugsgebiete der Bildungseinrichtungen umfassen die gesamte binationale Agglomeration beiderseits der politischen Grenze. Anders als die US-hispanischen Bildungsteilnehmer zeigen mexikanische Schüler und Studierende in den USA einen überdurchschnittlichen Bildungserfolg. Sie kompensieren eingeschränkte englische Sprachkenntnisse durch eine größere Motivation und entsprechenden Arbeitseinsatz. Ausgestattet mit einer Identität als Mexikaner aus gehobenen gesellschaftlichen Verhältnissen fällt es ihnen leicht, die angloamerikanische Prägung der Bildungseinrichtungen zu akzeptieren und sich daran anzupassen, um durch ihren Bildungserfolg die Grundlage für eine herausgehobene berufliche und gesellschaftliche Position zu schaffen. Das grenzüberschreitende Bildungsverhalten ist eine wichtige Grundlage für eine wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Annäherung der beiden Staaten, birgt aber zugleich die Gefahr einer zunehmenden sozioökonomischen Benachteiligung eines Teils der mexikanischen Bevölkerung.

Kontakt:
Professor Dr. Peter Meusburger und Dr. Tim Freytag
Geographisches Institut der Universität Heidelberg
Berliner Straße 48, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 – 54 4573, Fax 54 5556
peter.meusburger@urz.uni-heidelberg.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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