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2. September 2004

Kinder-Uni im Netz im Reich der Giganten

Zwei Horn-Signale, ein kurzer Knall, eine riesige Staubwolke – und schon liegen 20000 Tonnen Kalkstein auf dem Grund des Steinbruchs

Die Kinder-Uni im Netz zu Besuch bei HeidelbergCement

Die Kinder-Uni im Netz zu Besuch bei HeidelbergCement. Das Unternehmen gehört seit einigen Tagen zu den Sponsoren des RNZ-Projekts. Im Nußlocher Steinbruch gab es neben einer Sprengung auch jede Menge gigantischer Maschinen zu sehen. Foto: Stefan Zeeh


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Riesige Lastwagen, Radlader, jede Menge Steine, dazu ein ohrenbetäubender Lärm und mittendrin Hermann Rothacher, Betriebsleiter des Steinbruchs Nußloch, der den Jung-Redakteuren der Kinder-Uni im Netz in aller Ruhe die Geheimnisse einer Sprengung verrät. Selbstverständlich ist für die Mini-Journalisten auch alles andere im Steinbruch von HeidelbergCement von größtem Interesse. Das nicht zuletzt deshalb, weil das Unternehmen seit ein paar Tagen zu den Sponsoren des wissenschaftsjournalistischen Projektes von und für Kinder (www.kinder-hd-uni.de) gehört.

"Schwerkraftlastwagen heißen diese monströsen Fahrzeuge im Fachjargon", weiß Rothacher und die Betonung liegt durchaus auf "schwer", denn immerhin befinden sich bis zu 100 Tonnen auf der Ladefläche. Dementsprechend sind die PS, immerhin 820, durchaus mit denen eines Formel-1-Rennwagens vergleichbar. Die Radlader, die diese Ungetüme beladen, sind ebenfalls riesig. Bis zu 20 Tonnen Gestein gehen in so eine Schaufel hinein. Von der Ladefläche landet das Gestein dann in dem Brecher, einer riesigen Gesteinsmühle, die den Krach verursacht.

Damit diese Maschinen aber überhaupt etwas zu tun haben, muss erst einmal das Gestein aus der Steinbruchwand herausgesprengt werden. Um die 27 Meter hohe Wand in sich zusammenfallen zu lassen, sind 20 Bohrlöcher notwendig, jedes 21 Meter lang, davon 18 Meter mit Sprengstoff bestückt.

"Der in Nußloch verwendete Sprengstoff ist relativ harmlos", erläutert der 62-jährige Rothacher. Immerhin kann man ein brennendes Streichholz daran halten, oder mit dem Hammer darauf schlagen, ohne dass er explodiert. Erst mit dem richtigen Zünder entfaltet er seine volle Wirkung.

Aber auch sonst sind viele Dinge zu beachten, damit genau die richtige Menge Gestein gesprengt wird, nicht zu viel und nicht zu wenig. In ein Bohrloch passt eigentlich immer nur eine ganz bestimmte Menge Sprengpulver, übrigens ein ganz normaler Kunstdünger, hinein. Befinden sich aber innerhalb eines Bohrlochs feine Risse, so versickert das Pulver darin und es ist schließlich viel mehr im Gestein als vorgesehen. Auf solche Dinge muss ein Sprengmeister achten. Nicht dass es ihm so geht, wie einem ehemaligen Sprengmeister bei Regensburg. Die Folge des Übermaßes an Sprengstoff war dort nämlich, dass die Felsbrocken bis zu anderthalb Kilometer weit ins nächste Dorf flogen.

Die eigentliche Sprengung ist dann nur eine Sekundenangelegenheit. Erst zwei Signale mit dem Horn, ein kurzer Knall, eine riesige Staubwolke und schon liegen 20000 Tonnen Kalkstein auf dem Grund des Steinbruchs.

Ein Kalkstein, der eine lange Geschichte hinter sich hat. Er entstand vor etwa 220 Millionen Jahren, als fast ganz Deutschland von einem seichten Meer überflutet war. Die versteinerten Reste von Seelilien, Seeigeln, so genannte Ceratiten (Verwandte der heutigen Tintenfische) zeugen von dem ehemaligen Reichtum an Lebewesen in diesem Meer. Dazu kommen noch Muscheln, die diesem Kalkstein, dem Muschelkalk, seine Namen geben. "Natürlich wird durch den Abbau auch ein Stück Natur vernichtet", gibt Hermann Rothacher zu bedenken. Doch schließlich wollen die Menschen über Brücken fahren oder sich ihr eigenes Haus bauen und immer wird Zement benötigt. Da stellt der Kalkstein eine der wichtigsten Zutaten dar.

Deshalb ist es dem Betriebsleiter umso wichtiger, dass nicht nur der Kalkstein abgebaut wird, sondern auch gleich wieder die Rekultivierung einsetzt. Hierfür wird der Abraum genutzt, also das Gesteinsmaterial, das zunächst einmal beiseite geschafft werden musste, um an die in etwa 40 Meter Tiefe lagernde Kalksteinschicht zu gelangen. Überhaupt hat es dem gelernten Maschinenbauer die Rekultivierung angetan und stolz erzählt er, wo wieder aufgeforstet wurde oder an welchen Stellen des ehemaligen Abbaues die Landwirtschaft schon wieder Einzug gehalten hat. Er überlegt sich sogar, auch nach seiner Pensionierung hier weiter tätig zu sein. Glücklicherweise ist es aber noch nicht soweit. Derzeit begeistert er noch jede Menge Besucher bei seinen Führungen. Dass dabei am Ende richtig Steine geklopft werden dürfen, ist natürlich das Größte.
Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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